US-Armee prüft Verdopplung der GMLRS-Raketenproduktion auf 19.000 Stück pro Jahr

Das U.S. Army Contracting Command am Redstone Arsenal hat eine Markterkundung zur Fertigung von 133.014 gelenkten Artillerieraketen zwischen 2028 und 2034 veröffentlicht. Die geforderte Jahresrate liegt deutlich über der bislang aufgebauten Industriekapazität.
Foto: DVIDS

Das U.S. Army Contracting Command am Redstone Arsenal hat eine Markterkundung zur Fertigung von 133.014 gelenkten Artillerieraketen zwischen 2028 und 2034 veröffentlicht. Die geforderte Jahresrate liegt deutlich über der bislang aufgebauten Industriekapazität.

Marktabfrage statt Ausschreibung

Die US-Armee hat am 17. August 2026 unter der Kennung PANRSA-25-P-7693 eine sogenannte Sources-Sought-Notice auf der Vergabeplattform SAM.gov veröffentlicht. Verantwortlich ist das Army Contracting Command am Redstone Arsenal in Alabama. Ziel ist die Identifikation von Unternehmen, die über Interesse und Ressourcen verfügen, das Guided Multiple Launch Rocket System (GMLRS) zu produzieren. Der Umfang eines möglichen Auftrags umfasst neben der Serienfertigung auch Werkzeugbau, Änderungsvorschläge im Rahmen von Engineering Change Proposals sowie unterstützende Leistungen.

Die Behörde stellt ausdrücklich klar, dass es sich weder um eine Ausschreibung noch um eine Aufforderung zur Angebotsabgabe handelt und keine Verpflichtung zur späteren Auftragsvergabe besteht. Kosten für die Erstellung von Rückmeldungen werden nicht erstattet. Antworten sind bis zum 1. September 2026, 16.00 Uhr CDT, per E-Mail an den zuständigen Contract Specialist und die Contracting Officer zu richten. Telefonische Anfragen sind ausgeschlossen.

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Geforderte Stückzahlen und Zeitplan

Die Armee bittet die Industrie um Whitepaper zu Fähigkeiten, Erfahrung und technischem Ansatz für eine Jahresproduktion von 19.002 GMLRS-Raketen. Die Maximalmengen sind für die Haushaltsjahre 2028 bis 2034 mit jeweils gleicher Höhe angesetzt, was in Summe 133.014 Raketen ergibt. Erste Auslieferungen sollen im Februar 2030 beginnen. Die Rückmeldungen sollen zudem Risiken und Vorteile unterschiedlicher Produktionsoptionen bewerten und Vertragsstrategien vorschlagen, die das Kostenrisiko für die Auftragnehmer begrenzen.

Interessierte Unternehmen sollen eine Fähigkeitsdarstellung von maximal zehn Seiten einreichen. Gefordert werden unter anderem Angaben zu vergleichbaren Vorhaben, ein Terminplan von der Auftragsvergabe bis zur ersten Lieferung im Format Microsoft Project, Erfahrungen im Management von Unterauftragnehmern, technische Kompetenzen sowie Aussagen zu Fertigungsstätten, Geheimschutzanforderungen und Lieferkettenpartnern mit freien Kapazitäten ab dem Haushaltsjahr 2028. Technische Datenpakete auf Integratorebene stellt die Regierung auf Anfrage und nach sicherheitstechnischer Freigabe bereit. Datenpakete auf Baugruppenebene und darunter müssen die Bieter selbst erstellen oder beschaffen.

Das System

GMLRS liefert Artillerieverbänden präzises Wirkfeuer gegen Punkt- und Flächenziele. Verschossen wird die Rakete aus den Werfern der M270-Familie sowie aus dem radbasierten M142 HIMARS. Die Unitary-Variante trägt einen Gefechtskopf der 200-Pfund-Klasse und ist auf Präzisionsschläge mit geringen Kollateralschäden ausgelegt. Der Alternative Warhead (AW) verteilt vorgeformte Penetratoren und erzeugt Flächenwirkung, ohne gegen die geltende Streumunitionspolitik zu verstoßen. Die Extended-Range-Version verdoppelt die Reichweite und kann beide Gefechtskopfvarianten aufnehmen. Die Standardausführung erreicht rund 84 Kilometer, die ER-Variante bis zu 150 Kilometer.

Einordnung: Sprung über die bestehende Kapazität

Die angestrebte Rate liegt erheblich über der derzeit verfügbaren Fertigungskapazität. Hersteller Lockheed Martin hatte eine Jahreskapazität von 14.000 Stück bis 2025 als Ziel ausgegeben. Gegenüber diesem Wert entspricht die neue Forderung einer Steigerung um rund 36 Prozent. Zum Vergleich: Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 sah 1,167 Milliarden US-Dollar für die Beschaffung von 5.974 Raketen vor, bei einem Gesamtbeschaffungsziel von 140.004 Stück. Im Juni 2026 erhielt Lockheed Martin einen Produktionsauftrag im Volumen von rund drei Milliarden US-Dollar für Standard- und ER-Varianten.

Ob die Kapazitätsausweitung allein beim bisherigen Hersteller erfolgt oder ein zweiter Fertigungsstrang aufgebaut wird, lässt die Markterkundung offen. Der ausdrückliche Hinweis auf empfohlene Fertigungsstätten und Lieferkettenpartner deutet darauf hin, dass die Armee alternative Industriearchitekturen prüft. Zusätzlicher Druck entsteht durch die Nachfrage weiterer Nutzer: Auch die Bundeswehr setzt GMLRS-Raketen für ihre MARS-II-Werfer ein, weitere europäische Streitkräfte sowie das US Marine Corps greifen auf dieselbe Fertigungsbasis zu.

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