Die dänische Beschaffungs- und Logistikorganisation DALO hat das Software Defined Radio BNET-V von DND Digital für die Fahrzeugflotte des dänischen Heeres ausgewählt. Grundlage ist eine Rahmenvereinbarung mit 20 Jahren Laufzeit, gefertigt werden die Geräte in Flintbek bei Kiel.
Rahmenvereinbarung über 20 Jahre
Die Danish Ministry of Defence Acquisition and Logistics Organisation (DALO) hat sich für das Fahrzeugfunkgerät BNET-V entschieden. Hersteller ist DND Digital, der Digitalgeschäftsbereich der Dynamit Nobel Defence GmbH mit Sitz in Burbach. Das gab das Unternehmen im Oktober 2026 bekannt. Die Funkgeräte sollen eine gemeinsame Kommunikationsarchitektur für bestehende und neu eingeführte Fahrzeuge des dänischen Heeres schaffen. Hintergrund ist der beschleunigte Aufbau der schweren Brigade.
Der Entscheidung ging nach Unternehmensangaben ein Wettbewerb voraus. DALO bewertete dabei Leistung, Skalierbarkeit, Interoperabilität mit verbündeten Streitkräften und die langfristige Versorgbarkeit. Laut DND Digital ist Dänemark der zweite europäische Kunde für die BNET-V-Familie aus deutscher Fertigung und der erste NATO-Staat, der das BNET-Netz in seiner gesamten Fahrzeugflotte einführt. Angaben zu Stückzahlen, Auftragswert und Lieferzeitraum enthält die Mitteilung nicht.
Gemeinsames Netz für Rad- und Kettenfahrzeuge
Mit BNET-V werden Fahrzeuge zu Knoten eines IP-basierten Mesh-Netzes, das sich selbst aufbaut und bei Ausfällen einzelner Teilnehmer neu organisiert. Übertragen werden Sprache, Daten und Video, auch während der Fahrt. So soll ein gemeinsames Lagebild von der Zugebene bis zum Brigadegefechtsstand entstehen, unabhängig davon, ob es sich um Rad- oder Kettenfahrzeuge handelt.
Technische Grundlage ist das von Rafael Advanced Defense Systems patentierte Verfahren Multi-Channel Reception (MCR). Damit kann jedes Gerät mehrere Frequenzen gleichzeitig empfangen und verarbeiten. Nach Herstellerangaben sind so hohe Datenraten, geringe Latenzen und Netze mit mehr als 1.000 Teilnehmern möglich. Als Anwendungen nennt das Unternehmen Gefechtsführungssysteme, Sensor-Wirkmittel-Verbindungen, Videoübertragungen unbemannter Systeme sowie multinationale Führungsnetze. Das System ist auf den Betrieb unter Störung, Täuschung und Abhörversuchen ausgelegt. Als softwaredefiniertes Funkgerät lässt es sich über die Nutzungsdauer per Software um neue Wellenformen und Funktionen erweitern, ohne dass die Hardware ersetzt werden muss.
Fertigung und Betreuung in Deutschland
Produziert werden die dänischen Geräte in Flintbek. Dort hat DND Digital 2026 nach einem umfassenden Technologietransfer von Rafael die Serienfertigung der BNET-Familie aufgenommen. Montage, Integration und Tests finden am Standort statt, beteiligt sind deutsche und europäische Zulieferer. Die Entwicklungszentren in Berlin und Leipzig übernehmen Ingenieursleistungen. Betreuung, Obsoleszenzmanagement und Fähigkeitserweiterungen sollen damit aus der EU heraus erfolgen.
Auch die Bundeswehr nutzt BNET-Technik. Im Vorhaben TaWAN LBO, dessen Hauptauftragnehmer Rheinmetall ist, liefert DND das Richtfunkgerät BNET HCLOS; das Gesamtvorhaben umfasst rund 5,5 Milliarden Euro bei zehn Jahren Laufzeit. Das erste Los umfasst 107 Systeme, weitere 628 sind geplant. In Flintbek können zunächst bis zu 30 Komponenten pro Monat gefertigt werden, ausbaufähig auf bis zu 120 Systeme.
Begründung der dänischen Seite
Andreas Dohrn, Director DND Digital, bezeichnet die Auswahl als strategische Entscheidung Dänemarks und verweist auf die Nähe des Standorts Flintbek zur dänischen Grenze. René Ulbjerg Toft, Leiter des Geschäftsbereichs Land C4ISR bei DALO, begründet die Wahl vor allem mit dem effizienten Umgang des Systems mit knappen Frequenzen. Viele Datenfunkgeräte könnten ein mobiles Ad-hoc-Netz aufbauen, entscheidend sei jedoch ein großes Netz mit ausreichender Bandbreite unter Störbedingungen. Als zweiten Faktor nennt Toft die Versorgungssicherheit: Die Nähe der Produktion zu Dänemark habe die Entscheidung mitbestimmt.
Einordnung: Aufbau der schweren Brigade
Dänemark baut seine in Holstebro stationierte 1. Brigade zu einer schweren Brigade um. Im Rahmen des sogenannten Acceleration Fund ist dafür der Zeitraum 2025 bis 2033 vorgesehen. Die Brigade soll rund 6.000 Soldatinnen und Soldaten umfassen und bis 2028 für NATO-Kräfte verfügbar sein. Die Einführung eines einheitlichen Fahrzeugfunks ist Teil dieses Aufwuchses.
