Die binationale Brigade mit Stab im badischen Müllheim übernimmt eine neue Aufgabe an der NATO-Ostflanke. Ein Abkommen regelt ihre zeitweise Unterstellung unter das von Stettin geführte Multinationale Korps Nordost.
Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, hat die Deutsch-Französische Brigade in Müllheim besucht. Im Mittelpunkt des Termins stand die Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens, das die zeitweise Unterstellung des Verbandes unter das Multinationale Korps Nordost regelt. Das Dokument wurde gemeinsam mit dem französischen Partner unterzeichnet und definiert die grundlegende Einsatzfähigkeit der Brigade für Aufgaben im rückwärtigen Raum des Korps.

Auftrag im Hinterland des Korps
Künftig übernimmt die Brigade die Funktion einer sogenannten Rear Area Task Force – eines vielseitig einsetzbaren Verbandes, der im rückwärtigen Raum des Multinationalen Korps Nordost operiert. Nach Angaben des Heeres hat sich die Brigade in mehreren multinationalen Übungen auf diese Rolle vorbereitet. Freuding verwies darauf, dass der Verband unter der Führung des Korps unmittelbarer als bisher zur Abschreckung und im Verteidigungsfall zur Verteidigung des Bündnisses beitrage. In den kommenden Monaten sind dazu weitere Schulungen, gemeinsame Übungen und abgestimmte Planungen vorgesehen.
Das Multinationale Korps Nordost mit Sitz in Stettin (Szczecin) wurde 1998 auf Beschluss von Dänemark, Polen und Deutschland aufgestellt und 1999 in Dienst gestellt. 2017 zertifizierte die NATO das Hauptquartier für schnell verfügbare Kräfte und übertrug ihm die Führung über Landoperationen an der nordöstlichen Flanke des Bündnisses, insbesondere im Baltikum und in Nordpolen. Dem Korps sind mehrere multinationale Divisionen sowie Battlegroups in Estland, Lettland, Litauen und Polen zugeordnet. Mit der Anbindung der Deutsch-Französischen Brigade erhält das Korps einen weiteren flexibel einsetzbaren Verband für seinen Verantwortungsbereich.
Rolle im NATO-Regionalplan
Mit der neuen Zuordnung übernimmt die Brigade eine Aufgabe im Regionalplan der NATO für die Ostflanke. Die Deutsch-Französische Brigade ist ein binationaler Großverband mit rund 5.500 bis 6.000 deutschen und französischen Soldatinnen und Soldaten; der Stab hat seinen Sitz im baden-württembergischen Müllheim. Sie gilt als eines der sichtbarsten Symbole der militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich und war in der Vergangenheit unter anderem in Afghanistan, Mali und im Baltikum eingesetzt.
Bedeutung für den Aufwuchs des Heeres
Über den NATO-Auftrag hinaus spielt die Brigade eine Rolle beim personellen Aufwuchs des Heeres im Jahr 2026. Der deutsche Anteil der 1. Kompanie des Versorgungsbataillons stellt in Müllheim 142 Ausbildungsplätze für die militärische Basisausbildung bereit. Ab Oktober soll zusätzlich ein weiterer Zug aufgestellt werden, der der Umsetzung des neuen Wehrdienstes dient.
Der neue Wehrdienst ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Er setzt auf Freiwilligkeit und stellt keine Rückkehr zur bis 2011 geltenden allgemeinen Wehrpflicht dar; verpflichtend ist jedoch die Wehrerfassung für Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008. Hintergrund ist die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa: Die Bundeswehr benötigt mehr aktives Personal sowie Reservistinnen und Reservisten. Bis Mitte der 2030er-Jahre sollen die Streitkräfte über rund 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten verfügen. Die zusätzlichen Ausbildungskapazitäten in Müllheim sind Teil dieses Vorhabens.
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