Bundestag beschließt Ende des deutschen UNIFIL-Einsatzes im Libanon

Der Bundestag hat den geordneten Abschluss der deutschen Beteiligung an der UN-Mission UNIFIL vor der libanesischen Küste beschlossen. Nach fast zwei Jahrzehnten endet das militärische Engagement der Bundeswehr damit schrittweise bis Mitte 2027.
F123 | Foto: Bundeswehr/PIZ Marine


Der Bundestag hat den geordneten Abschluss der deutschen Beteiligung an der UN-Mission UNIFIL vor der libanesischen Küste beschlossen. Nach fast zwei Jahrzehnten endet das militärische Engagement der Bundeswehr damit schrittweise bis Mitte 2027.

Mit der namentlichen Abstimmung am 25. Juni 2026 hat das Parlament der von der Bundesregierung beantragten letztmaligen Verlängerung des Mandats zugestimmt. Grundlage war eine Beschlussempfehlung des federführenden Auswärtigen Ausschusses. Der operative Auftrag der Bundeswehr läuft demnach zum 31. Dezember 2026 aus; eine anschließende Abwicklungsphase reicht bis zum 30. Juni 2027.

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Zwei Phasen bis zum vollständigen Abzug

Bis Ende 2026 bleibt die personelle Obergrenze von bis zu 300 Soldatinnen und Soldaten unverändert bestehen. Zum 1. Januar 2027 wird das Kontingent an den reduzierten Auftrag angepasst und auf bis zu 80 Kräfte verringert. In dieser Schlussphase geht es vor allem um die Rückverlegung der noch an Land stationierten Restkräfte sowie um die Übergabe von Material und Infrastruktur an die Vereinten Nationen.

Hintergrund des deutschen Beschlusses ist das Auslaufen des UN-Mandats selbst. Mit der Resolution 2790 vom 28. August 2025 hatte der Sicherheitsrat das UNIFIL-Mandat ein letztes Mal bis zum 31. Dezember 2026 verlängert und zugleich eine darauf folgende Abwicklungsphase festgelegt. Die einsatzbedingten Zusatzausgaben für die deutsche Beteiligung bis Ende Juni 2027 beziffert die Bundesregierung auf rund 42,8 Millionen Euro.

Auftrag bis zum operativen Ende

Bis zum Auslaufen des operativen Mandats bleibt die Unterstützung der libanesischen Streitkräfte bei der Kontrolle des eigenen Staatsgebiets ein Schwerpunkt. Dies gilt insbesondere entlang der sogenannten Blue Line, der Demarkationslinie zwischen Israel und Libanon nahe dem Litani-Fluss. Maßgeblich bleibt dabei die UN-Sicherheitsratsresolution 1701 aus dem Jahr 2006, auf der die Mission beruht.

Der deutsche Beitrag umfasst weiterhin die seegestützte Überwachung des Seeraums, einen Beitrag zum Luftlagebild sowie die Durchsetzung des UN-Waffenembargos, das den Schmuggel von Rüstungsgütern über See verhindern soll. Hinzu kommen Transportunterstützung und die Ausbildung der libanesischen Streitkräfte mit Schwerpunkt auf der Marine. Die Bundeswehr stellt zudem den Kommandeur des UNIFIL-Marineverbandes sowie Stabspersonal im Hauptquartier in Naqoura.

Nach Darstellung der Bundesregierung hat die libanesische Marine bei der Überwachung der eigenen Hoheitsgewässer erhebliche Fortschritte erzielt. Sie ist demnach grundsätzlich in der Lage, alle technischen Abläufe von der Abfrage bis zur Inspektion verdächtiger Schiffe eigenständig durchzuführen; die Durchsuchung verdächtiger Schiffe liegt bereits seit Längerem bei den libanesischen Kräften. Die Ausbildung wurde im März 2026 angesichts der angespannten Sicherheitslage allerdings vorübergehend ausgesetzt, bleibt im Mandat aber vorgesehen.

Fragile Sicherheitslage als Hintergrund

Die Sicherheitslage im Libanon gilt weiterhin als instabil. Auswirkungen des Angriffs der Hamas auf Israel im Oktober 2023 sowie der Kampfhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah haben die Lage im Einsatzgebiet zugespitzt. Nach Einschätzung der Bundesregierung steht die libanesische Regierung weiterhin vor der Aufgabe, die Hisbollah zu entwaffnen, einen Abzug israelischer Truppen zu erreichen und eigene Kräfte in ausreichender Zahl im gesamten Staatsgebiet zu stationieren.

Der genaue Zeitpunkt für den Abzug der deutschen Fregatte hängt davon ab, wann die libanesische Marine den Auftrag übernimmt. Eine entsprechende Entscheidung des UN-Sekretariats ist bis zum 31. Dezember 2026 erforderlich.

Einordnung

UNIFIL zählt zu den ältesten noch aktiven UN-Missionen. Der Einsatz begann 1978 zunächst als Beobachtermission zur Überwachung des Waffenstillstands zwischen Israel und Libanon. Nach dem zweiten Libanonkrieg wurde das Mandat 2006 um die seeseitige Komponente erweitert. Seither beteiligt sich die Deutsche Marine an der Maritime Task Force – dem ersten Flottenverband unter Führung der Vereinten Nationen. Mit Blick auf das absehbare Missionsende haben Italien und Frankreich Berichten zufolge eine neue Unterstützungsmission ins Gespräch gebracht, um ein Sicherheitsvakuum in der Region zu vermeiden.

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