Der schwedische Rüstungskonzern Saab und Scania France liefern der französischen Beschaffungsbehörde DGA 17 Giraffe-1X-Radarsysteme. 16 davon werden auf das taktische Fahrzeug Scania V3P montiert, das bereits als Basis für das neue französische Flugabwehrsystem Vampire dient.
Konsortium aus Saab und Scania France
Saab und Scania France haben mit der französischen Beschaffungsbehörde Direction générale de l’Armement (DGA) einen Vertrag über die Lieferung von 17 Giraffe-1X-Radaren geschlossen. Beide Unternehmen bündeln ihre Ressourcen für die Vertragslaufzeit in einem gemeinsamen Konsortium. Die Auslieferung der Systeme ist für den Zeitraum 2026 bis 2027 vorgesehen. Neben den Radaren umfasst die Vereinbarung Ersatzteile, Ausbildung und logistische Unterstützung.
Von den 17 Systemen wird ein Radar für Test- und Bewertungszwecke genutzt, die übrigen 16 werden auf das taktische Fahrgestell Scania V3P integriert. Dieses Fahrzeug wurde von Scania France und der internen Sparte Scania Public and Defense (SPAD) im westfranzösischen Angers entwickelt. Carl-Johan Bergholm, Leiter des Saab-Geschäftsbereichs Surveillance, ordnete den Vertrag in den Kontext einer Modernisierung der französischen Luftverteidigung im Kurz- und Nahbereich ein.

Das Giraffe 1X im Überblick
Das Giraffe 1X ist ein kompaktes 3D-Radarsystem in AESA-Technologie (Active Electronically Scanned Array), das im X-Band arbeitet. Saab führte das System gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Giraffe-Radarfamilie im Jahr 2014 ein. Das vollständige System wiegt nach Herstellerangaben unter 150 Kilogramm, wovon rund 100 Kilogramm auf die eigentliche Antenneneinheit entfallen. Diese Bauweise erlaubt eine Integration auf leichten Fahrzeugen, Masten oder Gebäuden sowie auf Wasserfahrzeugen.
Das Radar erfasst das gesamte Suchvolumen einmal pro Sekunde und ist auf die Erkennung kleiner, langsamer und niedrig fliegender Ziele ausgelegt. Dazu zählen unbemannte Luftfahrzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und Artilleriegeschosse. Saab gibt eine Reichweite von rund 75 Kilometern für die Luftraumüberwachung an, kleine Drohnen werden bis etwa vier Kilometer Entfernung detektiert. Da das System softwarebasiert arbeitet, lassen sich Funktionen über Updates an neue Bedrohungslagen anpassen.
Einbettung in das französische Luftverteidigungsprogramm
Das Scania V3P ist ein 4×4-Lastwagen, der in Angers industrialisiert wird. Dasselbe Fahrgestell bildet bereits die Basis des Vampire-Flugabwehrfahrzeugs der französischen Armee, das den PAMELA-Werfer für die MBDA-Lenkflugkörper Mistral 3 trägt. Die Serienproduktion des Vampire startete im April 2026; geplant ist eine Ausstoßrate von etwa drei Fahrzeugen pro Woche, insgesamt über 100 Einheiten für die französische Armee.
Mit dem V3P löst die französische Armee die in die Jahre gekommenen Lastwagen VLRA und TRM 2000 in der Trägerrolle für Luftverteidigungsbatterien ab. Das Fahrzeug ist lufttransportfähig und damit insbesondere für Gebirgstruppen sowie Spezialkräfte vorgesehen, für die schwerere Plattformen wie das künftige VBMR-L Serval weniger geeignet sind. Laut den Unterlagen der DGA wird das Fahrgestell für die Radarvariante angepasst: Auf der Ladefläche werden das Radar und ein Stromaggregat untergebracht, die Fahrerkabine wird um zusätzliche Sitze und Bildschirme für einen Fahrer, einen Zugführer sowie drei Operatoren erweitert.
Drohnenabwehr als Treiber
Der Auftrag fügt sich in die Strategie ein, die in Frankreichs nationalstrategischer Überprüfung von 2025 formuliert wurde. Diese sieht eine Stärkung der bodengebundenen Luftverteidigung und der Drohnenabwehr vor – als Reaktion auf die Verbreitung von Lenkmunition und kleinen unbemannten Luftfahrzeugen.
Das Giraffe 1X wird bereits von mehreren Streitkräften eingesetzt. Zu den Kunden zählen Schweden, Lettland, das Vereinigte Königreich sowie die US Army, die im Oktober 2025 einen Vertrag im Umfang von rund 46 Millionen US-Dollar zur Lieferung an Partnerstaaten unterzeichnete. Frankreich erweitert mit dem aktuellen Vertrag seine industriellen Verbindungen zu Saab: Im Dezember 2025 hatte die DGA einen Vertrag über zwei Frühwarnflugzeuge des Typs GlobalEye mit dem schwedischen Hersteller geschlossen.
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