US-Bestände an weitreichender Präzisionsmunition sind weitgehend erschöpft

Die US-Armee hat nach Angaben mehrerer mit internen Daten vertrauter Personen nahezu ihren gesamten Vorrat an ATACMS- und PrSM-Boden-Boden-Raketen im Krieg gegen den Iran verbraucht. In Washington wächst die Sorge, dass die Bestände die Reaktionsfähigkeit in anderen Weltregionen einschränken könnten.
Foto: DVIDS

Die US-Armee hat nach Angaben mehrerer mit internen Daten vertrauter Personen nahezu ihren gesamten Vorrat an ATACMS- und PrSM-Boden-Boden-Raketen im Krieg gegen den Iran verbraucht. In Washington wächst die Sorge, dass die Bestände die Reaktionsfähigkeit in anderen Weltregionen einschränken könnten.

Verbrauch bei ATACMS und PrSM

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am 4. August unter Berufung auf drei mit den Daten vertraute Personen berichtete, ist der Bestand des US-Heeres an weitreichender Präzisionsmunition seit Kriegsbeginn im Februar stark zurückgegangen. Betroffen sind vor allem die Boden-Boden-Systeme Army Tactical Missile System (ATACMS) und dessen Nachfolger Precision Strike Missile (PrSM). Zwei der Quellen erklärten, praktisch der gesamte verfügbare Vorrat sei aufgebraucht. Angaben zu verbleibenden Stückzahlen machten sie nicht. Das Ausmaß des Verbrauchs bei diesen beiden Systemen war zuvor nicht öffentlich bekannt.

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Eine vierte Person sagte Reuters, das für den Nahen Osten zuständige US-Zentralkommando CENTCOM habe seine vor Kriegsbeginn in der Region vorgehaltenen landgestützten Raketen nahezu vollständig verbraucht, könne aber auf Bestände aus anderen Weltregionen zurückgreifen. Nach Darstellung einer der Quellen spiegelt der schnelle Verbrauch eine Entscheidung der US-Regierung wider, auf risikoreichere Einsatzformen wie bemannte Luftangriffe zu verzichten. Ergänzend hieß es, seit Kriegsbeginn sei zudem etwas weniger als die Hälfte des weltweiten Bestands an seegestützten Tomahawk-Marschflugkörpern verbraucht worden. Reuters konnte diese Zahl nicht unabhängig überprüfen.

Technischer Hintergrund

ATACMS werden seit den 1990er-Jahren eingesetzt und erreichen je nach Version Reichweiten zwischen etwa 165 und 300 Kilometern. Die Produktion läuft aus. Der Nachfolger PrSM wird aus denselben Werfern M142 HIMARS und M270 verschossen, erreicht in der Erstversion mehr als 400 Kilometer und passt zu zweit in einen Werferbehälter, was die Feuerkraft je Fahrzeug verdoppelt. Spätere Ausbaustufen sollen bewegliche Seeziele bekämpfen und Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern erreichen. Der Systemwechsel wurde erst nach dem Ende des INF-Vertrags möglich. Der Kampfeinsatz des PrSM im Iran-Krieg im März 2026 war der erste überhaupt.

Die Bestandslage ist auch deshalb angespannt, weil das PrSM als neues System von Beginn an nur in geringen Stückzahlen verfügbar war. Lockheed Martin und das US-Verteidigungsministerium unterzeichneten im März 2026 eine Rahmenvereinbarung, die die Fertigungskapazität vervierfachen soll. Sie baut auf einem Vertrag über bis zu 4,94 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahr auf.

Auch Abwehrsysteme betroffen

Parallel sind die Bestände an Abfangflugkörpern gesunken. Der Think Tank Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt in einer Ende Juli veröffentlichten Analyse, dass seit Kriegsbeginn rund 65 Prozent der Patriot-Abfangflugkörper verbraucht wurden. Verblieben seien zwischen 759 und 827 Stück gegenüber etwa 2.330 vor dem Krieg. Der THAAD-Bestand liegt demnach bei 234 bis 278 Flugkörpern und damit mindestens 38 Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Die Autoren Mark Cancian und Chris Park stützen sich auf Haushaltsunterlagen und weitere öffentlich zugängliche Daten. Zwei der von Reuters befragten Personen bezeichneten die Schätzungen als deckungsgleich mit internen Zahlen. CSIS weist darauf hin, dass der Wiederaufbau der Bestände mehrere Jahre in Anspruch nehmen dürfte, da zwischen Vertragsabschluss und Auslieferung eines Flugkörpers regelmäßig drei bis fünf Jahre liegen.

Reaktionen aus Washington

Das Weiße Haus verwies auf eine Stellungnahme von Präsident Donald Trump, wonach die USA über deutlich mehr Munition verfügten als jeder andere Staat und mehr, als benötigt werde. Die Rüstungsindustrie produziere derzeit auf Rekordniveau und erweitere ihre Fertigungsanlagen. Der Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte, das US-Militär verfüge über alle erforderlichen Mittel. Lockheed Martin und Raytheon äußerten sich auf Anfrage von Reuters zunächst nicht.

Fachleute bestätigen zwar Produktionsrekorde bei Artilleriemunition und mehreren Flugkörpertypen, halten die Ausbringung für einen längeren Konflikt aber für möglicherweise unzureichend. Das Pentagon hat beim Kongress einen Nachtragshaushalt beantragt, der unter anderem Munitionsbeschaffung abdecken soll. Eine Kriegserklärung oder eine Ermächtigung zum Einsatz militärischer Gewalt wurde dem Kongress bislang nicht vorgelegt.

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