Der deutsche Marineschiffbauer thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat in Rio de Janeiro gemeinsam mit der brasilianischen Marine die Indienststellung der ersten Fregatte der Tamandaré-Klasse gefeiert. Gleichzeitig unterzeichneten TKMS, Embraer und das brasilianische Verteidigungsministerium eine Absichtserklärung zum Bau von vier weiteren Einheiten.
Indienststellung und Vertragsunterzeichnung
Am 24. April 2026 nahm die brasilianische Marine in einer offiziellen Zeremonie in Rio de Janeiro die Fregatte „Tamandaré“ (F200) in ihre Flotte auf. Das Schiff entstand auf der TKMS-Werft im brasilianischen Itajaí in weniger als vier Jahren und gilt als das modernste und innovativste Marineprojekt, das je in Brasilien realisiert wurde. Bei der Veranstaltung waren neben TKMS-CEO Oliver Burkhard auch hochrangige Vertreter der brasilianischen Marine und Regierung anwesend, darunter Admiral Marcos Sampaio Olsen als Kommandant der brasilianischen Marine.
Im Rahmen derselben Zeremonie unterzeichneten TKMS, Embraer und das brasilianische Verteidigungsministerium eine Absichtserklärung über eine zweite Bauserie von vier weiteren Fregatten der Tamandaré-Klasse. Die geschätzten Kosten für das zweite Los werden mit rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa zehn Milliarden Brasilianische Real) beziffert.

Das Schiff und seine technischen Grundlagen
Die Fregatte F200 Tamandaré basiert auf der MEKO A-100-Plattform und ist unter anderem mit dem TRS-4D AESA C-Band-Multifunktionsradar von Hensoldt ausgestattet. Die Schiffe haben eine Verdrängung von rund 3.500 Tonnen, sind 107,2 Meter lang und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 25,5 Knoten. Ihre Reichweite beträgt 5.000 Seemeilen. Das MEKO-Konzept gilt in der Branche als besonders flexibel, da es eine modulare Bewaffnung je nach Missionsprofil erlaubt.
Einbettung in die nationale Marinestrategie
Das Fregattenprogramm der Tamandaré-Klasse wurde 2017 initiiert, um die seit 1975 im Dienst stehenden Fregatten der Niterói-Klasse sowie weitere veraltete Einheiten zu ersetzen. Es ist Teil der 2023 veröffentlichten Nationalen Maritimen Strategie Brasiliens. Die drei verbleibenden Schiffe des ersten Loses sollen bis 2029 ausgeliefert werden.
Die Absichtserklärung zum zweiten Los steht zudem im Zusammenhang mit einer übergeordneten Vereinbarung, die die Regierungen Brasiliens und Deutschlands wenige Tage zuvor auf der Hannover Messe unterzeichnet hatten. Laut dem deutschen Bundesverteidigungsministerium solle der Bau des zweiten Loses ebenfalls durch das Konsortium Águas Azuis – bestehend aus TKMS, Embraer Defence & Security und Atech – in Brasilien erfolgen.
Wirtschaftliche Bedeutung
Das Programm hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf Brasilien. Rund 1.000 brasilianische Unternehmen sind entlang der Lieferkette eingebunden, und etwa 2.000 Fachkräfte arbeiten direkt am Schiffsbau. Nach Angaben von TKMS und Embraer wird der Multiplikatoreffekt des Projekts auf etwa 6.000 indirekte und 15.000 induzierte Arbeitsplätze geschätzt. Hinzu kommen lokale Wertschöpfungseffekte in Milliardenhöhe sowie Steuereinnahmen von rund 500 Millionen Brasilianischen Real.
Der lokale Wertschöpfungsanteil beträgt 31,6 Prozent für das Typschiff und soll bei den Folgeschiffen auf 41 Prozent steigen. Die Fregatten werden auf der Werft Estaleiro Brasil Sul in Itajaí (Santa Catarina) gebaut, die TKMS für das Programm erworben und modernisiert hat.
TKMS als globaler Akteur
TKMS beschäftigt nach eigenen Angaben über 9.100 Mitarbeitende auf drei Werften in Kiel, Wismar und Itajaí sowie an weiteren internationalen Standorten. Das Unternehmen ist als Systemlieferant für U-Boote und Überwasserschiffe tätig und blickt auf eine mehr als 185-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Die Partnerschaft mit der brasilianischen Marine reicht bis in die 1980er Jahre zurück, als TKMS gemeinsam mit Brasilien die U-Boote der Tupi-Klasse entwickelte.
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