Die Europäische Verteidigungsagentur hat die erste Stufe ihres Preiswettbewerbs „Sentinel Strike Challenge“ abgeschlossen. Fünf europäische Hersteller dürfen ihre Loitering-Munition-Systeme im Herbst unter militärischen Bedingungen in Portugal erproben.
Fünf Unternehmen erreichen die zweite Stufe
Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) hat am 29. Juli 2026 bekanntgegeben, welche Unternehmen in die zweite Phase des Wettbewerbs einziehen. In der ersten Stufe gingen mehr als 140 Interessensbekundungen von Organisationen aus ganz Europa ein. Nach der Bewertung der technischen Angebote stammten die fünf bestplatzierten Einreichungen von Helsing (Deutschland), Destinus (Niederlande), C-Astral (Slowenien), UAVision (Portugal) und Spirit Aeronautical Systems (Griechenland). Diese fünf Unternehmen erhalten jeweils 30.000 Euro und rücken in Stufe zwei vor. Fünf weitere Bewerber aus den Top Ten, darunter Renegade UxS und Robotto (beide Dänemark), Cerberon Defence Systems (Deutschland), Thales LAS (Frankreich) und Altus LSA (Griechenland), bekommen je 10.000 Euro.Die Bewerbungen wurden zuvor anhand festgelegter administrativer, technischer und wettbewerbsbezogener Kriterien geprüft, unter anderem technologische Reife, operative Relevanz, Sicherheit und Durchführbarkeit der Demonstration.

Erprobung auf dem Truppenübungsplatz Santa Margarida
Die Feldversuche finden auf dem Truppenübungsplatz Santa Margarida in Portugal im Rahmen der Erprobungskampagne EU OPEX26 statt. Militärische Nutzer aus EU-Mitgliedstaaten sollen dabei nicht nur prüfen, ob die Systeme funktionieren, sondern auch, wie sie über den gesamten Einsatzzyklus hinweg arbeiten, wie widerstandsfähig sie unter Einsatzbedingungen sind und wie sie im direkten Vergleich in identischen Szenarien abschneiden. Für diese Phase sind Preisgelder von insgesamt 1,8 Millionen Euro ausgeschrieben.
Nach den Angaben der EDA ist eine verpflichtende Systemabnahme für den 21. bis 25. September 2026 vorgesehen, die eigentliche Erprobung läuft vom 28. September bis 9. Oktober 2026. Die Kampagne wird gemeinsam mit der technologischen Erprobungsübung ARTEX26 des portugiesischen Heeres durchgeführt. Demonstrationen mit scharfem Schuss sind möglich, sofern die Sicherheitsauflagen und Genehmigungen des Gastgeberlandes vorliegen. Die Gesamtsieger sollen 2027 bekanntgegeben werden.
Kein Beschaffungsverfahren
Der Wettbewerb wird über den Hub for European Defence Innovation (HEDI) der EDA abgewickelt und richtet sich nach dem Preisgeld-Titel der EU-Haushaltsordnung. Er ist damit weder ein Vergabeverfahren noch eine Fördermaßnahme. Die EDA weist ausdrücklich darauf hin, dass die Auswahl für Stufe zwei keine Aussage über Beschaffungs- oder Einsatzreife enthält und keine Verträge in Aussicht stellt. Ziel ist es, den Verteidigungsministerien vergleichbare Erprobungsdaten für künftige Fähigkeitsentscheidungen zu liefern. Das Gesamtpreisbudget beträgt zwei Millionen Euro.
Technische Vorgaben und Einordnung
Zugelassen sind vollständige Loitering-Munition-Systeme der Klasse I mit einer maximalen Startmasse von bis zu 25 Kilogramm und einer Einsatzreichweite von bis zu 40 Kilometern. Einzelkomponenten sind ausgeschlossen. Bewertet wird der gesamte Wirkzyklus von der Missionsplanung über Zielerfassung und Verfolgung bis zur Wirkungsanalyse nach dem Angriff.
Welches konkrete System die Finalisten in Portugal einsetzen, hat die EDA nicht veröffentlicht. Helsing gibt für seine Drohne HX-2 eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern an bei einem Systemgewicht von zwölf Kilogramm und einer Höchstgeschwindigkeit von 220 Kilometern pro Stunde. Die Bundeswehr hat eine Variante der HX-2 als eines von drei Loitering-Munition-Systemen mittlerer Reichweite beschafft; die Systeme befinden sich in der Einsatzerprobung. Zudem erprobte die US Army die HX-2 im Rahmen der Übung Project Flytrap auf dem litauischen Übungsplatz Pabradė.Die EDA verweist darauf, dass sich Loitering Munition in jüngeren Konflikten zu einer sich schnell verändernden militärischen Fähigkeit entwickelt hat und technische Fortschritte die klassischen Entwicklungszyklen häufig überholen.
Der Wettbewerb soll deshalb auch Erkenntnisse darüber liefern, wie neue Technologien vor Investitionsentscheidungen bewertet werden können.
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