Rheinmetall und LIG Defense & Aerospace planen Joint Venture

Rheinmetall und Andøya Space kooperieren bei kommerziellen Weltraumstarts
Foto: 2023 Andøya Spaceport

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und das südkoreanische Unternehmen LIG Defense & Aerospace haben eine strategische Partnerschaft im Bereich der bodengestützten Luftverteidigung geschlossen. Vorgesehen ist ein gemeinsames Unternehmen, an dem Rheinmetall die Mehrheit halten soll.

Beide Konzerne gaben die Zusammenarbeit am 15. Juni 2026 bekannt. Ziel ist es, moderne Flugabwehrsysteme für den europäischen Raum und das NATO-Gebiet anzubieten. Kurzfristig wollen die Partner dafür ein Joint Venture gründen, in dem Rheinmetall die Mehrheitsanteile übernimmt. Die Kooperation soll sich auf Forschung und Entwicklung, Vermarktung, Geschäftsentwicklung sowie eine lokalisierte Fertigung in Europa erstrecken.

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Aufgabenteilung zwischen den Partnern

Im Zentrum der Vereinbarung stehen die Luftverteidigungs-Raketensysteme mittlerer und großer Reichweite (MRAD/LRAD) von LIG Defense & Aerospace. Diese sollen in Europa lokalisiert, weiterentwickelt und vertrieben werden. Ergänzt werden sie durch die Systeme von Rheinmetall für die Flugabwehr im Nahbereich (VSHORAD). Darüber hinaus wollen beide Unternehmen gemeinsam neue Raketen und Fähigkeiten für den Kurzstreckenbereich (SHORAD) entwickeln, um nach eigener Darstellung bestehende Lücken in diesem Segment zu schließen.

Durch die Bündelung der Portfolios sollen Lösungen über mehrere Verteidigungsschichten hinweg angeboten werden – vom Schutz gegen Drohnen bis zur Abwehr weiträumiger Bedrohungen. Oliver Dürr, CEO der Rheinmetall-Division Air Defence, verwies darauf, dass sich die Produktreihen beider Seiten ergänzten und auf aktuelle wie künftige Marktanforderungen ausgerichtet seien. Ickhyun Shin, President und CEO von LIG Defense & Aerospace, ordnete den Schritt in eine Phase der europäischen Verteidigungsmodernisierung ein und kündigte eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem deutschen Partner an.

Zur Begründung führen beide Unternehmen die jüngsten Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten an. Diese hätten gezeigt, dass unabhängige und verlässliche Liefer- und Bereitstellungsketten für die Versorgung mit Luftverteidigungssystemen, Raketen und Munition an Bedeutung gewonnen hätten.

Hintergrund zu LIG Defense & Aerospace

LIG Defense & Aerospace gehört zu den größten Verteidigungsunternehmen Südkoreas. Der Konzern firmierte bis 2026 unter dem Namen LIG Nex1 und benannte sich anlässlich seines 50-jährigen Bestehens um; mit dem neuen Namen will das Unternehmen seine Ausrichtung über klassische Lenkflugkörper hinaus auf Bereiche wie Raumfahrt- und Satellitentechnik betonen.

Zum Portfolio zählen präzisionsgelenkte Munition, Aufklärungs- und Überwachungssysteme, Avionik sowie unbemannte Systeme. Im Bereich der Flugabwehr hat LIG mehrere Abfangsysteme entwickelt, darunter das Langstreckensystem L-SAM, das Mittelstreckensystem MSAM-II (auch als Cheongung bekannt) sowie das tragbare Kurzstreckensystem CHIRON. Mit einer eigenen Repräsentanz in München hat das Unternehmen zuletzt seine Präsenz auf dem europäischen Markt ausgebaut.

Rheinmetall wiederum zählt mit seiner Division Air Defence zu den international etablierten Anbietern bodengestützter Flugabwehr. Das Spektrum reicht von Kanonen und Effektoren über Sensor- und Feuerleitsysteme bis hin zu Drohnenabwehrlösungen.

Wachsender Markt für mehrschichtige Luftverteidigung



Ein zentraler Rahmen für den wachsenden Markt in diesem Segment ist nicht allein die Dringlichkeit, die durch den andauernden Krieg in der Ukraine verdeutlicht wird, sondern auch die 2022 unter deutscher Führung gestartete European Sky Shield Initiative (ESSI), an der inzwischen 24 Staaten beteiligt sind. Die Initiative setzt auf eine gemeinsame, abgestufte Beschaffung von Systemen kurzer, mittlerer und großer Reichweite, um Beschaffungskosten zu teilen und die Interoperabilität zu erhöhen.

Rheinmetall ist in diesem Umfeld bereits mit dem mobilen Flugabwehrsystem Skyranger vertreten, das als Baustein für den Nahbereich gilt und unter anderem von Deutschland, Österreich, Dänemark, Ungarn und den Niederlanden bestellt wurde. Mit der nun vereinbarten Partnerschaft erweitert der Konzern sein Angebot um Raketensysteme größerer Reichweite und tritt damit in einem stärker umkämpften Segment des europäischen Verteidigungsmarktes an.

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