Saab und General Atomics Aeronautical Systems haben das Frühwarnradar LoyalEye auf dem unbemannten MQ-9B in einem einsatznahen Szenario getestet. Der Flug gehört zu einem Erprobungsprogramm, das im Mai 2026 mit dem Erstflug des Systems begonnen hat.
Flugtest in Südkalifornien
Der schwedische Rüstungskonzern Saab und das US-Unternehmen General Atomics Aeronautical Systems (GA-ASI) haben eine unbemannte Fähigkeit zur luftgestützten Frühwarnung (Airborne Early Warning, AEW) im Flug getestet. Dafür wurde Saabs Frühwarnradar LoyalEye in das ferngesteuerte Luftfahrzeugsystem MQ-9B integriert. Der Test fand auf der Desert Horizon Flight Operations Facility von GA-ASI in Südkalifornien statt. Nach Angaben der Unternehmen hat er bestätigt, dass das System Luftziele von einer unbemannten Plattform aus erfassen, verfolgen und klassifizieren kann. Vertreter interessierter Stellen verfolgten den Flug in Echtzeit. Das Szenario war an realistische Einsatzbedingungen angelehnt.
GA-ASI zufolge liefen die Tests über mehrere Monate mit einem firmeneigenen MQ-9B. Dabei habe das System mehrere Luft- und Seeziele gleichzeitig auf große Entfernung verfolgt. Zu den Luftzielen gehörten nach Unternehmensangaben mehrere instrumentierte Kampfflugzeuge in der Rolle gegnerischer Kräfte sowie mehrere Verkehrsflugzeuge.
Teil eines laufenden Erprobungsprogramms
Der Flugtest ist Teil eines Evaluierungsprogramms, das am 19. Mai 2026 mit dem ersten Flug von LoyalEye auf einem unbemannten Luftfahrzeug begann. GA-ASI hatte damals angekündigt, dass sich die Entwicklung über mehrere Monate erstrecken und mit einer Demonstration der vollen Fähigkeit noch im laufenden Jahr abschließen soll.
Ihre Zusammenarbeit hatten beide Unternehmen im Juni 2025 bekanntgegeben. Vorgesehen ist die Fähigkeit für die Varianten SkyGuardian und SeaGuardian, den britischen Protector RG1 sowie die Kurzstartversion MQ-9B STOL. Veröffentlichte Darstellungen zeigen drei Behälter: zwei unter den Tragflächen, in denen die Radarantennen vermutet werden, und einen unter dem Rumpf, der der Signalverarbeitung dienen soll. Saab entwickelt außerdem das Erieye-Radar, das Kernbestandteil des bemannten Frühwarnflugzeugs GlobalEye ist. Ob LoyalEye technisch darauf aufbaut, ist nicht bekannt.
Ergänzung zu bemannten Systemen
Carl-Johan Bergholm, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Surveillance, wertet den Test als wichtigen Schritt in der Entwicklung unbemannter Frühwarnfähigkeiten. LoyalEye solle bestehende Frühwarn- und Führungssysteme (AEW&C) ergänzen und dabei mehr Flexibilität und eine längere Einsatzdauer bieten. GA-ASI-Präsident David R. Alexander verweist auf ein weltweit hohes Kundeninteresse an einer Frühwarnfähigkeit für das MQ-9B.
Das System kann eigenständig oder gemeinsam mit bemannten Frühwarnflugzeugen eingesetzt werden. Es ist für die dauerhafte Überwachung großer Gebiete ausgelegt, vor allem dort, wo Ausdauer, Reichweite und ein geringeres Risiko für Besatzungen entscheidend sind. Bisher war luftgestützte Frühwarnung nach Darstellung von GA-ASI ausschließlich großen bemannten Flugzeugen vorbehalten. Das Unternehmen sieht in der unbemannten Lösung zudem die Grundlage für eine verteilte Gefechtsführung (Battle Management Command and Control, BMC2), sofern das MQ-9B mit passender Infrastruktur am Boden, auf Schiffen oder in bemannten Frühwarnflugzeugen vernetzt wird. Im Verbund könnte die Drohne ihre Sensoren näher an umkämpften Luftraum heranführen, während das bemannte Flugzeug auf sicherer Distanz bleibt.
Möglicher Einsatz bei der Royal Navy
Konkrete Kunden haben die Unternehmen nicht genannt. Das britische Verteidigungsministerium hatte jedoch im Mai 2025 erklärt, das MQ-9 als Kandidaten für die luftgestützte Frühwarnung der Trägerkampfgruppen der Royal Navy zu prüfen. Die Lösung soll das auf dem Hubschrauber AW101 basierende System Crowsnest ablösen, wenn dieses das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht. Die Royal Navy hält es für möglich, das MQ-9 für den Betrieb von den Flugzeugträgern der Queen-Elizabeth-Klasse anzupassen.
