ArianeGroup und Thales testen FLP-t 150

Die französischen Rüstungskonzerne ArianeGroup und Thales haben erstmals ihre gemeinsam entwickelte ballistische Munition FLP-t 150 erprobt. Der Testschuss fand am 5. Mai 2026 auf dem Testgelände Île du Levant im Mittelmeer statt und soll das Konzept für einen Nachfolger der bisherigen französischen Mehrfachraketenwerfer bestätigen.
FLP-t 150 I Foto: ArianeGroup

Die französischen Rüstungskonzerne ArianeGroup und Thales haben erstmals ihre gemeinsam entwickelte ballistische Munition FLP-t 150 erprobt. Der Testschuss fand am 5. Mai 2026 auf dem Testgelände Île du Levant im Mittelmeer statt und soll das Konzept für einen Nachfolger der bisherigen französischen Mehrfachraketenwerfer bestätigen.

Erster Flugtest auf Île du Levant

Begleitet wurde der Test von der Raketenversuchsabteilung der französischen Beschaffungsbehörde DGA (Direction générale de l’armement). Nach Angaben der beiden Unternehmen bestätigte der Flug die Systemarchitektur sowie die Auslegung von Antrieb und Lenkung. Die operative Reichweite der Munition wird mit mehr als 150 Kilometern angegeben – etwa doppelt so weit wie die derzeit in Frankreich genutzten GMLRS-Raketen aus US-Produktion.

Die FLP-t 150 verfügt über ein Lenksystem mit Steuerflächen am Heck des Triebwerks, das Endphasenmanöver und eine hohe Trefferpräzision ermöglichen soll – auch dann, wenn das Satellitensignal des Global Navigation Satellite System (GNSS) gestört wird. Diese Resilienz gegen elektronische Störmaßnahmen gilt seit den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine als zentrale Anforderung an neue Präzisionsmunition.

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Aufgabenverteilung im Industrieverbund

Im Rahmen der Industriepartnerschaft verantwortet Thales das Gesamtsystem. Dazu zählen der bodengebundene Werfer X-Fire, die Feuerleitanlage und das Abschusssystem. ArianeGroup steuert Antrieb und Lenkung der Munition bei und greift dabei auf Technologien aus dem Bereich ballistischer Raketen zurück, unter anderem aus dem Programm der U-Boot-gestützten Strategierakete M51. Der mobile X-Fire-Werfer wird in Kooperation mit dem elsässischen Fahrzeughersteller Soframe entwickelt; erste Demonstrationsschüsse sind bis Ende Mai 2026 vorgesehen.

Das System soll sowohl mit der neuen FLP-t-Munition als auch mit ausländischer Munition kompatibel sein. Zudem ist eine Anbindung an ATLAS vorgesehen, das automatisierte Feuerleitsystem der französischen Bodenartillerie, bei dem Thales bereits Hauptauftragnehmer ist.

Ersatz für das LRU-System

Hintergrund des Programms ist das vom französischen Verteidigungsministerium 2023 gestartete Vorhaben „Frappe Longue Portée Terrestre“ (FLP-T). Es soll die neun derzeit beim 1. Artillerieregiment der französischen Armee eingesetzten Mehrfachraketenwerfer LRU (Lance-Roquettes Unitaires) ersetzen. Diese basieren auf dem US-amerikanischen MLRS-System und stoßen nach Einschätzung der Streitkräfte an die Grenzen heutiger Anforderungen an die Bodenartillerie für hochintensive Konflikte.

Um den Auftrag konkurrieren zwei Konsortien: Neben dem Team aus ArianeGroup und Thales arbeitet ein Verbund aus MBDA und Safran an einer alternativen Rakete mit der Bezeichnung „Thundart“. Dieser hatte am 14. April 2026 ebenfalls auf der Île du Levant einen ersten Flugtest absolviert.

Industrielle Verankerung in Frankreich

Entwicklung und Fertigung sollen vollständig in Frankreich erfolgen. Auf Seiten von Thales sind die Standorte Cholet, Élancourt, Gennevilliers, La Ferté-Saint-Aubin und Valence beteiligt, hinzu kommt das Soframe-Werk in Duppigheim im Elsass. ArianeGroup bringt vor allem seine Anlagen in der Region Bordeaux ein. Ergänzt wird die Lieferkette durch ein Netzwerk kleiner und mittelständischer Unternehmen.

ArianeGroup, ein paritätisches Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und Safran, beschäftigt rund 8.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Frankreich und Deutschland und ist Hauptauftragnehmer für die europäische Trägerrakete Ariane 6 sowie für die strategische Rakete M51. Thales zählt mit über 85.000 Beschäftigten in 65 Ländern zu den größten europäischen Rüstungs- und Technologiekonzernen.

Einordnung

Mit der FLP-t 150 reiht sich Frankreich in eine Reihe europäischer Staaten ein, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ihre weitreichende Bodenartillerie ausbauen oder neu aufstellen. Reichweiten oberhalb von 100 Kilometern, eine hohe Mobilität der Werfer und Robustheit gegen elektronische Kampfführung gelten dabei als zentrale Anforderungen, die auch in den Entwicklungsprogrammen anderer NATO-Staaten zu finden sind.

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