Das Münchner Verteidigungstechnologie-Unternehmen Helsing hat Andriy Shevchenko zum Managing Director Ukraine ernannt. Der frühere Diplomat und Politiker soll das laufende Engagement des Unternehmens im Land ausbauen.
Ein Politiker mit sicherheitspolitischem Profil
Wie Helsing am 15. Juli 2026 mitteilte, tritt Shevchenko mit sofortiger Wirkung in das Unternehmen ein. Er bringt Erfahrung aus Diplomatie, Regierung und Parlament mit: Zu seinen früheren Stationen zählen das Amt des ukrainischen Botschafters in Kanada, die Position des stellvertretenden Verteidigungsministers sowie die Vertretung der Ukraine bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO). Zudem gehörte er über drei Wahlperioden der Werchowna Rada an, dem Parlament der Ukraine.
Helsing-Mitgründer und Co-CEO Gundbert Scherf betonte, das Unternehmen sei seit Jahren in der Ukraine präsent und arbeite eng mit den dortigen Streitkräften zusammen. Shevchenko verbinde politische, militärische und diplomatische Kompetenz und solle das Engagement vor Ort weiter skalieren. Shevchenko selbst erklärte, militärische Überlegenheit ergebe sich aus dem Zusammenspiel von Hard- und Software sowie aus der Geschwindigkeit, mit der Technologie die Truppe erreiche.

Wachsendes Engagement in der Ukraine
Nach eigenen Angaben ist Helsing bereits seit Anfang 2022 in der Ukraine aktiv und hat sein Team dort kontinuierlich vergrößert. Die Personalie fällt in eine Phase, in der das Unternehmen seine Aktivitäten im Land deutlich ausweitet. Allein seit Jahresbeginn 2026 seien mehrere Tausend Drohnen des Typs HX-2 an die ukrainischen Streitkräfte übergeben worden.
Die HX-2 ist eine KI-gestützte Einweg-Kampfdrohne (Loitering Munition), die Ende 2024 vorgestellt wurde. Nach Herstellerangaben verfügt sie über eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern und ist durch integrierte künstliche Intelligenz gegen elektronische Kampfführung widerstandsfähig: Sie kann Ziele auch ohne GNSS-Signal oder durchgehende Datenverbindung identifizieren und bekämpfen. Bei kritischen Entscheidungen bleibt laut Helsing ein menschlicher Bediener eingebunden. Technische Angaben nennen ein Gewicht von rund zwölf Kilogramm und eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 220 km/h; die Stückkosten liegen Berichten zufolge bei rund 17.000 Euro.
Eingesetzt wird die Drohne vor allem gegen Ziele im rückwärtigen Raum. Sie soll russische Nachschublinien im operativen Hinterland stören und trägt damit nach Darstellung des Unternehmens zur „Logistics Lockdown“-Strategie der ukrainischen Streitkräfte bei.
Milliardenschwerer Wachstumskurs
Die Personalentscheidung reiht sich in eine Reihe von Meldungen ein, mit denen Helsing seine Expansion untermauert. Erst wenige Tage zuvor hatte das Unternehmen eine Series-E-Finanzierungsrunde über 1,8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen und wird nun mit 18 Milliarden US-Dollar bewertet – nach Angaben mehrerer Branchendienste die bislang größte Finanzierungsrunde eines deutschen Start-ups. Parallel kündigte Helsing den Aufbau seiner ersten US-amerikanischen Produktionsstätte im Bundesstaat West Virginia an.
Grundlage der Drohnenlieferungen ist unter anderem ein Auftrag über 6.000 HX-2, der 2025 bekannt wurde und Berichten zufolge über ein deutsches Hilfspaket im Umfang von rund drei Milliarden Euro finanziert wird; ihm war eine frühere Bestellung über 4.000 Systeme vorausgegangen. Produziert werden die Drohnen in sogenannten Resilience Factories, deren erste (RF-1) in Süddeutschland steht.
Zugleich stand die HX-2 zuletzt auch in der Kritik. Medienberichte verwiesen auf Lieferverzögerungen und auf Einsatzberichte ukrainischer Soldaten, die Zuverlässigkeitsprobleme schilderten; Helsing wies einen Teil der Darstellungen zurück und verwies auf abgeschlossene Komponententests. Wie viele HX-2 tatsächlich in der Ukraine im Einsatz sind, geben weder das Unternehmen noch Kiew öffentlich an.
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