Das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ haben den Suezkanal passiert und steuern Dschibuti an. Hintergrund ist ein möglicher Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus, über den der Bundestag noch entscheiden muss.
Am frühen Morgen des 18. Juni 2026 haben das Minenjagdboot „Fulda“ und der Tender „Mosel“ den Suezkanal in Richtung Rotes Meer durchquert. Begleitet wurden die beiden deutschen Einheiten dabei vom britischen Versorgungsschiff „Lyme Bay“. Das teilte das Bundesministerium der Verteidigung mit. In einem multinationalen Verband sollen die Schiffe das Rote Meer nach Süden durchfahren und nach etwa fünf bis sieben Tagen den Hafen von Dschibuti erreichen.

Während des Transits sind „Fulda“ und „Mosel“ in die EU-geführte Operation EUNAVFOR ASPIDES eingebunden und tragen zum maritimen Lagebild im Roten Meer bei. In Dschibuti sollen die Einheiten zunächst logistisch nachversorgt werden und anschließend weitere Einsatzvorbereitungen durchführen. Nach Angaben des Ministeriums befinden sich rund 140 Soldatinnen und Soldaten an Bord.
Ausrüstung für einen möglichen Einsatz
Mit Blick auf einen denkbaren Einsatz wurden die beiden Schiffe zusätzlich ausgerüstet: Hinzu kamen autonome Systeme, Minentaucher und sogenannte Vessel Protection Teams, die für den Schutz der Einheiten zuständig sind. Die „Fulda“ gehört zur Frankenthal-Klasse, einem auf Seeminenabwehr spezialisierten Bootstyp. Solche Boote können Minen mit Sonar orten, sie mit ferngelenkten Unterwasserdrohnen identifizieren und vernichten sowie Minentaucher einsetzen, um Sprengkörper an schwer zugänglichen Stellen unschädlich zu machen. Der Tender „Mosel“ dient als Versorgungsschiff und führt unter anderem Kraftstoff, Frischwasser, Ersatzteile, Proviant und Munition mit.
Hintergrund ist eine mögliche deutsche Beteiligung an einer internationalen Operation in der Straße von Hormus. Schon Anfang Mai 2026 verlegte die Marine „Fulda“ und „Mosel“ in den ständigen NATO-Minenabwehrverband im Mittelmeer, um näher an die Krisenregion zu rücken. Die Bundesregierung will sich nach eigenen Angaben in einer internationalen Koalition am Schutz der freien Schifffahrt beteiligen.
Entscheidung liegt beim Bundestag
Ob es tatsächlich zu einem Einsatz kommt, ist offen. Das Verteidigungsministerium nennt drei Voraussetzungen: eine nachhaltige Beendigung der Kampfhandlungen in der Region, eine völkerrechtliche Grundlage und ein Mandat des Bundestages. Eine Befassung des Parlaments mit einem entsprechenden Mandat strebt die Bundesregierung noch vor der Sommerpause an. Eine vorausgeschobene Stationierung wie die aktuelle erlaubt es Seestreitkräften, im Fall eines Beschlusses ohne längere Verzögerung mit dem Einsatz zu beginnen; bleibt das Mandat aus, kehren die Einheiten zurück.
Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der omanischen Halbinsel Musandam zählt zu den wichtigsten maritimen Engstellen weltweit. An ihrer schmalsten Stelle ist sie rund 33 Kilometer breit. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA passieren die Meerenge in normalen Zeiten täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl und Mineralölprodukte – mehr als ein Viertel des global seegestützt gehandelten Öls. Hinzu kommt rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas. Alternative Transportwege bestehen nur in begrenztem Umfang.
Hintergrund: Mission EUNAVFOR ASPIDES
Die EU-Operation EUNAVFOR ASPIDES wurde im Februar 2024 als defensive Mission zur Sicherung der Schifffahrt eingerichtet, nachdem die jemenitische Huthi-Miliz seit November 2023 Handelsschiffe im Roten Meer und an der Meerenge Bab al-Mandab angegriffen hatte. Das Einsatzgebiet umfasst neben dem Roten Meer und Bab al-Mandab auch die Straße von Hormus, den Golf von Aden sowie weitere angrenzende Seegebiete. Eine zentrale Aufgabe ist die Erstellung eines maritimen Lagebildes; die Mission stimmt sich dabei mit internationalen Partnern ab.
Der Bundestag verlängerte das deutsche Mandat für die Beteiligung an ASPIDES im Oktober 2025 bis Ende Oktober 2026 und senkte die personelle Obergrenze von zuvor 700 auf 350 Soldatinnen und Soldaten. Die Mission ist damit von einem etwaigen Hormus-Einsatz zu unterscheiden, der ein eigenes Mandat erfordern würde.
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