RENK und Patria zeigen Konzept für schweres unbemanntes Kettenfahrzeug

Auf der Eurosatory 2026 in Paris haben die RENK Group und das finnische Unternehmen Patria gemeinsam ein Konzept für ein schweres unbemanntes Bodenfahrzeug vorgestellt. Es verbindet Patrias Kettenplattform TRACKX mit einem neu entwickelten RENK-Getriebe.
Copyright: Anne Kaiser / RENK

Auf der Eurosatory 2026 in Paris haben die RENK Group und das finnische Unternehmen Patria gemeinsam ein Konzept für ein schweres unbemanntes Bodenfahrzeug vorgestellt. Es verbindet Patrias Kettenplattform TRACKX mit einem neu entwickelten RENK-Getriebe.

Die in Augsburg ansässige RENK Group AG und das Patria haben am 15. Juni 2026 auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris ein gemeinsames Konzept für ein Heavy Unmanned Ground Vehicle (UGV) der nächsten Generation präsentiert. Gezeigt wurde am RENK-Stand ein Demonstrationsmodell in Originalgröße, das die modulare Kettenplattform TRACKX von Patria mit dem RENK-Getriebe HSWL 076 und einer Drive-by-Wire-Mobilitätsarchitektur kombiniert.

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Nach Angaben beider Unternehmen soll das Konzept zeigen, wie digital gesteuerte Antriebslösungen den Übergang zu ferngesteuerten und perspektivisch autonomen Landsystemen unterstützen können. RENK-Vorstandschef Alexander Sagel verwies auf die Bedeutung digital vernetzter und skalierbarer Fahrzeugarchitekturen für künftige Landoperationen. Patria-CEO Panu Routila ordnete das Vorhaben in die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine ein und bezeichnete unbemannte Systeme als operative Notwendigkeit auf dem Gefechtsfeld; die Zusammenarbeit erhöhe zudem die technische Gemeinsamkeit zwischen bemannten und unbemannten Fahrzeugen.

Getriebe als zentrale Komponente

Kern des Konzepts ist das HSWL 076. Das Getriebe bündelt Lenk-, Brems- und Antriebsfunktionen in einer digital gesteuerten Antriebsstrangarchitektur und ist nach Herstellerangaben für leichte Kettenfahrzeuge der 10- bis 20-Tonnen-Klasse ausgelegt. RENK nennt ein Eigengewicht von rund 700 Kilogramm und eine unterstützte Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Entwickelt und nach militärischen Standards validiert worden sei die Komponente in weniger als zwei Jahren.

Die digitale Steuerung schafft laut RENK die Grundlage für Funktionen wie Fernsteuerung, Platooning, Crew-Sharing sowie spätere autonome Fähigkeiten, ohne dass die Fahrzeugplattform grundlegend neu konstruiert werden müsse. Die Architektur lasse sich auf bemannte, optional unbemannte und speziell für den unbemannten Einsatz konzipierte Programme übertragen, einschließlich Nachrüstungen.

Hintergrund zur TRACKX-Plattform

Die TRACKX-Plattform war im September 2025 auf der Messe DSEI in London vorgestellt worden. Patria positioniert sie als modernen Ersatz für ältere leichte Kettenfahrzeuge wie den M113 oder den sowjetischen MT-LB, von denen viele Streitkräfte noch große Stückzahlen betreiben. In der Standardkonfiguration handelt es sich um einen gepanzerten Mannschaftstransporter mit einem maximalen Gefechtsgewicht im Bereich von rund 15 Tonnen, der eine zweiköpfige Besatzung sowie bis zu zehn Soldaten aufnehmen kann. Die Plattform entstand im Rahmen des EU-geförderten FAMOUS-Programms, bei dem Finnland die Führungsrolle und Patria die Koordination übernimmt; der Serienproduktionsstart ist für 2027 vorgesehen.

Für die auf der Eurosatory gezeigte unbemannte Variante wurde der Mannschaftsraum durch Sensoren, Kommunikationsausrüstung und autonome Systeme ersetzt, während Fahrgestell und Mobilitätseigenschaften unverändert bleiben.

Industrialisierung bereits angelaufen

Anfang 2026 beauftragte Patria RENK mit einer Vorserienlieferung von HSWL-076-Getrieben für die TRACKX-Fahrzeugfamilie. Beide Unternehmen werten dies als Schritt zur Industrialisierung des Programms. Das gemeinsame Demonstrationsmodell ist vom 15. bis 19. Juni 2026 auf der Eurosatory am RENK-Stand J280 in Halle 6 zu sehen.

Die RENK Group erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro und ist seit März 2025 im MDAX gelistet. Patria steht zu 50,1 Prozent im Eigentum des finnischen Staates und zu 49,9 Prozent im Besitz der norwegischen Kongsberg Defence & Aerospace.

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