Thales testet erstmals den Mehrzweck-Werfer X-Fire

Der französische Rüstungskonzern Thales hat am 20. Mai 2026 erste Schussversuche mit dem Raketenwerfer X-Fire absolviert. Das System ist Teil des französischen Programms zur Wiederherstellung einer eigenen Fähigkeit für Fernschläge auf dem Boden.
Le lanceur polyvalent X-Fire © Thales

Der französische Rüstungskonzern Thales hat am 20. Mai 2026 erste Schussversuche mit dem Raketenwerfer X-Fire absolviert. Das System ist Teil des französischen Programms zur Wiederherstellung einer eigenen Fähigkeit für Fernschläge auf dem Boden.

Erster Schusstest des Werfersystems

Thales hat nach eigenen Angaben am 20. Mai 2026 erfolgreich erste Schüsse aus dem Werfer X-Fire abgegeben und damit die Einsatzreife des Systems unter Beweis gestellt. Entwickelt wurde der Werfer gemeinsam mit dem Fahrzeugbauer Soframe. Bei dem Test kam die 68-Millimeter-Übungsrakete X-Fum zum Einsatz, ein Modell, das bereits auf anderen Plattformen wie dem Kampfhubschrauber Tigre erprobt wurde. Nach Darstellung des Unternehmens soll diese Trainingsmunition den Streitkräften erlauben, sich frühzeitig mit dem Werfer vertraut zu machen.

Der Versuch folgt rund zwei Wochen auf einen ersten Schusstest der ballistischen Munition FLP-t 150, die Thales gemeinsam mit ArianeGroup entwickelt. Dieser Test fand am 5. Mai 2026 auf dem Gelände der Île du Levant statt und wurde von der französischen Rüstungsbehörde DGA begleitet.

Jetzt Steady-Mitglied werden!

Polyvalentes System mit zwei Aufgaben

Laut Thales ist X-Fire so ausgelegt, dass er eine breite Palette an Munition für Schläge in mehr als 150 Kilometern Entfernung verschießen kann – sowohl französische als auch ausländische Modelle. Diese Flexibilität soll zwei Ziele zugleich erfüllen: Zum einen die spätere Nutzung einer souveränen französischen Munition, der bis zum Ende des Jahrzehnts verfügbaren FLP-t 150; zum anderen eine Überbrückung, indem der Werfer übergangsweise auch ausländische Munition einsetzen kann, solange die französische Lösung noch nicht bereitsteht.

Als technische Merkmale nennt Thales ein gepanzertes 8×8-Fahrzeug, das mit der Logistikflotte des französischen Heeres kompatibel ist, sowie eigene Navigationskomponenten. Dazu zählen ein gegen Störsignale geschützter Satellitenempfänger (TopStar Smart Receiver) und ein Trägheitsnavigationssystem (TopAxyz). Diese sollen die Zielgenauigkeit auch in elektromagnetisch gestörten Umgebungen sichern.

Julien Assoun, bei Thales für taktische Fahrzeuge und Systeme zuständig, ordnete den Test als Beleg für die Leistungsfähigkeit des Werfers ein und verwies darauf, dass sich das Unternehmen bereits auf einen Hochlauf der Produktion vorbereite.

Ersatz für eine alternde Fähigkeit

Der Test ist Teil des Programms FLP-T (Frappe Longue Portée Terrestre), das die französische Rüstungsbehörde DGA 2023 ins Leben gerufen hat, um die neun derzeit im französischen Heer im Dienst befindlichen Lance-Roquettes Unitaires (LRU) abzulösen, deren Reichweite auf 70 Kilometer begrenzt ist. Bei den LRU handelt es sich um die französische Variante des US-amerikanischen Raketenwerfers M270. Der Ersatz ist nach dem aktuellen Entwurf zur Aktualisierung des Militärplanungsgesetzes bis etwa 2030 vorgesehen.

Hinter dem Programm steht das Bestreben Frankreichs, eine eigenständige Fähigkeit für Fernschläge zurückzugewinnen, die auch in umkämpften, gestörten und durch Luftabwehr gesättigten Umgebungen funktioniert. Fachmedien ordnen das Vorhaben in den Kontext einer wiedererstarkten Bedeutung weitreichender Artillerie ein, die durch die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten in den Vordergrund gerückt ist.

Thales konkurriert dabei nicht allein um den Zuschlag. Ein weiteres Konsortium aus Safran Electronics & Defense und MBDA bewirbt sich mit der Rakete Thundart um die Nachfolge der LRU. Beide Angebote werden als souverän und störresistent beworben sowie als „ITAR-frei“, also frei von Bauteilen und Technologien, die den US-amerikanischen Exportregeln für Rüstungsgüter unterliegen. Letztlich soll nur eine der beiden Lösungen ausgewählt werden.

Mit WhatsApp immer bestens informiert!

Abonniere unseren WhatsApp-Kanal, um Neuigkeiten direkt aufs Handy zu erhalten. Einfach unten auf den Button klicken und dem Kanal beitreten:

Total
0
Shares
Related Posts
Total
0
Share