Die deutsche Diehl Defence und das spanische Unternehmen Sistemas de Misiles de España (SMS) wollen ihre Zusammenarbeit bei der Abwehr hochkomplexer Luftbedrohungen ausbauen. Eine neue Absichtserklärung bildet die Grundlage für einen gemeinsamen Förderantrag im Europäischen Verteidigungsfonds.
Neue Absichtserklärung zur Hyperschall-Abwehr
Diehl Defence und SMS haben am 11. Juni 2026 ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Es schafft einen Rahmen für die gemeinsame Entwicklung von Fähigkeiten gegen sogenannte endo-atmosphärische Bedrohungen – also Flugkörper, die innerhalb der Erdatmosphäre operieren. Im Fokus stehen manövrierfähige ballistische Raketen sowie Hyperschallsysteme, die mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit fliegen und ihre Flugbahn ändern können, was eine Abwehr erschwert.
Mit der Vereinbarung bekräftigen beide Unternehmen eine bereits bestehende Partnerschaft. Diehl-CPO Harald Buschek verwies auf das gemeinsame Ziel, eine europäische Lösung für ein sich wandelndes Bedrohungsumfeld bereitzustellen. SMS-Präsident Ignacio Bengoechea bezeichnete die Kooperation als Schritt hin zu einer vertieften bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Spanien sowie zu größerer industrieller Abstimmung.

Anknüpfung an das laufende Programm HYDEF
Die Zusammenarbeit beider Unternehmen geht auf den ersten Aufruf des Europäischen Verteidigungsfonds (EDF) aus dem Jahr 2021 zurück. Daraus entstand das Programm HYDEF (European Hypersonic Defence Interceptor), das als erstes europäisches Vorhaben zur Abwehr von Hyperschallbedrohungen gilt. Der Vertrag zwischen der Rüstungsagentur OCCAR und SMS als Programmkoordinator wurde am 31. Oktober 2023 unterzeichnet; die technische Koordination liegt bei Diehl Defence. Am Konsortium beteiligen sich Unternehmen aus mehreren europäischen Staaten. Das Programm wird mit insgesamt rund 110 Millionen Euro finanziert, davon 100 Millionen Euro aus dem EDF und zehn Millionen Euro von den teilnehmenden Staaten Belgien, Deutschland, Norwegen, Polen und Spanien.
HYDEF nähert sich nach Angaben der Unternehmen dem Abschluss. Auf dieser Grundlage soll die Kooperation in die nächste Phase überführt werden.
Antrag für den EDF-Aufruf 2026
Das geplante Folgeprojekt HYDEF2 zielt auf den kommenden EDF-Aufruf EDF-2026-DA-ACC-AIRDEF-EATMI („High-End Endo-Atmospheric Interception“). Diehl Defence und SMS wollen dafür ein neues Konsortium anführen und weitere Verteidigungs- und Raumfahrtunternehmen einbinden, insbesondere aus dem Bereich der integrierten Luft- und Raketenabwehr (Integrated Air and Missile Defence, IAMD).
Vorgesehen ist eine gemeinsame Vorentwicklungsphase für den Abfangflugkörper. Ziel ist es, möglichst rasch eine einsatzfähige Fähigkeit gegen anspruchsvolle Bedrohungen zu erreichen. Dabei soll in der nächsten Phase das gesamte Waffensystem als Teil einer integrierten Luft- und Raketenabwehr betrachtet werden – im Einklang mit Zielen von NATO und EU zu kollektiver Sicherheit und strategischer Autonomie.
Hintergrund: Wettbewerb um EU-Mittel
Der EDF stellt für das Jahr 2026 nach Angaben der Europäischen Kommission insgesamt rund eine Milliarde Euro für Forschung und Entwicklung bereit. Ein erheblicher Teil entfällt auf Luft- und Raketenabwehr; für die Abwehr von Hyperschallwaffen und die endo-atmosphärische Abfangtechnik sind 168 Millionen Euro vorgesehen, davon 100 Millionen Euro für den genannten Aufruf.
Neben HYDEF verfolgt Europa mit HYDIS² ein zweites, vom Hersteller MBDA geführtes Programm mit ähnlicher Zielsetzung. Beide Vorhaben werden über den EDF und die teilnehmenden Staaten kofinanziert. Beobachter verweisen darauf, dass die Kommission in ihrem Arbeitsprogramm signalisiert hat, künftig möglicherweise nur noch eines der beiden Abfangsysteme zu fördern – was die beiden Konsortien vor die Wahl zwischen einer Zusammenführung oder einem direkten Wettbewerb stellen könnte.
Zu Diehl Defence: Das Unternehmen mit Sitz in Überlingen beschäftigt rund 6.000 Mitarbeitende und erzielt einen Jahresumsatz von über 2,5 Milliarden Euro. SMS wurde 2021 gegründet und gehört den spanischen Unternehmen Sener Aeroespacial, Escribano Mechanical & Engineering, GMV und Instalaza.
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