Rheinmetall startet Serienproduktion unbemannter Drohnenboote in Hamburg

Rheinmetall startet Serienproduktion unbemannter Drohnenboote in Hamburg
Kraken K3 Scout I Foto: Rheinmetall

Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat am Hamburger Standort Blohm+Voss die Serienfertigung des unbemannten Überwasserfahrzeugs Kraken K3 Scout aufgenommen. Das Joint Venture mit dem britischen Hersteller Kraken Technology Group firmiert fortan unter dem Namen Rheinmetall Kraken GmbH.


Produktionsstart in Hamburg

Am 20. April 2026 nahm Rheinmetall an der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss die Serienproduktion des Kraken K3 Scout auf. Das Fahrzeug gehört zur Kategorie der Unmanned Surface Vessels (USV) – ferngesteuerte oder autonom operierende Überwasserplattformen ohne Besatzung. Das Joint Venture zwischen der Rheinmetall-Division Naval Systems und der britischen Kraken Technology Group, das bereits im Vorjahr gegründet worden war, trägt ab sofort den Namen Rheinmetall Kraken GmbH.

Der K3 Scout in der Konfiguration Medium ist 8,50 Meter lang, erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 55 Knoten (rund 100 km/h) und kann individuell konfiguriert werden. Das System verfügt über eine Nutzlastkapazität von 600 Kilogramm und ist dauerhaft über Starlink vernetzt. Es kann bis zu 30 Tage autonom auf See operieren. Je nach Ausstattung ist der Einsatz zur Seegebietsüberwachung, zum Schutz kritischer Infrastruktur oder als bewaffnete Plattform für militärische Operationen vorgesehen.

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Flexible Produktionskapazität

Die anfängliche Jahreskapazität am Standort Blohm+Voss liegt bei rund 200 Einheiten. Naval-Systems-CEO Tim Wagner zufolge lässt sich die Fertigung bei entsprechender Auftragslage auf bis zu 1.000 Einheiten jährlich steigern – bei Dreischichtbetrieb. Rheinmetall hatte die Übernahme des Marineunternehmens NVL, zu dem auch Blohm+Voss gehört, Anfang März 2026 abgeschlossen. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen. Der Standort soll zum nationalen Leit- und Technologiezentrum für unbemannte und autonome maritime Systeme ausgebaut werden.

Kraken Technology Group bringt in das Gemeinschaftsunternehmen technologisches Know-how aus der Entwicklung leistungsstarker Hochgeschwindigkeitsboote ein, während Rheinmetall Naval Systems die industriellen Fertigungs- und Integrationskapazitäten stellt.

Kraken Technology Group: Wachsender Auftragsbestand

Die Partnerschaft mit Rheinmetall fügt sich in eine Serie von Vertragsabschlüssen des britischen Unternehmens ein. Im März 2026 erhielt Kraken Technology Group vom britischen Verteidigungsministerium einen Auftrag im Wert von 12,3 Millionen Pfund zur Lieferung von 20 USV für die Royal Navy. Die Boote sollen im Rahmen des sogenannten Project Beehive unter anderem beim 47 Commando Royal Marines für Ausbildung und taktische Entwicklung eingesetzt werden. 

Bereits im November 2025 hatte das Unternehmen von der US Special Operations Command (USSOCOM) einen Auftrag über bis zu 49 Millionen US-Dollar erhalten, um neue unbemannte Oberflächen- und Unterwasserfahrzeugtechnologien zu entwickeln. Kraken hat damit innerhalb kurzer Zeit Kunden in Großbritannien, den USA und im NATO-Umfeld gewonnen.

Wachsender Markt für maritime Drohnen

Der Produktionsstart in Hamburg spiegelt einen breiteren internationalen Trend wider. Mehrere NATO-Staaten investieren derzeit in unbemannte Marineplattformen, um ihre konventionellen Flotten zu ergänzen. Die US Navy hat im Rahmen ihres sogenannten „Golden Fleet“-Programms Mittel in Höhe von rund 2,1 Milliarden US-Dollar für mittlere USV eingeplant, um die Fähigkeiten ihrer Flotte zu erweitern. 

Perspektivisch plant Rheinmetall Naval Systems auch die Fertigung größerer Einheiten in Hamburg. CEO Tim Wagner nannte dabei ein sogenanntes Drohnenmutterschiff vom Typ NTV 130, das bis zu 20 K3-Boote transportieren und einsetzen könnte. Die Konstruktionsunterlagen seien abgeschlossen. 

Neben militärischen Anwendern zeigen dem Vernehmen nach auch internationale Behörden- und Sicherheitskunden Interesse an den Systemen.

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