Digitalisierung der Landstreitkräfte macht Fortschritte

Digitalisierung der Landstreitkräfte macht Fortschritte
Foto: Bundeswehr/Jana Neumann

Die Bundeswehr kommt beim Großvorhaben zur Digitalisierung ihrer Landstreitkräfte voran, muss jedoch Verzögerungen bei der Integration in die Fahrzeuge aufholen. Kern des Rüstungsprojekts „Digitalisierung landbasierte Operationen“ (D‑LBO) ist ein neues digitales Führungs- und Informationssystem, das Soldaten, Fahrzeuge und Führungsebenen vernetzt.

Fortschritte beim System D‑LBO

Das Verteidigungsministerium berichtet, dass beim Projekt D‑LBO in allen drei wesentlichen Handlungsfeldern Fortschritte erzielt wurden. Aus der Basisversion D‑LBO basic entwickelt sich schrittweise ein Gesamtsystem, das Funkgeräte, einen sogenannten Tactical Core und ein Gefechtsführungs- bzw. Battle-Management-System umfasst. In jüngsten Tests im Ausbildungszentrum Munster erfüllte das System nach Angaben des Heeres einen Großteil der geforderten Kriterien: Lagebilder werden zuverlässig angezeigt, die Sprachverbindungen gelten als stabil, abbruchsicher und gegen Störungen robust, zudem wurde die Reichweite verbessert.

Trotz dieser Fortschritte bestehen weiterhin technische und organisatorische Herausforderungen im Zusammenspiel der Systemkomponenten. Das Ministerium verweist darauf, dass es sich um eine der komplexesten Umrüstungen in der Geschichte der Bundeswehr handelt, bei der Industrie, Truppe, Beschaffungsamt und Ministerium eng zusammenarbeiten. Im Laufe des Jahres sind weitere Erprobungen und Bewertungen vorgesehen, um das System schrittweise zu optimieren.

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Integration in Fahrzeuge und aktueller Umrüststand

Parallel zur Systementwicklung läuft die Integration von D‑LBO in die Fahrzeugflotten des Heeres. Über sogenannte Musterintegrationen wird für jeden Fahrzeugtyp eine Vorlage für die spätere Serienumrüstung erstellt; diese Vorarbeiten liegen nach Ministeriumsangaben überwiegend im Plan, sind aber noch nicht für alle Plattformtypen abgeschlossen.

In der Serienumrüstung wurden bereits mehr als 700 Fahrzeuge und Plattformen auf D‑LBO basic umgerüstet. Die Zahl der Standorte, an denen diese Arbeiten durchgeführt werden, wurde von zwei auf sieben erhöht, zusätzlich erfolgen Umrüstungen bei Industriepartnern. Dennoch liegt das Projekt hinter den eigenen Zeitvorgaben zurück, wofür sowohl Ursachen bei der Industrie als auch innerhalb der Bundeswehr genannt werden, unter anderem wetterbedingte Einschränkungen zu Jahresbeginn. Das Ministerium hat nach eigenen Angaben Gegenmaßnahmen eingeleitet, um die Verzögerungen aufzuholen.

Digitaler Mischbetrieb als Zwischenlösung

Da mehr als zehntausend Fahrzeuge nicht gleichzeitig umgerüstet werden können, setzt die Bundeswehr in einer Übergangsphase auf einen digitalen und verschlüsselten Mischbetrieb. In den Verbänden werden dann sowohl bereits digitalisierte Fahrzeuge als auch noch nicht umgerüstete und nicht mehr umzurüstende Plattformen parallel eingesetzt.

Um eine einheitliche Führungs- und Kommunikationsfähigkeit sicherzustellen, wurden in Zusammenarbeit mit der Industrie Lösungen mit digitalen Handfunkgeräten entwickelt, die sich ohne aufwendige Integration in die Fahrzeuge einrüsten lassen. Diese Geräte sollen digitale Sprach- und Datenübertragung ermöglichen, die Kommunikation schützen und gegnerische Aufklärung erschweren. Die Testergebnisse zeigen laut Bundeswehr deutliche Verbesserungen im Vergleich zu der bislang genutzten analogen Funktechnik. Nach der Übergangsphase sollen die Handfunkgeräte als zusätzliche Ausstattung für wachsende Truppenteile weiterverwendet werden.

Durch den Mischbetrieb will die Bundeswehr sicherstellen, dass auch während der Umrüstung einsatzbereite Großverbände zur Verfügung stehen. Konkret soll die Panzergrenadierbrigade 37 ab Anfang 2027 als digitalisierte Forward Land Force Brigade für die NATO bereitstehen. Das Projekt D‑LBO gilt als zentraler Baustein, um die Landstreitkräfte in multinationale, vernetzte Operationen einbinden zu können.

Neuer Vertrag für Neuplattformen und Handfunkgeräte

Mit der im April vorgestellten Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung und dem Aufwuchsplan der Bundeswehr ist ein deutlicher Ausbau der Fähigkeiten vorgesehen, insbesondere bei Gefechts- und Logistikfahrzeugen. Diese neu hinzukommenden Plattformen sollen vollständig in das digitale Funk- und Führungssystem D‑LBO integriert werden. Zudem müssen zusätzlich Soldatinnen und Soldaten mit digitalen Handfunkgeräten ausgestattet werden, um die vergrößerten Verbände durchgängig vernetzen zu können.

Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundestages ist ein Änderungsvertrag geplant, der zusätzliche Fahrzeugfunkgeräte und Handfunkgeräte umfasst. Der weitere Abruf aus einem bestehenden Rahmenvertrag soll dem Parlament voraussichtlich im Juni zur Billigung vorgelegt werden. Nach Ministeriumsangaben ermöglicht der Rahmenvertrag, benötigte Produkte zügig zu beschaffen, da die Vergabe- und Beschaffungsprozesse bereits etabliert sind.

Der Änderungsvertrag hat ein geplantes Volumen von rund 2,4 Milliarden Euro, davon entfallen gut zwei Milliarden Euro auf die Ausstattung neuer Plattformen. Dabei handelt es sich nach Darstellung des Ministeriums nicht um zusätzliche Kosten für das D‑LBO-Programm selbst, dessen Gesamtvolumen mit rund 11,5 Milliarden Euro beziffert wird, sondern um Investitionen im Zuge des künftigen personellen und materiellen Aufwuchses der Bundeswehr.

Zielbild: Vernetzte, geschützte Führungsfähigkeit

Mit D‑LBO verfolgt die Bundeswehr das Ziel, ein durchgängiges, verschlüsseltes und digitales Führungs- und Informationssystem aufzubauen. Dieses soll Soldatinnen und Soldaten, Fahrzeuge sowie höhere Führungsebenen in Echtzeit vernetzen und neben Sprechfunk auch Führungs-, Lage- und Aufklärungsdaten bereitstellen. Die angestrebte IT-Infrastruktur soll robust, interoperabel und mit den Systemen der NATO-Partner kompatibel sein.

Die analoge Funkwelt wird in diesem Konzept als nicht zukunftsfähig angesehen. Die Digitalisierung der Landstreitkräfte endet nach Angaben des Ministeriums nicht mit der geplanten Ausrüstung der für die „Division 2025“ vorgesehenen Verbände bis Ende 2027. Das System soll im Sinne des Prinzips „Software Defined Defence“ kontinuierlich weiterentwickelt werden, um technologische Fortschritte, etwa bei Vernetzung, Cyber- und Informationsraum sowie Künstlicher Intelligenz, in die Streitkräfte zu integrieren.

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