Der norwegische Rüstungskonzern Kongsberg hat den Kauf des kalifornischen Raketenherstellers Zone 5 Technologies abgeschlossen. Das Unternehmen ist auf kostengünstige, in großen Stückzahlen produzierbare Flugkörper spezialisiert.
Die Kongsberg Gruppen ASA hat am 10. Juni 2026 den Erwerb von Zone 5 Technologies LLC vollzogen. Der Abschluss erfolgte nach Freigabe durch die zuständigen US-Aufsichtsbehörden. Kongsberg übernimmt über seine Sparte Defence & Aerospace 90 Prozent der Anteile, während das bisherige Management einen Minderheitsanteil behält. Zone 5 soll künftig als eigenständige Tochtergesellschaft innerhalb des Konzerns weitergeführt werden. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Die ursprüngliche Vereinbarung war bereits im Dezember 2025 unterzeichnet worden.

Profil des übernommenen Unternehmens
Zone 5 wurde 2011 gegründet und hat seinen Sitz in Kalifornien. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 250 Mitarbeitende und wies für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von über 100 Millionen US-Dollar aus. Es bezeichnet sich als Anbieter digital entwickelter, niedrigpreisiger Flugkörper, die für eine Serienfertigung in hohen Stückzahlen ausgelegt sind.
Zu den zentralen Produkten zählen der Marschflugkörper „Rusty Dagger“ für weitreichende Präzisionsschläge sowie der Abfangflugkörper „White Spike“ zur Luft- und Drohnenabwehr. Beide Systeme befinden sich laut Unternehmensangaben im ersten Jahr der Serienproduktion; bis Jahresende werden jeweils rund 1.000 Stück angestrebt. Im Vergleich zu Kongsbergs bisherigem Portfolio – etwa dem Naval Strike Missile und dem Joint Strike Missile – sind die Zone-5-Systeme deutlich kleiner und kostengünstiger.
Einordnung: Programme und Hintergrund
Die Produkte von Zone 5 sind eng mit US-Beschaffungsprogrammen für günstige Massenmunition verknüpft. Der „Rusty Dagger“ (militärische Bezeichnung AGM-188A) wurde im Rahmen des Programms „Extended Range Attack Munition“ (ERAM) der US-Luftwaffe entwickelt, das im August 2024 mit dem Ziel einer schnellen Beschaffung angestoßen wurde. Die Initiative wurde ins Leben gerufen, um einen kostengünstigen, in großen Stückzahlen herstellbaren Präzisionsmarschflugkörper rasch verfügbar zu machen. Die Aufträge gingen Ende 2024 an Zone 5 und das Unternehmen CoAspire.
Das ERAM-Programm diente von Beginn an auch der Belieferung der Ukraine. Bis Ende August 2025 hatten US-Stellen den Verkauf von bis zu 3.550 ERAM-Flugkörpern an die Ukraine freigegeben; die ersten Lose sollten ab Herbst 2026 ausgeliefert werden. Die US-Luftwaffe strebt eine Fertigung von zehntausenden ERAM-Flugkörpern bei geschätzten Stückkosten von etwa 250.000 US-Dollar an – ein Bruchteil der Kosten herkömmlicher Marschflugkörper. Parallel ist Zone 5 am Programm „Family of Affordable Mass Munitions“ (FAMM) beteiligt, der inländischen US-Variante desselben Ansatzes.
Strategische Begründung
Eirik Lie, der die Akquisition für Kongsberg verantwortet, verwies darauf, dass jüngste Konflikte die Bedeutung von Verteidigungsfähigkeiten in großem Umfang gezeigt hätten und ein solcher Bedarf insbesondere in Europa bestehe. Nach Unternehmensdarstellung ergänzt Zone 5 das Portfolio um eine nachweislich schnelle Serienfertigung skalierbarer und kostengünstiger Flugkörper; Kongsberg wolle den weiteren Ausbau und die internationale Expansion des Unternehmens gemeinsam mit dessen Führung vorantreiben. Zone-5-Gründer Thomas Akers hob die gemeinsamen Wertvorstellungen beider Unternehmen hervor und kündigte an, das Wachstum bei gleichbleibender Innovationsfähigkeit fortzusetzen.
Mit der Transaktion erweitert Kongsberg, der größte Rüstungskonzern Norwegens, sein bislang auf höherwertige Lenkflugkörper ausgerichtetes Geschäft um das Segment der günstigen Massenmunition und bringt einen etablierten US-Hersteller in die europäische Verteidigungsindustrie ein.
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