infodas und Schwarz Digits kooperieren bei Cross-Domain Solutions für die STACKIT-Cloud

infodas und Schwarz Digits kooperieren bei Cross-Domain Solutions für die STACKIT-Cloud
Foto: Schwarz Digits

Das Kölner Cybersicherheitsunternehmen infodas und die IT-Sparte der Schwarz Gruppe haben eine strategische Partnerschaft vereinbart. Ziel ist es, Netzwerke unterschiedlicher Geheimhaltungsstufen über die Cloud-Infrastruktur STACKIT kontrolliert miteinander zu verbinden.

Die Airbus-Tochter infodas und Schwarz Digits wollen künftig ihre Technologien für den sicheren Datenaustausch und für Cloud-Infrastrukturen enger verzahnen. Das haben beide Unternehmen am 17. September 2026 mitgeteilt. Bekanntgegeben wurde die Kooperation im Rahmen des Cloud X Summit, einer Veranstaltung des Cloud-Anbieters STACKIT. Adressiert werden laut Mitteilung Kunden aus dem öffentlichen Sektor, insbesondere Behörden, Streitkräfte und Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS). Angaben zu konkreten Produkten, Zeitplänen, ersten Kunden oder einem finanziellen Volumen enthält die Mitteilung nicht.

Domänenübergänge in der Cloud

Kern der Partnerschaft ist die Integration der sogenannten Cross-Domain Solutions von infodas in das STACKIT Cloud Continuum. Domänenübergänge regeln den kontrollierten Datenfluss zwischen Netzen, die aus Sicherheitsgründen voneinander getrennt sind – etwa zwischen einem offenen und einem eingestuften Netz. Die Produktfamilie SDoT (Secure Domain Transition) von infodas ist nach Unternehmensangaben teilweise für die Geheimhaltungsgrade GEHEIM, EU SECRET und NATO SECRET zugelassen; zahlreiche Produkte sind zudem nach Common Criteria zertifiziert.

Nach Darstellung der Partner soll die Kombination es ermöglichen, Netze verschiedener Einstufungen innerhalb der STACKIT-Infrastruktur richtlinienkonform zu koppeln. Hintergrund ist ein bekanntes Problem in Behörden und Streitkräften: Die strikte Trennung von Netzen führt häufig dazu, dass Informationen in isolierten Systemen verbleiben und nur mit hohem Aufwand ausgetauscht werden können. Die gemeinsamen Lösungen sollen einen durchgängigen Informationsfluss herstellen, ohne Sicherheitsvorgaben zu unterlaufen.

Software statt Spezialhardware

Als zweiten Schwerpunkt nennen die Unternehmen die Virtualisierung. Sowohl infodas als auch Schwarz Digits wollen verstärkt auf softwaredefinierte Sicherheitslösungen setzen, die nicht an spezielle Hardware gebunden sind. Begründet wird dies mit dem Ziel, die Abhängigkeit von internationalen Hardware-Lieferanten zu verringern und kritische Infrastrukturen widerstandsfähiger gegen Lieferkettenstörungen und geopolitische Risiken zu machen.

Thorsten Ecke, Managing Director von infodas, bezeichnet die Partnerschaft als folgerichtigen Schritt. Virtualisierte Lösungen erlaubten nach seiner Aussage flexible und zugleich sichere Cloud-Architekturen über sämtliche Geheimhaltungsstufen hinweg. Harald Mannheim, Head of Defence bei Schwarz Digits, hebt hervor, dass infodas mit den Anforderungen des Sicherheitsumfelds vertraut sei. Die Verbindung der infodas-Domänenübergänge mit dem STACKIT-Angebot eröffne Kunden nach seiner Darstellung neue Möglichkeiten der sicheren Vernetzung unter vollständig souveräner Kontrolle.

Die beteiligten Unternehmen

infodas wurde 1974 gegründet und hat seinen Sitz in Köln; weitere Standorte bestehen in Berlin, Bonn, Hamburg, Mainz und München. Das Unternehmen berät Unternehmen, Behörden und Militär zu Cyber- und Informationssicherheit und entwickelt eigene Hochsicherheitsprodukte. Airbus Defence and Space hatte die Übernahme von infodas im September 2024 nach Erteilung der behördlichen Genehmigungen abgeschlossen. Zum Zeitpunkt der Übernahme beschäftigte infodas rund 250 Mitarbeitende und erzielte einen Jahresumsatz von etwa 50 Millionen Euro.

Schwarz Digits ist die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören. Zum Angebot zählen Cloud-Dienste, Cybersicherheit, Daten- und KI-Anwendungen sowie Kommunikations- und Workspace-Lösungen. Im Juni 2026 hat das Unternehmen seine Aktivitäten im Verteidigungsbereich in einem eigenen Geschäftsbereich Defence gebündelt. Dessen Leitung übernahm Harald Mannheim, der zuvor bei Airbus Defence and Space den Geschäftsbereich „Defence Digital and Cyber“ verantwortet hatte.

Einordnung

Die Kooperation reiht sich in weitere Partnerschaften von Schwarz Digits im Verteidigungssektor ein. Bereits im Februar 2026 hatten Hensoldt und Schwarz Digits eine strategische Zusammenarbeit angekündigt, bei der auf Basis von STACKIT sichere Cloud-Umgebungen für militärische Anwendungen entstehen sollen – einschließlich eines geplanten Datenaustauschs bis zum Geheimhaltungsgrad VS-Geheim.

Die STACKIT Distributed Cloud ist nach Angaben von Schwarz Digits auf einen „air-gapped“-Betrieb ausgelegt, also auf eine physische Trennung vom öffentlichen Internet. Für die sicherheitsrelevanten Komponenten strebt STACKIT eine Zulassung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Verarbeitung von Verschlusssachen an. Ein Abschluss dieses Verfahrens war zum Zeitpunkt der Schwarz-Digits-Mitteilung im Juni 2026 nicht gemeldet.

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