Die künftigen Anti-Submarine-Warfare-Fregatten der niederländischen und belgischen Marine sollen je ein zwölf Meter langes unbemanntes Überwasserfahrzeug mitführen. Es trägt ein abgesetztes Tauchsonar und soll die Unterwasseraufklärung über die Reichweite der Schiffssensorik hinaus ausdehnen.
Das niederländische Verteidigungsministerium hat über das Materiel- und IT-Kommando (COMMIT) den Startschuss für die Entwurfsphase eines unbemannten Überwasserfahrzeugs (USV) gegeben. Die entsprechende Vereinbarung mit dem Verbund Dutch Naval Design (DND) wurde am 29. Juli 2026 in Rotterdam unterzeichnet; öffentlich gemacht wurde der Schritt am 3. August. Parallel dazu wurde die Beschaffung eines angepassten FLASH-Tauchsonars von Thales Underwater Systems France freigegeben. Die Entwurfsphase soll im ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein.
Grundlage ist eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Ministerium und DND vom 10. April 2024, die die Anforderungen an das Fahrzeug festlegte und einen Zeitraum von rund vier Jahren bis zur technologischen Einsatzreife veranschlagte. DND ist ein Verbund aus Verteidigungsministerium, Industrie, Hochschulen und Forschungsinstituten; das Angebot für das Vorhaben wurde unter der Bezeichnung „USV Alliance“ eingereicht. Vor dem Bau der Serienfahrzeuge ist ein funktionsfähiger Prototyp vorgesehen, an dem Rumpfform, autonome Navigation, nautische Sicherheitsfunktionen und die Systemintegration erprobt werden sollen.

Technische Eckdaten und Einsatzprofil
Der öffentlich dokumentierte Entwurfsstand stammt aus der COMMIT-Konzeptphase und liegt vor der jetzigen Designarbeit. Er sah ein 11,2 Meter langes und 2,5 Meter breites Fahrzeug mit 9,2 Tonnen Verdrängung vor, begrenzt auf zehn Tonnen einschließlich Treibstoff und Nutzlast. Gefordert waren mindestens 96 Stunden Einsatzdauer, eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten bei Seegang 5 sowie Aussetzen und Einholen unter denselben Bedingungen. Das aktive Tauchsonar sitzt in einem mittig angeordneten Moonpool, um Stampf- und Rollbewegungen zu dämpfen und den Wandler beim Transit zu schützen. Ein redundanter Antrieb soll verhindern, dass ein einzelner Motorausfall das Fahrzeug manövrierunfähig macht. Bewaffnung ist nicht vorgesehen; das USV ist als Sensorträger konzipiert.
Das Einsatzverfahren wird als „sprint and dip“ beschrieben: Das Fahrzeug verlegt mit hoher Fahrt, stoppt, lässt das Sonar unter eine Temperatursprungschicht ab und sucht von der neuen Position aus. Bei 20 Knoten lassen sich zehn Seemeilen in etwa 30 Minuten zurücklegen; von einem 96-Stunden-Einsatz entfällt rechnerisch rund die Hälfte auf stationäre Sonararbeit. Die Trennung von Sender und Fregatte ermöglicht bistatische und multistatische Verfahren, bei denen das USV sendet, während Empfänger an Bord der Fregatte, des NH90 oder verbündeter Einheiten die Echos aus anderen Richtungen aufnehmen. Die tatsächliche Ortungsleistung bleibt jedoch von Wassertiefe, Salzgehalt, Bodenbeschaffenheit, Umgebungslärm und der akustischen Signatur des Ziels abhängig. Aktives Senden verrät zudem die ungefähre Position des Fahrzeugs, und Unterbrechungen der Datenverbindung können die Klassifizierung verzögern.
Das USV ist Teil einer mehrstufigen Sensorkette. Die Fregatten erhalten ein Rumpfsonar, ein tiefenveränderliches Aktiv-Passiv-Sonar im Niederfrequenzbereich sowie Auswertetechnik für Sonarbojen. Der eingeschiffte NH90 kann Sonarbojen absetzen, das HELRAS-Tauchsonar nutzen und mit dem Leichtgewichtstorpedo Mk 54 angreifen. Ein senkrechtstartender U-Jagd-Flugkörper ist bislang nicht angekündigt. Ein weit entfernt geortetes Ziel muss deshalb weiterhin vom Hubschrauber bekämpft werden oder die Fregatte muss auf Torpedoreichweite aufschließen. Das USV erweitert damit die Ortungsfläche, nicht die Waffenreichweite.
Programmumfeld
Das ASWF-Programm läuft gemeinsam für die niederländische und die belgische Marine und ersetzt die Fregatten der Karel-Doorman-Klasse. Im Mai 2026 räumte das niederländische Verteidigungsministerium in seiner jährlichen Projektübersicht eine dreijährige Verzögerung ein: Das erste Schiff wird nicht vor 2033 übergeben, begründet mit Instabilität des ursprünglichen Entwurfs und der Notwendigkeit, Reserven für spätere Systeme wiederherzustellen. Belgien leitete am 19. Juli 2026 eine Marktabfrage bei Werften in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und der Türkei ein und will im Oktober entscheiden, ob es im Programm bleibt.
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