Am 13. Mai 2026 trafen sich Staatssekretäre aus dem Bundesgesundheits- und dem Bundesverteidigungsministerium in Bonn und Koblenz mit der Führung des Zentralen Sanitätsdienstes. Themen waren die Arzneimittelversorgung in Krisenlagen, die zivil-militärische Zusammenarbeit und ein geplantes Gesundheitssicherstellungsgesetz.
An gleich zwei Standorten kam es am Mittwoch zu Arbeitsgesprächen zwischen Politik und militärischer Sanitätsführung. In Bonn empfing Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann, Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr, im Unterstützungskommando die Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Katja Kohfeld. Schwerpunkt der Gespräche war die Versorgung mit Arzneimitteln und Medizinprodukten in Krisenlagen.
Parallel besuchten die Parlamentarischen Staatssekretäre Georg Kippels (BMG) und Sebastian Hartmann (Bundesministerium der Verteidigung, BMVg) in Koblenz den größten Standort des Zentralen Sanitätsdienstes. Dort sind das Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr, das Multinational Medical Coordination Centre – Europe (MMCC-E) sowie das Bundeswehrzentralkrankenhaus angesiedelt. Gastgeber war Generalstabsarzt Johannes Backus, Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung.

Gesundheitssicherstellungsgesetz als zentrales Vorhaben
Im Zentrum der politischen Diskussion stand das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz. Staatssekretär Kippels bezeichnete es als sicherheitspolitisch notwendig und nicht als reine Formalie. Aus seiner Sicht müsse das Gesetz Zuständigkeiten, Befugnisse und Aufgaben für den Krisenfall verbindlich regeln – auf Bundesebene, in den Ländern und bei den Leistungserbringern. Die bestehenden Strukturen seien zwar leistungsfähig, es fehle aber bislang der rechtliche Rahmen für ihre Aktivierung im Ernstfall.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte bereits im Februar 2026 im Bundestag angekündigt, mit dem Gesetz einen einheitlichen, verbindlichen Rechtsrahmen für ein koordiniertes Zusammenwirken aller Akteure im Krisenfall zu schaffen. Laut Vorhabenplanung des BMG ist ein Referentenentwurf für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen, mit dem Ziel, die Resilienz des Gesundheitssystems angesichts geopolitischer Risiken zu stärken.
Arzneimittelversorgung als Sicherheitsfrage
Beim Treffen in Bonn ging es um die Frage, wie die Versorgung mit Medikamenten und Medizinprodukten in Krise und Krieg sichergestellt werden kann. Erörtert wurden Maßnahmen zur Stärkung resilienter Liefer- und Versorgungsstrukturen sowie der Aufbau eines ressortübergreifenden Lagebildes, das als Grundlage für die koordinierte Steuerung militärischer und ziviler Kapazitäten dienen soll.
Generaloberstabsarzt Hoffmann verwies darauf, dass Deutschland im Verteidigungsfall innerhalb der NATO eine besondere Rolle als logistische Drehscheibe übernimmt. Eine belastbare Sanitätsmateriallogistik lasse sich nur gesamtstaatlich – also durch Bundeswehr, Bundesministerien, Länder, Industrie und zivile Leistungserbringer gemeinsam – organisieren.
NATO-Bündnisfall: Bis zu 1.000 Verwundete pro Tag
Generalstabsarzt Backus nannte konkrete Planungsgrößen für ein Szenario nach NATO-Artikel 5: Mit bis zu 1.000 Verwundeten, Verletzten und Erkrankten pro Tag müsse gerechnet werden. Militärische und zivile Versorgungskapazitäten müssten in einem solchen Fall nahtlos zusammenwirken.
Wie eng zivile und militärische Strukturen bereits verzahnt sind, zeigte sich Anfang 2026 bei der Großübung „Medic Quadriga 2026“. Dabei testeten der Sanitätsdienst der Bundeswehr und zivile Akteure des Gesundheitswesens erstmals die Rettungskette für verwundete Soldaten im Bündnisfall. Szenario war ein Angriff auf das Baltikum, bei dem der Flughafen Berlin Brandenburg als Drehscheibe für die nationale Patientensteuerung diente. Beteiligt waren unter anderem die Charité, das Unfallkrankenhaus Berlin sowie das Bundeswehrkrankenhaus Berlin und mehrere Kliniken in Brandenburg.
Staatssekretär Hartmann kündigte an, dass das BMVg den Zentralen Sanitätsdienst in einem ersten Schritt um mehr als 3.000 zusätzliche Dienstposten verstärken werde. Ziel sei es, die medizinische Resilienz gemeinsam mit den NATO-Partnern auszubauen.
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