Die Bundeswehr zählte Ende August 2026 rund 186.400 aktive Soldatinnen und Soldaten und liegt damit im gesetzlichen Zielkorridor für 2026 – rund 400 Personen über dessen Untergrenze. Aus mehr als 451.000 Anschreiben zur Wehrerfassung sind bislang 1.155 Einplanungen hervorgegangen.
Personalstärke im Korridor, Abstand zur Untergrenze gering
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat am 18. September die Personalzahlen zum Stichtag 31. August 2026 veröffentlicht. Demnach dienten rund 186.400 aktive Soldatinnen und Soldaten in den Streitkräften, etwa 4.000 mehr als ein Jahr zuvor. Rund 600 dieses Zuwachses entfallen auf den Neuen Wehrdienst im Vergleich zu den Freiwillig Wehrdienstleistenden (FWDL) des Vorjahres, rund 3.400 auf längerdienende Zeit- und Berufssoldaten. Gegenüber dem Jahresende 2025 beträgt das Plus nach Ministeriumsangaben gut 2.200. Hervorgehoben wird ein Anstieg bei den Unteroffizierslaufbahnen mit und ohne Portepee.
Das im Dezember 2025 beschlossene Wehrdienstmodernisierungsgesetz legt für 2026 einen Korridor von 186.000 bis 190.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten fest. Der aktuelle Stand liegt rund 400 über der Unter- und rund 3.600 unter der Obergrenze. Im Vergleich zum Juli (186.700) sank die Stärke um etwa 300. Das Ministerium führt dies auf saisonale Effekte zurück: Im August scheiden überdurchschnittlich viele FWDL aus, um im Herbst eine Ausbildung oder ein Studium aufzunehmen. Bereits Ende Januar 2026 hatte die Truppenstärke nach Angaben des Reservistenverbands bei 186.423 gelegen; seit Jahresbeginn hat sie sich damit per Saldo kaum verändert. Das BMVg erwartet bis Jahresende steigende Zahlen und einen Stand deutlich innerhalb des Korridors.
Langfristig sieht die Bundesregierung bis 2035 eine Stärke von 260.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten vor. Ausgehend vom aktuellen Stand wären rechnerisch rund 73.600 zusätzliche aktive Kräfte nötig – im Schnitt etwa 7.900 pro Jahr und damit knapp das Doppelte des derzeitigen Jahreszuwachses.
Mehr Bewerbungen und Einstellungen
Bei der regulären Personalgewinnung meldet das Ministerium steigende Werte. Bis Ende August wurden rund 85.000 Erstberatungen verzeichnet. Die Zahl der Bewerbungen für eine militärische Laufbahn stieg auf rund 53.100, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Neueinstellungen erhöhten sich um 13 Prozent auf rund 17.000. Im Rahmen des Neuen Wehrdienstes dienen derzeit rund 11.400 FWDL und kurzdienende Zeitsoldaten, etwa sechs Prozent mehr als FWDL mit bis zu 23 Monaten Dienstzeit im Vorjahr. Ende Juli hatte diese Zahl noch bei rund 12.100 gelegen.
Wehrerfassung: 451.400 Anschreiben, 1.155 Einplanungen
Seit Jahresbeginn erhalten alle 18-Jährigen einen Fragebogen zur Wehrerfassung; für Männer ist die Beantwortung verpflichtend, für Frauen freiwillig. Bis Ende August verschickte die Bundeswehr über 451.400 Anschreiben, davon rund 231.700 an Männer und rund 219.700 an Frauen und Personen anderen Geschlechts. Innerhalb der Frist antworteten rund 96 Prozent der Männer und rund 3,5 Prozent der Frauen und Personen anderen Geschlechts.
Aus dem Kreis der Interessierten durchliefen bis Ende August rund 3.400 Personen ein Assessment. Anschließend wurden 1.155 Bewerberinnen und Bewerber für eine Verwendung eingeplant, knapp 1.000 davon für 2026, die übrigen für 2027. Rechnerisch entfällt damit eine Einplanung auf rund 390 Anschreiben. Im Juni hatte das Ministerium angegeben, dass mehr als jeder fünfte antwortende Mann Interesse an einem Wehrdienst bekundet habe. Bei unveränderter Quote entspräche dies nach aktuellem Rücklauf mehr als 40.000 interessierten Männern.
Das BMVg bezeichnet den Personalzuwachs aus der Wehrerfassung als Ergänzung zur regulären Personalgewinnung. Nach früheren Ministeriumsangaben ist zudem rund zwei Drittel der Interessierten wegen laufender Schul- oder Ausbildungsverhältnisse erst in ein bis zwei Jahren verfügbar.
Musterung des Jahrgangs 2008 im Aufbau
Seit Juli mustert die Bundeswehr im Rahmen freier Kapazitäten der Karrierecenter auch 18-jährige Männer, die im Fragebogen kein Interesse angegeben haben; bislang waren es knapp 1.000. Die flächendeckende Musterung aller 18-jährigen Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 soll ab Juli 2027 mit 24 Musterungszentren sichergestellt werden. Nach Angaben des Reservistenverbands sollen dann jährlich rund 100.000 Personen gemustert werden können. Ab Mitte 2027 will der Bundestag zudem überprüfen, ob die gesetzlich vorgesehenen Personalzahlen erreicht werden.
