Der Rüstungskonzern Rheinmetall trennt sich von seinem zivilen Automobilzuliefergeschäft. Die Münchner Industriegruppe AEQUITA übernimmt die Division Power Systems für einen vorläufigen Kaufpreis von 350 Millionen Euro.
Rheinmetall hat am 3. Juni 2026 einen Kaufvertrag über den Verkauf seiner Division Power Systems an die in München ansässige Industriegruppe AEQUITA unterzeichnet. Der vorläufige Kaufpreis für sämtliche Anteile beträgt 350 Millionen Euro und kann sich bis zum Abschluss durch marktübliche Anpassungsmechanismen noch verändern. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Aufsichtsbehörden; der Abschluss wird für das vierte Quartal 2026 angestrebt.

Mit dem Schritt vollzieht der Düsseldorfer Konzern seinen Umbau zum reinen Verteidigungsunternehmen. Bereits 2023 und 2024 hatte Rheinmetall das Geschäft mit Groß- und Kleinkolben abgegeben. Seit der Berichterstattung zum vierten Quartal 2025 wird Power Systems als „nicht fortgeführte Aktivität“ geführt. Die Sparte erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro.
Fokus auf das Rüstungsgeschäft
Der Verkauf ist Teil einer längerfristigen Neuausrichtung. Rheinmetall, dessen Geschäft im Zuge der europäischen Aufrüstung nach dem Ukraine-Krieg stark gewachsen ist, hatte bereits seit dem Vorjahr potenzielle Käufer für das Autozuliefergeschäft gesucht. Zum Vergleich: Während Power Systems rund zwei Milliarden Euro umsetzte, lag der Umsatz aus den militärischen Aktivitäten 2025 bei 9,9 Milliarden Euro. Das zivile Geschäft litt zuletzt unter der Schwäche des Automobilmarkts – etwa bei Luftmanagement, Emissionskontrolle und Lagern –, während neue E-Mobilitätsprojekte noch wenig beitrugen.
Der Verkauf belastet die Bilanz kurzfristig. Auf den abzugebenden Bereich entfällt eine zusätzliche Abschreibung von rund 200 Millionen Euro – zusätzlich zu den 350 Millionen Euro, die bereits im Konzernabschluss 2025 verbucht worden waren. Nach Konzernangaben wirkt sich die nicht zahlungswirksame Wertberichtigung nicht auf Liquidität oder Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten aus.
Beschäftigte und Marken
AEQUITA beabsichtigt, alle rund 6.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zu übernehmenden Unternehmen weiter zu beschäftigen. Die Division soll als eigenständige Organisation weitergeführt werden; die traditionsreichen Marken Pierburg, Kolbenschmidt und Motorservice bleiben erhalten. IG Metall und Betriebsräte hatten bereits im Februar 2026 mit Rheinmetall einen Überleitungstarifvertrag abgeschlossen, der den betroffenen Beschäftigten die tariflich vereinbarten Konditionen sowie eine Beschäftigungs- und Standortsicherung für drei Jahre garantiert.
Für AEQUITA ergänzt die Übernahme das bestehende Portfolio: Co-CEO Axel Geuer wertet den Zukauf als Ergänzung der eigenen Automotive-Division, die damit auf einen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro kommt; in den folgenden Jahren sollen Synergien realisiert werden. Die Gruppe investiert nach eigenen Angaben in Sondersituationen wie Konzernabspaltungen und Nachfolgelösungen und erzielt in den Segmenten Automobil, Chemie und Industrie einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro.
Ausnahmen vom Verkauf
Drei Bereiche sind vom Verkauf ausgenommen. Die drei deutschen Standorte der KS Huayu AluTech GmbH (Neckarsulm, Walldürn und Langenhagen) verbleiben als Joint Venture mittelfristig im Rheinmetall-Konzern. Die Beteiligung an der Dermalog SensorTec GmbH bleibt dauerhaft bei Rheinmetall und wird in die Division Weapon and Ammunition eingegliedert. Auch das spanische Pierburg-Werk Abadiano verbleibt beim Konzern; es soll übergangsweise zivile und militärische Produkte fertigen, bis die Umstellung auf militärische Produktion abgeschlossen ist.
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