Lockheed Martin erweitert ARRW-Fertigung in Alabama

Die US Air Force hat Lockheed Martin mit der Produktion der luftgestützten Hyperschallwaffe AGM-183A ARRW beauftragt. Der Vertrag hat einen Wert von 694 Millionen US-Dollar, parallel baut das Unternehmen seine Fertigung in Troy im US-Bundesstaat Alabama aus.
Foto: Lockheed Martin

Die US Air Force hat Lockheed Martin mit der Produktion der luftgestützten Hyperschallwaffe AGM-183A ARRW beauftragt. Der Vertrag hat einen Wert von 694 Millionen US-Dollar, parallel baut das Unternehmen seine Fertigung in Troy im US-Bundesstaat Alabama aus.

    Auftrag nach mehrjähriger Entwicklung

    Lockheed Martin hat nach eigenen Angaben vom 27. Oktober 2026 von der US Air Force einen Auftrag über 694 Millionen US-Dollar für die Produktion des Air-Launched Rapid Response Weapon (ARRW) erhalten. Das System geht damit nach einer mehrjährigen gemeinsamen Entwicklungs- und Testphase von Unternehmen und Luftwaffe in die Fertigung. ARRW ist auf dem Langstreckenbomber B-52 integriert und soll der Air Force eine kurzfristig verfügbare Fähigkeit zum Hyperschall-Präzisionsschlag verschaffen. Angaben zur Stückzahl, zur Vertragslaufzeit oder zum Beginn der Auslieferungen enthält die Mitteilung nicht.

    Technische Merkmale

    ARRW soll mit mehr als fünffacher Schallgeschwindigkeit fliegen und Ziele aus großer Abstandsentfernung bekämpfen. Nach Angaben des Herstellers sollen hitzebeständige Werkstoffe den Betrieb unter extremen thermischen Belastungen ermöglichen, ein Technologiepaket an Bord soll Genauigkeit und Wirkung sicherstellen. Zudem sei die Waffe darauf ausgelegt, unterschiedliche Abwehrsysteme zu überwinden. Technisch handelt es sich um ein Boost-Glide-System, bei dem ein Raketentriebwerk einen antriebslosen Gleitkörper auf Hyperschallgeschwindigkeit beschleunigt, was Erfassung, Verfolgung und Abfangen erschweren soll. Der Congressional Research Service beziffert die vorgesehene Reichweite auf rund 1.000 Meilen, also etwa 1.600 Kilometer. Laut US Air Force ist ARRW dafür ausgelegt, feste, hochwertige und zeitkritische Ziele in umkämpften Räumen zu bekämpfen.

    Ausbau der Fertigung in Troy

    Am Tag der Bekanntgabe begann Lockheed Martin in Troy mit der Erweiterung des Gebäudes P-20. Der Anbau umfasst rund 4.400 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche für ARRW und verdreifacht die bisherige Fläche des Standorts. Über die kommenden vier Jahre sollen dort neue Arbeitsplätze entstehen. In Alabama beschäftigt das Unternehmen derzeit knapp 4.000 Mitarbeitende. In der Fertigung sollen robotergestützte und digitale Verfahren zum Einsatz kommen.

    Lockheed Martin hat nach eigenen Angaben bereits vor der staatlichen Finanzierung 67 Millionen US-Dollar in Anlagen und Ausrüstung für die ARRW-Produktion investiert. Die Summe ist Teil eines Investitionsprogramms von acht bis neun Milliarden US-Dollar bis 2030, mit dem das Unternehmen auf die gestiegene Nachfrage nach Munition reagiert.

    Tim Cahill, Präsident der Sparte Missiles and Fire Control, sieht in dem Auftrag einen Beleg dafür, dass Lockheed Martin neue Systeme zügig von der Entwicklung in die Produktion überführen könne. ARRW erweitere das Waffenportfolio des Unternehmens und stärke die Fähigkeiten der Air Force in mehreren Domänen.

    Wechselvolle Programmgeschichte

    Die Entwicklung von ARRW begann 2018 mit einem Vertrag über bis zu 480 Millionen US-Dollar. Seither hat die Air Force rund 1,4 Milliarden US-Dollar an Forschungs- und Entwicklungsmitteln in das Programm investiert. Nach mehreren Fehlschlägen in der Erprobung sah der im März 2024 vorgelegte Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2025 weder Beschaffungs- noch Entwicklungsmittel für ARRW vor, die Prototypenphase wurde 2024 abgeschlossen.

    Im Juni 2025 kündigte der damalige Generalstabschef der Air Force, General David Allvin, vor dem Kongress an, ARRW und den Hypersonic Attack Cruise Missile (HACM) im Haushalt 2026 berücksichtigen zu wollen. Im Haushaltsantrag für 2026 waren daraufhin 387,1 Millionen US-Dollar für den Produktionsbeginn vorgesehen, ohne Angabe der geplanten Stückzahl. Für das Fiskaljahr 2027 beantragte die Air Force 345,7 Millionen US-Dollar, davon 296 Millionen für eine weiterentwickelte Variante (Increment 2). Zudem soll ARRW künftig auch auf dem Bomber B-1B Lancer integriert werden, bisher erfolgten Testeinsätze ausschließlich von der B-52H.

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