Der finale Konfigurationsstand des Systems Sturmgewehr Bundeswehr steht mittlerweile fest, die ersten Systeme wurden an die Truppe ausgeliefert und die zu beschaffenden Stückzahlen haben sich mehr als verdoppelt. Der folgende Beitrag gibt einen aktuellen Überblick über den Stand des Beschaffungsvorhabens.
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Beschaffungsvorhaben
Im Jahr 2011 wurden erstmals Vorwürfe zu Präzisionsdefiziten des G36 öffentlich. Daraufhin beauftragte die Bundeswehr eine Untersuchung. Der daraus resultierende G36-Abschlussbericht wurde 2015 durch die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vorgestellt. Im Kern wurde festgestellt, dass das G36 den technischen Anforderungen entsprach, sich die Waffen durch eine hohe Zuverlässigkeit auszeichneten, es jedoch bei extremen thermischen Belastungen zu Präzisionseinschränkungen kam. Infolgedessen wurde am 21. April 2017 die Ausschreibung für das „System Sturmgewehr Bundeswehr“ gestartet. Im Rahmen dieses Beschaffungsvorhabens soll ein marktverfügbares Sturmgewehr als Ersatz für das bisherige Standardsturmgewehr G36 beschafft werden. Das „System Sturmgewehr Bundeswehr“ setzt sich aus drei Teilprojekten zusammen: Anteil Waffe, Optik sowie Laser-Licht-Module.
Folgende Forderungen wurden seitens der Bundeswehr an das neue Sturmgewehr gestellt:
- Einhaltung der Sicherheitsstandards gemäß NATO-Vorgaben
- gleichbleibende Präzision bei schussinduzierter Erwärmung
- gleichbleibende Präzision bei einseitiger Erwärmung
- gleichbleibende Präzision bei wechselnden klimatischen Bedingungen
- Funktionsfähigkeit in allen Klimakategorien gemäß STANAG 4370
- volle Funktion der Waffe nach Unterwasserverbringung („Over the Beach“-Fähigkeit)
- Verschuss von NATO-Munition unterschiedlicher Varianten
- vollumfängliche Bedienbarkeit durch Rechts- und Linksschützen
- generelle Bedienbarkeit durch umfangreiche Möglichkeiten zur Anpassung
- Kompatibilität des Systems zur persönlichen Schutzausstattung (z. B. ABC-Schutzausstattung, Schutzwestensystem MOBAST, Helm)
- Interoperabilität mit verbündeten Nationen
- Integration in die gesamte Fahrzeugflotte der Bundeswehr (zu Lande, zu Wasser und in der Luft), um die Transportfähigkeit der Waffen zu gewährleisten
Die Vergleichserprobung begann im Jahr 2018. Im selben Jahr wurde bekannt, dass keine der eingereichten Waffen die geforderten Kriterien erfüllte. Daraufhin wurde den Firmen eine Frist bis Februar 2019 für Nacharbeiten eingeräumt. Die Erprobung der nachgebesserten Waffen begann am 18. Februar 2019 und wurde im Herbst 2019 abgeschlossen. Alle vorgestellten Waffen haben die Prüfungen im zweiten Anlauf erfolgreich bestanden, wie aus dem am 8. November 2019 durch die WTD 91 vorgelegten Abschlussbericht hervorgeht.
Im Mai 2020 forderte das BAAINBw die verbliebenen Bieter im Vergabeverfahren „System Sturmgewehr Bundeswehr“ zur Abgabe eines finalen Angebots auf, woraufhin die Angebote ausgewertet wurden und die C.G. Haenel GmbH als Sieger hervorging. Am 15. September 2020 verkündete das Bundesverteidigungsministerium offiziell, dass der thüringische Waffenhersteller die Ausschreibung für die G36-Nachfolge gewonnen hat – vorbehaltlich der noch ausstehenden parlamentarischen Billigung. Nur zwei Wochen später reichte Heckler & Koch beim Bundeskartellamt einen Nachprüfungsantrag ein und machte dabei erstmals auf eine mögliche Patentverletzung durch Haenel aufmerksam. Interne Prüfungen des BAAINBw bestätigten, dass eine solche Patentverletzung zulasten von H&K nicht ausgeschlossen werden konnte, weshalb die Behörde das bereits versandte Informationsschreiben zur beabsichtigten Zuschlagserteilung an Haenel zurückziehen musste. Es folgte ein fast zweijähriges juristisches Tauziehen, in dem der Bund seine Rechtsauffassung mehrfach revidierte – am Ende setzte sich das HK416 A8 von Heckler & Koch durch und gewann den Vergleichswettbewerb.
Nach Abschluss der Rechtsstreitigkeiten konnte mit der eigentlichen Beschaffung des „System Sturmgewehr Bundeswehr“ begonnen werden. Am 23. Juni 2021 gab der Haushaltsausschuss des Bundestages grünes Licht für die Beschaffung der Hauptkampfvisiere und Laser-Licht-Module. Knapp einen Monat später, am 21. Juli 2021, schloss das Beschaffungsamt der Bundeswehr einen Rahmenvertrag mit der Rheinmetall Soldier Electronics GmbH über bis zu 130.000 Laser-Licht-Module im Wert von 178 Millionen Euro. In einem ersten Schritt sollten zunächst 2.460 Laser-Licht-Module – davon 360 für die integrierte Nachweisführung – im Wert von 3 Millionen Euro geliefert werden. Am 13. Oktober 2021 schloss das BAAINBw einen Rahmenvertrag mit der Leonardo Germany GmbH über bis zu 107.929 ELCAN Specter® DR 1-4x Hauptkampfvisiere. Laut Hartpunkt hat der Rahmenvertrag ein Volumen von 128 Millionen Euro. In einem ersten Schritt wurde zunächst die Lieferung von 390 Optiken für die integrierte Nachweisführung sowie eine Mindestbestellmenge von 14.435 Optiken inklusive Zubehör für ca. 18 Millionen Euro vereinbart.
Am 14. Dezember 2022 stimmte der Haushaltsausschuss der Beschaffung des eigentlichen neuen Sturmgewehrs zu. Die Bundeswehr konnte damit bis zu 118.718 neue Sturmgewehre für rund 209 Millionen Euro bestellen. Am 23. Januar 2023 schloss das Beschaffungsamt einen entsprechenden Rahmenvertrag mit Heckler & Koch über bis zu 118.718 Sturmgewehre in zwei Varianten. In einem ersten Schritt sollten 390 Nachweismuster an die Bundeswehr geliefert werden. Die Mindestbestellmenge liegt bei 13.929 Sturmgewehren in der Langrohr-Version und 3.104 in der Kurzrohr-Version.
Ende September 2023 übergab Heckler & Koch die für die Erprobung vorgesehenen Sturmgewehre an die Bundeswehr, die daraufhin ab Januar 2024 mit den Tests begann – darunter Einsätze im In- und Ausland unter arktischen, Wüsten- und tropischen Bedingungen. Diese Erprobung ist Teil der sogenannten Integrierten Nachweisführung, bei der neue Waffensysteme sowohl von der Wehrtechnischen Dienststelle als auch von der Truppe selbst auf sicheren Betrieb und operationelle Eignung geprüft werden. Dabei werden unter anderem Leistungswerte, technische Funktionsgrenzen und Betriebsparameter verifiziert. Ein zentraler Bestandteil ist die Taktische Einsatzprüfung, bei der die Soldaten das neue Gewehr im praktischen Einsatz erproben und prüfen, ob bewährte Verfahren – etwa beim Nachladen, der Störungsbeseitigung oder dem technischen Dienst – beibehalten oder angepasst werden müssen.
Am 16. Mai 2025 beauftragte das Beschaffungsamt Heckler & Koch mit der ersten Serienlieferung des neuen Standardsturmgewehrs der Bundeswehr. Laut Hartpunkt umfasst die erste Lieferung 4.500 Sturmgewehre in der Kurzrohr-Version (G95KA1). Die ersten 300 Sturmgewehre G95KA1 wurden am 4. Dezember 2025 an das Panzergrenadierbataillon 122 ausgeliefert.
Einen Tag zuvor, am 3. Dezember 2025, stimmte der Haushaltsausschuss dem 2. Änderungsvertrag über die Herstellung und Lieferung des „Systems Sturmgewehr Bundeswehr“ mit Abrufleistungen und Festbeauftragung sowie dem 1. Änderungsvertrag zur Beschaffung der Laser-Licht-Module zum „System Sturmgewehr Bundeswehr“ inkl. Zubehör/Anbauteile mit Abrufleistung zu. Am 17. Dezember 2025 fand der 1. Änderungsvertrag zur Beschaffung der Hauptkampf- und Reflexvisiere die Zustimmung des Haushaltsausschusses. Diese Änderungsverträge sehen eine Erhöhung der in den Rahmenverträgen vereinbarten Stückzahlen sowie weitere Festbeauftragungen vor. Die Erhöhung der Stückzahlen ist durch den beschlossenen Aufwuchs der Bundeswehr notwendig geworden.
Am 22. Dezember 2025 unterzeichnete das Beschaffungsamt den 1. Änderungsvertrag zur Beschaffung der Laser-Licht-Module mit der Rheinmetall Soldier Electronics GmbH. Laut Hartpunkt wurde in diesem Rahmen die maximale Abrufmenge von 130.000 Laser-Licht-Modulen auf 250.000 Geräte erhöht. Der Auftragswert stieg von 178 Millionen Euro auf ca. 490 Millionen Euro. Darüber hinaus wurden 130.000 Laser-Licht-Module für 255 Millionen Euro festbeauftragt.
Ebenfalls im Dezember unterzeichnete das Beschaffungsamt den 2. Änderungsvertrag über die Herstellung und Lieferung des „Systems Sturmgewehr Bundeswehr“ mit Heckler & Koch sowie den 1. Änderungsvertrag zur Beschaffung der Hauptkampf- und Reflexvisiere mit der Leonardo Germany GmbH. Der 2. Änderungsvertrag mit Heckler & Koch sieht technische Anpassungen, eine Stückzahlerhöhung und die Festbeauftragung zusätzlicher Sturmgewehre vor. Konkret wurde die Stückzahl von 118.718 Sturmgewehren auf bis zu 250.000 erhöht. Der Auftragswert erhöht sich dadurch auf ca. 800 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden knapp 80.000 Sturmgewehre für rund 250 Millionen Euro festbeauftragt.
Der 1. Änderungsvertrag mit der Leonardo Germany GmbH sieht eine Anpassung der Optik auf den aktuellen Konstruktionsstand und eine Stückzahlerhöhung vor. Der aktuelle Konstruktionsstand besteht aus einer Kombination des Hauptkampfvisiers ELCAN Specter DR 1-4x mit dem ACRO P2 Reflexvisier des schwedischen Herstellers Aimpoint. Darüber hinaus wurde die Stückzahl von 107.929 Optiken auf bis zu 250.000 Geräte erhöht. Das Gesamtvolumen steigt von 128 Millionen Euro auf 721 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden 50.000 Optiken für ca. 144 Millionen Euro festbeauftragt. Obwohl der Rahmenvertrag nun die Lieferung von bis zu 250.000 Hauptkampfvisieren ermöglicht, hat der Haushaltsausschuss den Abruf vorerst auf maximal 50.000 Optiken begrenzt. Bevor weitere Visiere abgerufen werden dürfen, schreibt ein parlamentarischer Maßgabebeschluss eine strukturierte Marktsichtung vor, bei der alternative – bereits eingeführte oder kurzfristig einführbare – Optiken nationaler und europäischer Anbieter geprüft werden müssen. Damit hält sich das Parlament die Möglichkeit offen, künftig einen anderen Hersteller mit der Lieferung der Visiere zu beauftragen.
Zusammengefasst wurden bisher rund 85.000 Sturmgewehre, 130.000 Laser-Licht-Module und 50.000 Hauptkampf- und Reflexvisiere festbeauftragt. Die abgeschlossenen Rahmenverträge mit den drei Firmen Heckler & Koch, Rheinmetall Soldier Electronics GmbH und Leonardo Germany GmbH ermöglichen die Beschaffung von jeweils bis zu 250.000 Sturmgewehren, Laser-Licht-Modulen und Hauptkampf- und Reflexvisieren. Laut Hartpunkt könnte der Bedarf künftig sogar auf über 500.000 Gesamtsysteme steigen, da die Bundeswehr sowohl die aktive als auch die nicht-aktive Truppe mit dem System Sturmgewehr Bundeswehr ausstatten will.
Die Kosten für die Festbeauftragungen belaufen sich bisher auf rund 670 Millionen Euro. Sollten alle in den Rahmenverträgen enthaltenen Stückzahlen abgerufen werden, würde sich das Kostenvolumen auf ca. 2 Milliarden Euro erhöhen. Die Finanzierung erfolgt über das Sondervermögen Bundeswehr und den regulären Verteidigungshaushalt, den Einzelplan 14.
Die Auslieferung läuft seit 2025. Nach abgeschlossener Auslieferung soll das System Sturmgewehr Bundeswehr mindestens 25 Jahre lang durch die Truppe genutzt werden.
Technische Daten
Das neue Sturmgewehr der Bundeswehr basiert auf dem HK416 A8 und wird in zwei Ausführungen beschafft: der Langrohr-Version G95A1 mit einem 16,5-Zoll-Lauf (419 mm) und der Kurzrohr-Version G95KA1 mit einem 14-Zoll-Lauf (355 mm).
Die Wurzeln dieser Waffenfamilie reichen ins Frühjahr 2002 zurück, als H&K die weit verbreitete AR-15-Architektur des M16 und M4 mit dem bewährten Kurzhub-Gaskolbensystem des G36 verknüpfte. Die Serienproduktion lief im Februar 2005 an, und seither wurde die Waffe schrittweise weiterentwickelt, wobei die Einführung der beidseitig bedienbaren Magazinhaltehebel und Kammerfänge die markanteste Neuerung darstellt. In Deutschland gelang dem HK416 2014 in der Version A5 ein erster Beschaffungserfolg: Der Zoll beschaffte das Gewehr mit 11-Zoll-Rohr unter der Bezeichnung G38, das später auch von den Landespolizeien Bayern und Hessen in verschiedenen Varianten eingeführt wurde. 2017 wählte die Bundeswehr das HK416 A7 als „Sturmgewehr Spezialkräfte, leicht G95K“ aus. Seither ist es bei KSK und KSM im Einsatz – mit durchweg positiven Rückmeldungen.
Technisch gesehen handelt es sich beim G95 um einen indirekten Gasdrucklader mit Kurzhub-Gaskolbensystem und Drehkopfverschluss. Das Kaliber ist 5,56 × 45 mm – identisch mit dem des G36 –, und die Waffe ist mit verschiedensten Munitionssorten kompatibel, darunter Hartkern-, Doppelkern-, Weichkern-, Manöver- und Übungsmunition, wobei für einige Sorten geringfügige Anpassungen erforderlich sind. Eine verstellbare Gasabnahme erlaubt den reibungslosen Betrieb mit und ohne Schalldämpfer. Sämtliche zentralen Bedienelemente – Sicherungs- und Feuerwahlhebel mit 45-Grad-Schaltweg, Magazinhaltehebel und Kammerfang – sind beidseitig bedienbar, sodass auch Linkshänder die Waffe ergonomisch führen können. Der Kammerfang lässt sich darüber hinaus werkzeuglos deaktivieren, damit die Waffe nach dem letzten Schuss geschlossen bleibt. Für amphibische Einsätze sorgen spezielle „Fluid-Öffnungen“ dafür, dass nach dem Auftauchen eingedrungenes Wasser schnell abfließen kann – dieses und weitere patentierte Merkmale gewährleisten die sogenannte „Over the Beach“-Fähigkeit. Die Munitionszuführung erfolgt über AR-15-kompatible Kunststoffmagazine des Typs HK-GEN3 mit 30 Schuss Kapazität, die bereits im Rahmen des G95K-Projekts in der Truppe eingeführt wurden.
Beide Varianten unterscheiden sich trotz unterschiedlicher Rohrlängen kaum in ihrer Leistung: Sowohl das G95A1 als auch das G95KA1 erreichen eine effektive Kampfentfernung von bis zu 450 Metern. Die Kadenz liegt bei 850 Schuss pro Minute. Das G95A1 bringt ohne Anbauteile 3,4 kg auf die Waage und ist zwischen 86 und 94,2 cm lang, während das G95KA1 mit 3,3 kg und einer Länge zwischen 79,6 und 87,8 cm minimal kompakter und leichter ausfällt. Vollausgestattet mit Optik, Laser-Licht-Modul und vollem Magazin beträgt das Gesamtgewicht 4,4 kg (G95A1) bzw. 4,3 kg (G95KA1).
Der im Rahmen der integrierten Nachweisführung definierte finale Konfigurationsstand weist im Vergleich zur Ursprungsversion einige Anpassungen auf. Der M-LOK-Handschutz wurde bis zum Mündungsfeuerdämpfer verlängert. Das Griffstück verfügt nun über einen weniger flachen Winkel, und die Schulterstütze wurde ohne verstellbare Wangenauflage ausgeführt. Darüber hinaus wurde eine um 45 Grad abgewinkelte Kimme-und-Korn-Notvisierung integriert. Sie ermöglicht es, die Waffe auch bei ausgefallener Hauptoptik weiter zielsicher einzusetzen, ohne dass die Optik dafür erst abgenommen werden muss.
Zum Zubehör gehören unter anderem Signaturdämpfer, angewinkelte Sturmgriffe, Zweibeine, Trageriemen und Magazine. Die beiden Hauptzubehörteile sind das Hauptkampf- und Reflexvisier sowie das Laser-Licht-Modul.
Im Rahmen der Taktischen Einsatzprüfung identifizierte das Heer beim vorgesehenen Hauptkampfvisier ELCAN Specter DR 1-4x über 25 Mängel – darunter unzureichende Transmissionswerte bei Dunkel- und Dämmerungsverhältnissen sowie die fehlende Kompatibilität mit Nachtsichtbrillen. Das Fazit der beteiligten Truppenteile und Dienststellen fiel einhellig aus: Die Optik ist nicht nachtkampffähig und nur eingeschränkt tagkampffähig und damit „nicht geeignet“. Obwohl das BAAINBw daraufhin 14 Änderungsforderungen stellte, war eine konstruktive Anpassung für die Nachtsichtkompatibilität laut Hersteller weder markt- noch handelsüblich umsetzbar. Als Lösung soll stattdessen ein zusätzliches Reflexvisier – mutmaßlich das Aimpoint ACRO P2, das die Bundeswehr bereits im Rahmen des Projekts „System Pistole Spezialkräfte“ erprobt hatte – über den geänderten Rahmenvertrag mit Leonardo Germany beschafft werden, was auch den gestiegenen Preis teilweise erklärt. Beobachter kritisieren diese Entscheidung: Die resultierende Kombilösung sei teurer und schwerer als vergleichbare Alternativen auf dem Markt – darunter eine 4-fach-Prismenoptik von Hensoldt kombiniert mit dem ACRO P2, die im Rahmen des Soldatensystems „Infanterist der Zukunft“ geprüft wird, sowie eine vollständig in Deutschland gefertigte Lösung von Steiner Optik. Die Bundeswehr entschied sich dennoch für den Verbleib bei der bestehenden Lösung, da eine Neuausschreibung des gesamten Optikpakets die ohnehin schon verzögerte Einführung des Systems Sturmgewehr Bundeswehr noch weiter nach hinten verschoben hätte.
Das Laser-Licht-Modul LLM-VarioRay von Rheinmetall gibt hingegen keinen Anlass zur Kritik. Laut Hersteller gehört das LLM-VarioRay zur neuesten Generation derartiger Geräte und ist speziell für den Einsatz an den Handwaffen infanteristischer Kräfte konzipiert, um Ziele zu entdecken, zu identifizieren und zu markieren. Das lediglich rund 250 Gramm schwere Modul lässt sich über eine standardisierte MIL-STD-1913- bzw. STANAG-4694-Schiene an jedem Sturmgewehr befestigen und per Triggerkabel bedienen. Es vereint eine Weißlicht-LED, einen sichtbaren Rotlicht-Lasermarkierer, einen Infrarot-Lasermarkierer sowie einen elektrisch fokussierbaren Infrarot-Beleuchter in einem Gerät, wobei alle Lichtquellen stufenlos über einen Drehschalter regelbar sind. Ein werkseitig ausgerichteter, vollständig integrierter Laserblock erleichtert die präzise Justierung an Visier und Waffe, sodass die Bundeswehr das Modul in Kombination mit Nachtsicht- und Wärmebildgeräten über das gesamte Einsatzspektrum hinweg – bei Tag, bei Nacht und bei jeder Witterung – nutzen kann.
Fazit
Das System Sturmgewehr Bundeswehr ist nach über einem Jahrzehnt voller Rückschläge, Rechtsstreitigkeiten und Verzögerungen in der Truppe angekommen. Das HK416 ist eine ausgereifte, kampferprobte Plattform, die bereits bei KSK und KSM überzeugt hat und – im Gegensatz zum G36 – auch bei extremen thermischen Belastungen eine gleichbleibende Präzision aufweist.
Probleme bereitet hingegen das ausgewählte Hauptkampfvisier. Eine Optik, die von allen Truppenteilen einhellig als „nicht geeignet“ bewertet wurde, verbleibt im Programm – weil eine Neuausschreibung die Einführung weiter verzögert hätte. Diese Entscheidung ist nachvollziehbar, bleibt aber unbefriedigend. Der Maßgabebeschluss des Haushaltsausschusses zur Marktsichtung setzt in dieser Frage zumindest ein richtiges Signal.
Positiv hervorzuheben ist die Aufstockung der Stückzahlen: von ursprünglich rund 118.000 auf 250.000 Gesamtsysteme. Dies spiegelt den ernsthaften Willen wider, die Truppe tatsächlich vollständig auszustatten.
Es bleibt abzuwarten, ob die Auslieferung planmäßig verläuft und ob bei der Optik eine Lösung gefunden wird, die den Anforderungen der Soldatinnen und Soldaten im Einsatz gerecht wird.
