Das Verteidigungsministerium will laut Medienberichten 16 neue A400M kaufen, die ältere Maschinen der Luftwaffe ersetzen sollen. Für eine einheitlichere Flotte gibt es gute Gründe, doch Zeitpunkt und Stückzahl werfen Fragen auf.
Was geplant ist
Nach Informationen der Bild-Zeitung will das Verteidigungsministerium 16 weitere Airbus A400M beschaffen. Eine Quelle aus dem militärischen Bereich bestätigte den Plan gegenüber der Fachzeitschrift ES&T. Die Flotte wächst dadurch nicht: Die neuen Flugzeuge sollen einen Teil der vorhandenen Maschinen ablösen. Stationiert werden sollen sie wie alle deutschen A400M beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf. Laut Bild sind im Regierungsentwurf für den Haushalt dafür rund 3,6 Milliarden Euro für die Jahre 2028 bis 2032 vorgesehen. Eine offizielle Bestätigung des Ministeriums steht aus.
Das Argument für den Austausch
Die deutsche Flotte ist nicht einheitlich. Von den 53 Maschinen werden nur 37 für taktische Einsätze ausgerüstet, etwa mit Selbstschutz, taktischem Datenlink und ballistischem Schutz für die Besatzung. Zusätzlich soll ein Teil der Flotte das Selbstschutzsystem DIRCM erhalten. Mit der Nachrüstung von 24 deutschen A400M sind Elbit, Diehl und Airbus beauftragt. Im Ergebnis betreibt die Luftwaffe also Flugzeuge desselben Typs in mehreren Rüstständen.
Hier liegt der Vorteil einer Neubeschaffung. Wenn ältere Maschinen ohne Schutzsysteme durch voll ausgestattete Neubauten ersetzt werden, wird die Flotte einheitlicher. Das vereinfacht Logistik, Wartung und Ausbildung. Vor allem erleichtert es die Einsatzplanung, weil nicht mehr bei jedem Auftrag geprüft werden muss, welche Maschine für welches Bedrohungsumfeld geeignet ist.
Zweifel am Bedarf
Dagegen spricht das Alter der Flotte. Die ersten A400M stehen seit Dezember 2014 im Dienst, die letzte Maschine wurde im April 2026 übergeben. Damit sind die Flugzeuge noch weit vom Ende ihrer Nutzungsdauer entfernt, auch wenn sie intensiver genutzt werden als ursprünglich geplant. Die Luftwaffe selbst bezeichnete den A400M zum zehnjährigen Jubiläum als dauerhaftes Rückgrat ihrer Lufttransportflotte. Eine öffentliche Begründung, warum ein Teil dieser jungen Flotte schon jetzt ersetzt werden muss, hat das Ministerium bislang nicht vorgelegt.
Zwei Produktionsjahre für Airbus
Aufschlussreich ist die Stückzahl. Airbus und die europäische Rüstungsagentur OCCAR haben eine Produktionsrate von acht A400M pro Jahr bis 2029 vereinbart. Aus bestehenden Aufträgen erwarten nur noch Frankreich und Spanien 24 beziehungsweise 13 Maschinen. Frankreich hatte seinen Lieferplan bereits 2025 gestreckt, um die Fertigung noch einige Jahre zu sichern. Bei acht Flugzeugen pro Jahr entsprechen 16 Maschinen genau zwei weiteren Produktionsjahren. Die Stückzahl passt damit zu den Bedürfnissen der Luftwaffe, aber mindestens ebenso gut zur Auslastung der Fertigungslinie.
Das zweite Vorhaben dieser Art
Sollte sich der Bericht bestätigen, wäre es binnen kurzer Zeit das zweite Vorhaben, bei dem wirtschaftliche Interessen des Herstellers und der verkündete Bedarf auffällig zusammenfallen. Mitte September kündigte Pistorius bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 auf der Peene-Werft in Wolgast eine vierte Einheit an. Bis dahin war die Klasse auf drei Boote ausgelegt. Der Minister begründete den Schritt mit dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr, das nun vier Boote vorsehe. Der Werft in Wolgast drohte zu diesem Zeitpunkt eine Auftragslücke.
In beiden Fällen wird ein militärischer Bedarf angeführt, von dem zuvor öffentlich nicht die Rede war. Beide Vorhaben müssen noch vom Haushaltsausschuss des Bundestages gebilligt werden.
