U.S. Army beauftragt Hanwha mit Prototypen für radgestützte Haubitze

Die US-Armee hat Hanwha Defense USA mit der Entwicklung von Prototypen für das Programm Mobile Tactical Cannon beauftragt. Die Systeme sollen in Truppenversuchen erprobt werden und langfristig einen Teil der gezogenen Haubitzen M777 ersetzen.
Foto: Jonathan Mallard – CC BY 2.0

Die US-Armee hat Hanwha Defense USA mit der Entwicklung von Prototypen für das Programm Mobile Tactical Cannon beauftragt. Die Systeme sollen in Truppenversuchen erprobt werden und langfristig einen Teil der gezogenen Haubitzen M777 ersetzen.

Auftragsumfang und Vertragskonstruktion

Die US Army gab die Vereinbarung mit dem in Arlington im Bundesstaat Virginia ansässigen Unternehmen am 18. August bekannt. Der Auftrag wurde im Wettbewerb unter einer Other Transaction Authority nach 10 U.S.C. Section 4022 vergeben, einem Beschaffungsinstrument außerhalb des regulären Vergaberechts, das kürzere Vertragslaufzeiten und schnellere Prototypenentwicklung ermöglichen soll. Vorgesehen sind bis zu 18 radgestützte Selbstfahrlafetten für Erprobung und Truppenversuche über einen geschätzten Zeitraum von vier Jahren. Der Festpreisvertrag hat ein initiales Volumen von rund 100,3 Millionen US-Dollar bei einem kumulierten Gesamtwert von etwa 262,9 Millionen US-Dollar.Zunächst liefert das Unternehmen sechs Prototypen, für zwölf weitere Systeme besteht eine Option.

Nach Unternehmensangaben soll die erste Einheit im Frühherbst verfügbar sein, die sechs Erstsysteme innerhalb eines Jahres nach Vertragsschluss. Für Hanwha Defense USA ist es der erste größere Auftrag der US-Armee.

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Auswahlverfahren

Der Vergabe ging nach Angaben der Armee eine längere Marktsichtung mit mehreren Herstellerdemonstrationen in den Vereinigten Staaten und im Ausland voraus. Diese hätten gezeigt, dass mehrere Anbieter ausgereifte mobile Artilleriesysteme anbieten könnten, was eine breite Wettbewerbsbasis und eine zügige Bewertung vorhandener Fähigkeiten ermöglicht habe. Bereits im Frühjahr hatte Hanwha die Wahl des Systems öffentlich gemacht und angekündigt, den Aufbau von Fertigung und Zulieferstrukturen in Alabama zu beginnen.

Das System

Bei dem angebotenen Modell handelt es sich um die K9 Mobile Howitzer, eine radgestützte Ableitung der bislang als Kettenfahrzeug bekannten K9-Familie. Beide Varianten nutzen dasselbe 155-Millimeter-Rohr in 52 Kalibern Länge, während das Rohr der M777 39 Kaliber misst. Längere Rohre führen in der Regel zu größeren Reichweiten. Hanwha gibt an, dass das System mit dem Munitionsspektrum der US-Armee kompatibel ist und weltweit bereits mehr als 2.500 Geschütze der K9-Reihe ausgeliefert wurden. Varianten des Systems sind unter anderem in Australien, Ägypten, Estland, Finnland, Indien, Norwegen, Polen und der Türkei im Einsatz.

Unternehmensvertreter beschreiben die Radvariante als Zwischenschritt mit der Möglichkeit, später auf eine Kettenlösung zu erweitern. Diese Aussagen stammen aus der Herstellerkommunikation und sind bislang nicht durch Erprobungsergebnisse belegt.

Einordnung in die Artilleriemodernisierung

Nach Darstellung der Armee sollen Soldaten die Prototypen in operativen Versuchen auf Leistung, Zuverlässigkeit und Unterstützbarkeit prüfen. Die daraus gewonnenen Daten sollen als Entscheidungsgrundlage für eine mögliche Einführung dienen. Im Fall einer Beschaffung würde das System in ausgewählten Verbänden die gezogene M777 ablösen.

Das Vorhaben steht in direktem Zusammenhang mit dem Scheitern eines früheren Programms. Die US-Armee hatte ihr Vorhaben Extended Range Cannon Artillery eingestellt, bei dem ein selbst entwickeltes Rohr in 58 Kalibern Länge auf das Fahrgestell der Panzerhaubitze M109 Paladin montiert wurde. Ziel war eine Reichweite von rund 70 Kilometern; technische Probleme verhinderten die Serienreife. Der Kongressforschungsdienst datiert das Programmende auf April 2024 und verweist darauf, dass die anschließende Marktabfrage ausdrücklich auf bereits eingeführte oder kurzfristig verfügbare Systeme einschließlich ausländischer Entwicklungen zielte. Gefordert werden seither größere Reichweite, höhere Mobilität und die Fähigkeit zum Nachladen im Gefecht.

Die Armee begründet den Prototypenansatz mit ihrer Initiative zur fortlaufenden Transformation, die kürzere Entwicklungszyklen und die frühzeitige Rückmeldung aus der Truppe vorsieht. Eine Entscheidung über eine Serienbeschaffung steht bislang aus.

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