OHB und Rheinmetall gründen Joint Venture für Militärsatelliten

Mit der „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH" bündeln der Bremer Raumfahrtkonzern OHB und der Rüstungshersteller Rheinmetall ihre Kompetenzen für das Bundeswehr-Projekt SATCOMBw Stufe 4. Das Unternehmen mit Sitz in Bremen ist nun ins Handelsregister eingetragen.
Satellitenkonstellation | Foto: Rheinmetall ICEYE Space Solutions

Mit der „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“ bündeln der Bremer Raumfahrtkonzern OHB und der Rüstungshersteller Rheinmetall ihre Kompetenzen für das Bundeswehr-Projekt SATCOMBw Stufe 4. Das Unternehmen mit Sitz in Bremen ist nun ins Handelsregister eingetragen.

OHB und Rheinmetall haben am 11. Juni 2026 die Gründung ihres Gemeinschaftsunternehmens „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“ bekanntgegeben. Vorausgegangen war eine Freigabe durch das Bundeskartellamt Mitte April 2026; anschließend erfolgte die Eintragung ins Bremer Handelsregister. OHB feiert in diesem Jahr seinen 45. Geburtstag und bringt sein Know-how im Satellitenbau ein, während Rheinmetall die Bereiche Vernetzung und Endgeräte verantwortet.

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Aufgaben und Führung des neuen Unternehmens

Das Gemeinschaftsunternehmen soll nach Angaben beider Konzerne die Gesamtverantwortung für eine geschützte und dauerhaft verfügbare Kommunikationsarchitektur übernehmen – von Entwicklung und Integration über die Lieferung bis zum Betrieb, einschließlich IT-Sicherheit und eines Cyber Operation Centers. Ziel ist es, Soldaten, Fahrzeuge, Plattformen und Drohnen zu vernetzen und Sprache, Daten sowie Echtzeitinformationen über alle Führungsebenen hinweg gesichert zu übertragen.

Die Geschäftsführung übernehmen Dennis Winkelmann, der über mehr als 25 Jahre Raumfahrterfahrung verfügt, davon 19 Jahre bei OHB, sowie Alexander Beyer, ein ehemaliger Bundeswehroffizier, der zuletzt bei Rheinmetall für den Bereich Satellite Communications zuständig war.

Hintergrund: SATCOMBw Stufe 4

Mit SATCOMBw Stufe 4 plant die Bundeswehr eine grundlegende Modernisierung ihrer satellitengestützten Kommunikation. Die bisherige Stufe 3 setzt noch auf wenige große Satelliten in einer geostationären Umlaufbahn in rund 36.000 Kilometern Höhe; die vierte Stufe soll dagegen auf ein Netzwerk aus mindestens hundert Satelliten in einem niedrigen Erdorbit setzen. Eine solche LEO-Konstellation bietet durch die geringere Entfernung zur Erde kürzere Signallaufzeiten und höhere Ausfallsicherheit. Das Auftragsvolumen wird auf bis zu zehn Milliarden Euro geschätzt; bis 2029 soll eine Anfangsbefähigung verfügbar sein. Das Vorhaben gilt als das größte Einzelprojekt der Bundeswehr im Weltraumbereich und zielt unter anderem darauf, die Abhängigkeit von kommerziellen US-Systemen wie Starlink zu verringern.

Innerhalb des Vorhabens deckt OHB das Weltraum- und Bodensegment ab, also etwa Satellitenbau und Bodenstationen, während Rheinmetall Digital für das Nutzer- und Netzsegment einschließlich der Endgeräte zuständig ist.

Einordnung und Standort

Beide Unternehmen verbinden mit dem Vorhaben das Ziel, die technologische Souveränität Europas und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands zu stärken; perspektivisch sollen die Fähigkeiten auch in NATO-Partnerschaften und in das Framework Nations Concept eingebracht werden. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hob die Bedeutung der Ansiedlung für den Technologiestandort hervor. OHB-CEO Marco Fuchs und Timo Haas, CEO der Rheinmetall-Division Digital Systems, betonten in der Mitteilung den Beitrag des Systems zu einer vernetzten und krisenfesten Einsatzfähigkeit der Streitkräfte.

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