Der Sensorhersteller HENSOLDT steigt bei dem Defence-Tech-Unternehmen Project Q ein und baut die Zusammenarbeit im Bereich softwaredefinierter Verteidigung aus. Die zugrundeliegende Series-A-Runde umfasste insgesamt 15 Millionen Euro.
Die HENSOLDT AG hat sich an einer Finanzierungsrunde des europäischen Defence-Tech-Unternehmens Project Q beteiligt. Das teilte der in Taufkirchen bei München ansässige Konzern am 15. Juli 2026 mit. Angeführt wurde die Runde vom polnischen Wagniskapitalgeber Expeditions Fund; beteiligt waren zudem die Investoren Project A und Heliad. Zur Höhe des eigenen Investments machte HENSOLDT keine Angaben. Nach Angaben von Project Q und der beteiligten Investoren umfasste die Series-A-Runde insgesamt 15 Millionen Euro. Das Unternehmen bleibe damit vollständig durch europäisches Kapital finanziert.
Offene Software als Bindeglied
Project Q mit Standorten in München und Berlin entwickelt Software, die Sensoren, unbemannte Systeme sowie Führungs- und Missionssysteme unterschiedlicher Hersteller miteinander verbinden soll. Kern des Angebots ist die quelloffene Integrations- und Orchestrierungsplattform HYDRIS, die kommerziell verfügbare Technik, bestehende Alt-Systeme und verschiedene Datenquellen in einer gemeinsamen Einsatzumgebung zusammenführt.
Ziel der Partnerschaft ist es, HYDRIS mit dem Integrationsansatz von HENSOLDT zu koppeln. Der Konzern bringt dabei seine Sensorik, seine KI- und Edge-Technologien sowie die Integrationsplattform MDOcore ein, während Project Q ergänzend HYDRIS, weitere Edge- und Mesh-Anwendungen sowie eigene akustische und seismische Sensorlösungen beisteuert.

Positionierung als „Neo-Systemhaus“
Mit der Beteiligung will HENSOLDT seine Rolle als Vermittler zwischen etablierter Rüstungsindustrie und jungen Technologieunternehmen ausbauen. Der Konzern verweist darauf, Start-ups Zugang zu bestehenden Programmen, Plattformen und Beschaffungsstrukturen zu verschaffen und so den Weg von der Entwicklung zur einsatzreifen Fähigkeit zu verkürzen.
HENSOLDT-Strategiechef Christian Schmidt ordnet das Investment als Bekenntnis zu einer kooperativen Systemarchitektur ein, die die technologische Eigenständigkeit Europas stärken soll. Project-Q-Geschäftsführer und Mitgründer Leonard Wessendorf betont, dass sich die Stärken etablierter Systemhäuser und moderner Defence-Tech-Firmen ergänzten, um bestehende und neue Fähigkeiten interoperabel zusammenzuführen.
Das Investment ist Teil der Strategie, mit der sich HENSOLDT vom klassischen Sensoranbieter zu einem Systemintegrator wandeln will. Der Konzern beschreibt sich in diesem Zusammenhang als „Neo-Systemhaus“, das vernetzte, softwaredefinierte Verteidigungsfähigkeiten ermöglichen soll.
Hintergrund: Interoperabilität als offene Baustelle
Die fehlende Vernetzung unterschiedlicher Kommunikations-, Sensor- und Führungssysteme gilt als eine der zentralen Hürden für multinationale Einsätze in Europa. Investoren wie Expeditions verweisen darauf, dass Streitkräfte schon innerhalb eines Landes oft parallel mehrere nicht kompatible Kommunikationswerkzeuge nutzen und dass europäische Verbände über zahlreiche nationale Systeme hinweg operieren. Die softwarebasierte Integration solcher Systeme wird zunehmend als ähnlich bedeutsam für die europäische Aufrüstung eingestuft wie die Beschaffung von Sensoren, Drohnen oder Fahrzeugen. Die öffentliche Vorstellung von HYDRIS erfolgte kurz vor der Bekanntgabe der Finanzierungsrunde.
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