Bundeswehr schreibt mobiles Aufklärungsrobotersystem MoSeS aus

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat einen europaweiten Teilnahmewettbewerb für ein neues unbemanntes Bodensystem zur Gefechtsaufklärung gestartet. Die Rahmenvereinbarung sieht die Entwicklung und Lieferung von bis zu 28 Systemen vor.
Ghost Robotics Vision 60 I Foto: Defense Visual Information Distribution Service Quelle: https://www.dvidshub.net/

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat einen europaweiten Teilnahmewettbewerb für ein neues unbemanntes Bodensystem zur Gefechtsaufklärung gestartet. Die Rahmenvereinbarung sieht die Entwicklung und Lieferung von bis zu 28 Systemen vor.


Die Bundeswehr sucht einen Industriepartner für das Vorhaben „Mobiles Sensor-System“ (MoSeS). Das Verfahren wird als Verhandlungsverfahren mit vorheriger Veröffentlichung eines Wettbewerbsaufrufs auf Grundlage der EU-Verteidigungsrichtlinie 2009/81/EG durchgeführt.

Anforderungen an das System

MoSeS ist als unbemanntes mobiles Landsystem konzipiert, das von Soldatinnen und Soldaten sowohl bei aufgesessenen als auch bei abgesessenen Operationen eingesetzt werden soll. Das System muss teilautonom oder ferngesteuert betrieben werden können und auch bei erschwerten Witterungsbedingungen wie hohen Windstärken oder eingeschränkter Sicht funktionieren. Vorgesehen ist eine Mitführbarkeit in aktuellen und künftigen Transportpanzern und -fahrzeugen, wobei der Betrieb vollständig unabhängig von diesen Trägerfahrzeugen erfolgen soll.

Das Gesamtsystem besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem mobilen Sensorträger als eigenbeweglicher Einheit sowie der Bedien- und Auswerteeinheit (BAE). Über die BAE soll der Bediener den Sensorträger entweder direkt steuern oder Wegpunkte in einer elektronischen Karte vorgeben können. Der Sensorträger muss diesen Wegpunkten teilautomatisiert folgen, Hindernisse bei Tag und Nacht erkennen sowie selbstständig umgehen oder umfahren. Aufklärungsergebnisse sollen dem Bediener zudem nahezu in Echtzeit zur Verfügung stehen.

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Umfang und Finanzierung

Die ausgeschriebene Rahmenvereinbarung umfasst Entwicklung, Herstellung und Lieferung von bis zu 28 MoSeS-Gesamtsystemen einschließlich Zubehör und Peripherieleistungen. Die Laufzeit beträgt 48 Monate, eine Verlängerungsoption ist nicht vorgesehen. Von den 28 Systemen sind 26 als Bestellleistungen ausgewiesen, deren Finanzierung laut Bekanntmachung noch nicht gesichert ist. Vergabekriterium ist ausschließlich der Preis mit einer Gewichtung von 100 Prozent, der gemäß einer noch bereitzustellenden Wertungsmatrix bewertet wird.

Eignungsanforderungen an Bewerber

Bewerber müssen drei Referenzprojekte aus den letzten fünf Jahren mit einem Auftragswert von jeweils mindestens 100.000 Euro netto vorweisen. Die Referenzen sollen die Entwicklung und Herstellung unbemannter Landfahrzeuge sowie die zugehörige Funkhardware und -frequenzen zur Fernsteuerung umfassen. Wirtschaftlich werden eine Bilanzsumme und ein Gesamtumsatz von jeweils mindestens 2,5 Millionen Euro netto in den letzten beiden Geschäftsjahren verlangt. Die Frist für die Einreichung der Teilnahmeanträge endet am 10. Juni 2026 um 13:00 Uhr; die Aufforderungen zur Angebotsabgabe sollen voraussichtlich am 1. Juli 2026 versandt werden.

Hintergrund: Vorhaben mit Vorgeschichte

Das Projekt ist nicht neu: Nach Berichten war eine Ausschreibung bereits für 2023 geplant. Zuvor hatte die Wehrtechnische Dienststelle für Landfahrzeuge (WTD 41) in Koblenz mehrere kommerziell verfügbare unbemannte Bodensysteme angemietet und auf ihre Mobilität untersucht. Branchenbeobachter berichten, dass keines der getesteten Systeme die geforderten Anforderungen vollständig habe erfüllen können. Aufgrund der Anforderung, Hindernisse zu „umgehen“ – ein Begriff, der sowohl auf rad- oder kettengetriebene als auch auf schreitende Plattformen hindeutet – wird in Fachkreisen diskutiert, ob es sich bei der gesuchten Lösung um einen sogenannten Schreitroboter (Quadrupedal Unmanned Ground Vehicle) handeln könnte.

MoSeS reiht sich in eine Reihe von Bundeswehr-Vorhaben ein, mit denen unbemannte Systeme in allen Dimensionen ausgebaut werden. Das Heer hatte 2024 ein Konzept zum Einsatz unbemannter Systeme zu Lande, zu Wasser und in der Luft (UxS) sowie von Loitering Munition Systems finalisiert, das Fähigkeitsbedarfe und Stückzahlen definiert. Während im Bereich der Luftaufklärung etwa Systeme wie HUSAR oder die Nano-Drohne Black Hornet bereits eingeführt sind, gilt der Bereich bodengebundener unbemannter Systeme im Vergleich zur Luftdomäne als weniger weit entwickelt. Auf europäischer Ebene treibt die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) das Forschungsprojekt „Combat Unmanned Ground Systems“ (CUGS) voran.

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