Der Drohnenhersteller Quantum Systems hat eine bewaffnete Konfiguration seiner Langstreckendrohne Reliant gezeigt. Aufnahmen zeigen das System mit 82-mm-Mörsergranaten und 40-mm-Granaten an den Aufhängepunkten der Tragflächen.
Aufnahmen über soziale Medien veröffentlicht
Der US-Ableger des deutschen Drohnenherstellers Quantum Systems hat eine bewaffnete Variante der Langstreckendrohne Reliant vorgestellt. Dave Sharpin, Geschäftsführer der Quantum-Systems Inc., veröffentlichte am 28. Oktober 2026 in sozialen Medien Bilder der Konfiguration. Das Fachportal Defence Blog berichtete darüber. Zu sehen ist die Drohne mit einer gemischten Zuladung aus 82-mm-Mörsergranaten und 40-mm-Granaten an den Aufhängepunkten unter den Tragflächen. Sharpin dankte dabei Partnern des Unternehmens Orbital für ihre Mitarbeit an dem Projekt. Eine offizielle Mitteilung mit technischen Einzelheiten lag zunächst nicht vor.
Zwei Kaliber für unterschiedliche Ziele
Mit zwei Munitionsarten an Bord kann der Bediener während eines Fluges je nach Ziel die passende Wirkung wählen. Das Kaliber 82 mm ist in vielen Streitkräften der Standard für mittlere Mörser. Diese Granaten haben eine größere Sprengladung und eignen sich für größere Ziele. Die 40-mm-Granaten entsprechen dem Kaliber von Infanterie-Granatwerfern. Sie sind kleiner und leichter, lassen sich in größerer Zahl mitführen und können einzeln gegen Punktziele abgeworfen werden.
Senkrechtstarter mit hybridem Antrieb
Reliant ist ein Starrflügler, der senkrecht startet und landet (VTOL). Dadurch kann die Drohne ohne Start- und Landebahn aus kleinen Freiflächen oder von Schiffsdecks eingesetzt werden und danach wie ein Flugzeug fliegen. Quantum Systems stellte das System im Mai 2024 auf der SOF Week in Tampa vor: als Luftfahrzeug der Gruppe 2 mit 3,9 Metern Spannweite und mehr als zehn Stunden Flugdauer.
Im Juli 2026 folgte eine überarbeitete Version. Sie hat einen hybrid-elektrischen Antrieb und trägt bis zu neun Kilogramm Nutzlast. Je nach Auftrag lassen sich elektrooptische Sensoren, Laserzielbeleuchter, Radar mit synthetischer Apertur (SAR), Nutzlasten für SIGINT und elektronische Kampfführung sowie SATCOM- und Relaissysteme integrieren. Das maximale Startgewicht liegt bei 45 Kilogramm. Gesteuert wird Reliant über die Softwareplattform MOSAIC UXS, mit der mehrere Typen unbemannter Systeme gemeinsam geführt werden können. Nach Herstellerangaben basiert das System auf einer europäischen Lieferkette, enthält keine chinesischen Bauteile und unterliegt keinen ITAR-Beschränkungen.
Aufhängepunkte zunächst für den US-Markt
Grundlage der bewaffneten Konfiguration ist eine Version für US-Kunden, die je Tragfläche einen Aufhängepunkt hat. Dort lassen sich zusätzliche Module, Munition oder kleinere Drohnen mitführen. Quantum Systems hat Reliant auch als Träger für die FPV-Drohne Archer des US-Herstellers Neros präsentiert. Das Unternehmen erklärte damals, die Variante mit Aufhängepunkten sei für den US-Markt bestimmt. Eine Integration für europäische Kunden sei derzeit nicht geplant, aber bei ausreichender Nachfrage möglich.
Einordnung
In der Produktfamilie von Quantum Systems liegt Reliant oberhalb der Kurzstreckendrohne Twister und der Mittelstreckendrohne Vector. Vector wird in großem Umfang von den ukrainischen Streitkräften eingesetzt. Laut Sharpin hat das System dort mehr als 20.000 Einsatzstunden absolviert. Das Unternehmen fertigt inzwischen auch in der Ukraine.
Für die Bundeswehr liefert Quantum Systems den Twister als Nachfolger der Aufklärungsdrohne ALADIN sowie die AR100-H im Vorhaben MIKADO II. Chief Revenue Officer Martin Karkour sieht Reliant als möglichen Nachfolger der LUNA-Drohne. Mit der bewaffneten Variante erweitert das Unternehmen ein bislang für Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung vermarktetes System um eine Wirkoption.
