Helsing präsentiert „Area 9“ und Roboterplattform RX-1

Area 9 I Foto: Helsing

Das Münchner Verteidigungstechnologie-Unternehmen Helsing hat seine Forschungssparte „Area 9“ öffentlich vorgestellt und mit dem RX-1 zugleich eine in Europa entwickelte und gefertigte Robotikplattform präsentiert. Die Plattform soll europäischen Forschungseinrichtungen zur Verfügung stehen.

Forschungssparte mit Vorgeschichte in der Luftfahrt

Area 9 ist als fortgeschrittene Forschungsabteilung von Helsing angelegt und wird von Chefwissenschaftler Antoine Bordes geleitet. Erklärtes Ziel der Einheit ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in einsatzfähige Fähigkeiten zu überführen. Nach Unternehmensangaben war das erste Projekt der Sparte der KI-Agent „Centaur“, der für den Luftkampf entwickelt wurde. Centaur wurde bereits auf dem Kampfflugzeug Saab Gripen erprobt und bildet die technologische Grundlage für den geplanten autonomen Kampfjet CA-1 Europa. Erprobungsflüge mit einer Gripen-E fanden nach früheren Angaben Ende Mai und Anfang Juni 2025 über der Ostsee statt, wobei Fähigkeiten im Luftkampf außerhalb der direkten Sichtlinie im Vordergrund standen.

Der Name der Sparte verweist auf die sogenannte Brodmann-Areal 9, einen Bereich des präfrontalen Kortex, der mit höheren kognitiven Funktionen wie Arbeitsgedächtnis und Entscheidungsfindung in Verbindung gebracht wird. Als nächstes Arbeitsfeld nennt Helsing die Robotik.

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Die Plattform RX-1

Der RX-1 wird nach Unternehmensangaben von Helsing in Europa entworfen und produziert. Helsing beschreibt die Plattform als auf Geschwindigkeit und Robustheit ausgelegt und positioniert sie als europäische Alternative zu außerhalb des Kontinents gefertigten Systemen. Bordes verweist darauf, dass auch zentrale Komponenten wie die hauseigenen Aktuatoren in Europa entwickelt würden; die Plattform sei witterungsbeständig und solle in mehreren Forschungsteams eingesetzt werden. Bei dem System handelt es sich Berichten zufolge um einen vierbeinigen Roboter (Quadruped).

Gegenüber dem Handelsblatt ordnete Bordes das Vorhaben ein: Ziel sei nicht der Bau eines Roboters an sich, sondern die Weiterentwicklung autonomer Fähigkeiten – nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Das Unternehmen stuft die Arbeit gegenwärtig als Forschungsprojekt ein.

Kooperationen mit Forschungseinrichtungen

Helsing will den RX-1 akademischen Einrichtungen und Robotiklaboren in ganz Europa zugänglich machen und nannte zwei erste Partnerschaften: die von Marco Hutter geleitete Robotikgruppe an der ETH Zürich sowie das französische Forschungsinstitut INRIA in Paris. Beide Einrichtungen sollen die Plattform für Forschung an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen einsetzen. Hutter hob nach Unternehmensangaben das Potenzial der Plattform für die Feldrobotik und die Zusammenarbeit an der Autonomie im Außenbereich hervor.

Einordnung

Helsing wurde vor wenigen Jahren gegründet und zählt zu den bekanntesten europäischen Unternehmen im Bereich KI-gestützter Verteidigungstechnologie. Die Forschungssparte Area 9 wurde Anfang 2025 als Inkubator für langfristig angelegte Projekte eingerichtet. Das Unternehmen ist unter anderem durch die Lieferung von Drohnen an die Ukraine bekannt geworden und hat zuletzt Kooperationen im Bereich autonomer Land- und Luftsysteme geschlossen, darunter mit dem Robotikunternehmen ARX Robotics und dem Sensorhersteller HENSOLDT. Beim Kampfjet CA-1 Europa, der auf derselben KI-Basis aufbaut, wird nach Branchenberichten ein Erstflug im Jahr 2027 angestrebt.

Die Vorstellung des RX-1 reiht sich in eine breitere Entwicklung ein, in der europäische Unternehmen und Forschungseinrichtungen verstärkt eigenständige Fähigkeiten in Robotik und autonomen Systemen aufbauen, auch mit Blick auf Lieferketten und technologische Unabhängigkeit.

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