Bundeswehr und Japan üben gemeinsame Versorgung Verwundeter

Vom 19. bis 29. Oktober 2026 beteiligt sich der Sanitätsdienst der Bundeswehr an der Übung Keen Sword 2026 in Japan. Gemeinsam mit japanischen Kräften und weiteren Partnern wird die Versorgung und Evakuierung einer großen Zahl von Verwundeten trainiert.
Foto: Bundeswehr/Susanne Hähnel

Vom 19. bis 29. Oktober 2026 beteiligt sich der Sanitätsdienst der Bundeswehr an der Übung Keen Sword 2026 in Japan. Gemeinsam mit japanischen Kräften und weiteren Partnern wird die Versorgung und Evakuierung einer großen Zahl von Verwundeten trainiert.

Multinationale Übung in Japan

Deutschland bereitet sich gemeinsam mit Japan, den USA, Neuseeland, den Philippinen und den Niederlanden auf die sanitätsdienstlichen Anforderungen möglicher Krisen und Konflikte vor. Rund 100 Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr nehmen vom 19. bis 29. Oktober 2026 an der Übung teil. Darüber hinaus sind Kräfte der ABC-Abwehr sowie die Luftwaffe mit einem A400M beteiligt.

Trainiert werden Verfahren, Fähigkeiten und die Zusammenarbeit der beteiligten Sanitätsdienste unter realitätsnahen Bedingungen. Neben medizinischen Behandlungsverfahren stehen dabei das gesamte Zusammenwirken im Fokus: die Versorgung und Evakuierung von Verwundeten, Führungs- und Kommunikationsstrukturen sowie die Abstimmung zwischen den beteiligten Nationen.

Rettungskette von Okinawa bis Tokio

Das Übungsszenario reicht von der Verwundetenversorgung auf Okinawa über den Lufttransport bis zur weiteren Behandlung auf der japanischen Hauptinsel. Zunächst steht der fachliche Austausch mit den japanischen Streitkräften im Vordergrund, unter anderem zur taktischen Verwundetenversorgung, zur Zusammenarbeit in Behandlungseinrichtungen der Role 2 und zur Übergabe an die japanische Role 3. Auch die Dekontamination von Verwundeten ist Teil der Übung; hierfür wird ein Verletzten-Entstrahlungs-, Entseuchungs- und Entgiftungsplatz (VLEP) eingesetzt.

Im weiteren Verlauf wird auf Okinawa ein großer Anfall von Verwundeten angenommen, deren Erstversorgung japanische, amerikanische, philippinische und neuseeländische Kräfte übernehmen. Ein A400M der Luftwaffe bringt anschließend Sanitätsmaterial und Blutprodukte nach Okinawa und simuliert den Lufttransport von Verwundeten nach Iruma bei Tokio. Dort übernimmt der deutsche Sanitätsdienst mit einer Role 2 die weitere Versorgung, bevor die Behandlung in einem japanischen Militärkrankenhaus der Role 3 fortgesetzt wird.

Teil der Großübung Keen Sword 27

Die sanitätsdienstliche Übung ist in die japanisch-amerikanische Großübung Keen Sword eingebettet. Nach Angaben des japanischen Vereinigten Generalstabs dient sie dazu, gemeinsame Reaktionen beider Länder auf verschiedene Krisenszenarien sowie die teilstreitkraftübergreifenden Operationen der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte zu trainieren und zu überprüfen. Die bilaterale Übungsreihe besteht seit dem Fiskaljahr 1985; die diesjährige Feldübung ist die 18. Auflage. Neben Deutschland sind als weitere ausländische Streitkräfte unter anderem Kanada, Frankreich, die Niederlande und Neuseeland gelistet.

Medienberichten zufolge sind auf japanischer Seite rund 45.000 Soldatinnen und Soldaten, 6.100 Fahrzeuge, 40 Schiffe und 260 Luftfahrzeuge beteiligt, gegenüber rund 33.000 Personen im Jahr 2024. Die USA sollen etwa 12.000 Soldatinnen und Soldaten stellen; mehrere Staaten, die 2024 noch als Beobachter teilnahmen, sind nun als Teilnehmer aufgeführt.

Einordnung in die Indo-Pazifik-Politik

Die Zusammenarbeit mit Japan steht für die Bedeutung belastbarer Partnerschaften über Europa hinaus. In der gemeinsamen Ausbildung werden unterschiedliche nationale Verfahren und Erfahrungen zusammengeführt, um im Ernstfall gegenseitig handlungsfähig zu sein. Grundlage des deutschen Engagements in der Region sind die Leitlinien der Bundesregierung zum Indo-Pazifik, die eine freie, offene und regelbasierte Ordnung sowie die Kooperation mit Partnern in der Region hervorheben.

Vorbereitung auf Landes- und Bündnisverteidigung

Für das Unterstützungskommando ist die Übung Teil einer langfristigen Vorbereitung auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Fähigkeiten, Strukturen und Kooperation sollen aufgebaut und erprobt werden, bevor eine Krise eintritt. Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann betont, dass die Vorbereitung auf den Ernstfall nicht erst mit dessen Eintreten beginnen könne. Es liege in der Verantwortung der Streitkräfte, bereits heute die Voraussetzungen für die künftige Handlungsfähigkeit Deutschlands zu schaffen und den Partnern Verlässlichkeit zu signalisieren.

Bereits im Februar und März 2026 hatte der Sanitätsdienst mit Medic Quadriga 2026 seine größte und komplexeste Übung seit Beginn des Krieges in der Ukraine durchgeführt, mit Übungsanteilen in Berlin und Litauen.

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