Saab hat drei kanadische Luftfahrtunternehmen als Hauptpartner für eine mögliche Gripen-Beschaffung durch Kanada benannt. Die Vereinbarungen greifen nur, wenn Ottawa sich für den Gripen E entscheidet.
Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat am 27. Oktober 2026 die Unternehmen CAE, IMP Aerospace & Defence und Magellan Aerospace als seine wichtigsten kanadischen Industriepartner für den Kampfjet Gripen E vorgestellt. Die Zusammenarbeit steht unter dem Vorbehalt, dass die kanadische Regierung das Flugzeug beschafft. Nach Angaben von Saab ist sie der erste Schritt zu einem landesweiten Netzwerk, das den Gripen in Kanada fertigen, ausliefern und über die Nutzungsdauer betreuen soll.
Im Fall eines Auftrags wollen Saab und die Partner in Kanada Kapazitäten für Produktion, Endmontage, Instandhaltung und Weiterentwicklung aufbauen. Hinzu kämen Ausbildung, In-Service-Support und die langfristige Betreuung der Flotte.
Aufgabenverteilung unter den Partnern
Mit IMP Aerospace & Defence hat Saab eine neue Teaming-Vereinbarung geschlossen. Das Unternehmen soll eine Endmontagelinie für den Gripen in Kanada einrichten und zusätzlich die Fertigung elektrischer Baugruppen sowie den In-Service-Support für die kanadischen Maschinen übernehmen. Laut The Globe and Mail wäre die Endmontagelinie in Halifax angesiedelt.
Magellan Aerospace hat mit Saab eine neue Absichtserklärung unterzeichnet. Sie sieht die Fertigung von Flugzeugstrukturen, Verbundwerkstoffbauteilen und strukturellen Baugruppen in Kanada vor. Das Unternehmen ist bereits Zulieferer im kanadischen F-35-Programm und fertigt in Winnipeg Baugruppen für das Höhenleitwerk. Gemeinsam mit GE Aerospace hat Magellan außerdem eine Vereinbarung zur Wartung der Gripen-Triebwerke geschlossen, die ebenfalls nur bei einem Kauf durch Ottawa wirksam wird.
Bereits zuvor hatte Saab eine Absichtserklärung mit CAE unterzeichnet. Das Unternehmen soll demnach die Ausbildung von Kampfpiloten und Technikern übernehmen sowie Leistungen in der Systemtechnik der Missionssysteme und bei Unterstützung und Erhaltung erbringen.
Erwartungen von Saab und den Partnern
Saab-Vorstandschef Micael Johansson bezeichnet die Kampfflugzeugfähigkeit Kanadas als langfristige nationale Investition. Gemeinsam mit den drei Partnern sei Saab bereit, ein kanadisches Industrienetzwerk rund um den Gripen aufzubauen, das militärische Wirkung, nationale Souveränität sowie dauerhaften industriellen und technologischen Nutzen verbinde.
David Gossen, Präsident von IMP Aerospace & Defence, weist darauf hin, dass die geplante Fertigung zunächst auf kanadische Anforderungen ausgerichtet wäre, aber auch Flugzeuge für andere Gripen-Nutzer produzieren und betreuen könnte. Haydn Martin, Vice President Business Development bei Magellan Aerospace, hebt die Fertigungserfahrung des Unternehmens und mögliche hochqualifizierte Arbeitsplätze hervor. Pascal Grenier, Präsident von CAE Defense & Security, verweist auf die langjährige Zusammenarbeit mit der Royal Canadian Air Force und erklärt die Bereitschaft, im Fall einer Gripen-Entscheidung mit Saab zusammenzuarbeiten.
Nach Darstellung von Saab sollen die Partnerschaften neue Arbeitsplätze und Kompetenzen in Bereichen wie Hochtechnologiefertigung, fortschrittliche Werkstoffe und modellbasiertes Systems Engineering schaffen. Darüber hinaus steht das Unternehmen nach eigenen Angaben mit weiteren kanadischen Firmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Kontakt. Neue Angaben zu erwarteten Arbeitsplätzen oder Kosten enthält die Mitteilung nicht. Für ein Gesamtpaket aus 72 Gripen und sechs GlobalEye-Überwachungsflugzeugen hatte Saab zuvor 12.600 Arbeitsplätze in Kanada in Aussicht gestellt.
Hintergrund: Überprüfung des F-35-Kaufs
Premierminister Mark Carney hat die geplante Bestellung von 88 F-35 Tarnkappenjets angehalten; statt einer reinen F-35-Flotte ist auch eine gemischte Flotte mit Gripen möglich. Die Überprüfung wurde angeordnet, nachdem US-Präsident Donald Trump einen Handelskonflikt mit Kanada begonnen hatte. Derzeit sind 16 F-35 vertraglich gebunden, für 14 weitere hat Kanada Vorlaufkosten gezahlt. Über die verbleibenden 72 Maschinen der ursprünglich 88 Flugzeuge umfassenden Bestellung ist noch nicht entschieden. Ende Oktober 2026 hat Kanada die ersten beiden F-35 erhalten. Wann die Regierung eine endgültige Entscheidung treffen will, hat sie bislang nicht mitgeteilt.
