Seit der Außerdienststellung der Breguet Atlantic SIGINT im Juni 2010 verfügt die Bundeswehr über kein luftgestütztes System zur signalerfassenden Aufklärung mehr und ist in diesem Bereich auf die Fähigkeiten der Verbündeten angewiesen. Mit PEGASUS soll diese Lücke ab 2027 geschlossen werden: drei umgebaute Bombardier Global 6000 im Wert von mehr als anderthalb Milliarden Euro. Ein Blick auf den Projektverlauf, die technischen Daten des Systems und die Frage, warum die Wahl auf einen Businessjet fiel.
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Das PEGASUS-Projekt
PEGASUS steht für Persistent German Airborne Surveillance System. Mit dem Projekt soll die seit 2010 bestehende Fähigkeitslücke in der signalerfassenden luftgestützten weiträumigen Überwachung und Aufklärung, im Bundeswehr-Jargon kurz SLÜWA, geschlossen werden. Dahinter verbirgt sich das, was Militärs als Signals Intelligence, kurz SIGINT, bezeichnen: das Erfassen und Auswerten fremder elektromagnetischer Signale. Konkret wird PEGASUS in der Lage sein, militärischen Funkverkehr, Radaremissionen und digitalen Datentransfer aus großer Entfernung zu erfassen und auf dieser Basis ein elektronisches Lagebild zu erstellen. Das System dient damit der Krisenfrüherkennung, der Lagebeurteilung und der Feststellung der Bedrohungslage in potenziellen Einsatzgebieten.
Ein wesentliches Ziel der Beschaffung ist darüber hinaus die Stärkung der nationalen Handlungsfähigkeit im Bereich der strategischen Signalaufklärung. Denn bislang kann weder die Einsatzbereitschaft der verbündeten Aufklärungsmittel zum benötigten Zeitpunkt noch der uneingeschränkte Zugang zu den gewonnenen Informationen garantiert werden. Da elektronische Aufklärung und elektronische Kampfführung unmittelbar mit nationalen Sicherheitsinteressen verbunden sind, kommt der Datenhoheit eine besondere Bedeutung zu. PEGASUS ermöglicht Deutschland daher erstmals seit 2010 wieder die souveräne Gewinnung, Verarbeitung und Auswertung eigener SIGINT-Daten aus der Luft und reduziert damit die Abhängigkeit von externen Fähigkeiten und Entscheidungsprozessen. Auf diesen Punkt kommt das Fazit noch einmal zurück.
Der Weg dorthin war allerdings alles andere als geradlinig. Ursprünglich sollte PEGASUS mit einer unbemannten Plattform realisiert werden. Am 28. Januar 2020 teilte das Verteidigungsministerium jedoch mit, dass man von diesem Plan abrückt und stattdessen auf ein bemanntes Geschäftsreiseflugzeug umschwenkt.
Danach ging es vergleichsweise schnell: Am 23. Juni 2021 erteilte der Haushaltsausschuss des Bundestages grünes Licht für die Beschaffung von drei PEGASUS-Aufklärungssystemen im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro. Nur sechs Tage später, am 29. Juni 2021, beauftragte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, die Hensoldt Sensors GmbH mit der Herstellung und Lieferung der drei Systeme. Die Auslieferung sollte ursprünglich im Zeitraum von 2026 bis 2028 erfolgen.
Als Generalunternehmer trägt Hensoldt dabei die Gesamtverantwortung für die Realisierung des Gesamtsystems, und zwar nicht nur für die Flugzeuge selbst, sondern auch für die Bodenstation, die Ausbildungseinrichtung und die Datenanalysefähigkeiten. Unterstützt wird das Unternehmen von Lufthansa Technik Defense und Bombardier Defense.
Am 23. Oktober 2024 absolvierte das PEGASUS-System erfolgreich seinen Erstflug, zugleich der Auftakt einer ganzen Reihe von Flugtests im Rahmen der zivilen luftfahrtrechtlichen Zulassung. Gut ein Jahr später, am 11. Dezember 2025, landete die erste modifizierte Global 6000 bei der Lufthansa Technik in Hamburg. Damit begann die entscheidende Phase des Programms: die Systemintegration und -qualifizierung in Deutschland.
Doch ganz nach Plan läuft auch dieses Vorhaben nicht. Das Programm liegt rund 20 Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Die Gründe dafür liegen in der Zulassung: Erstmals überhaupt muss ein hochkomplexes militärisches SIGINT-Missionsflugzeug auf Basis einer zivilen Flugzeugplattform nach den strengen Vorschriften der europäischen Luftfahrtbehörde EASA zugelassen werden. Üblicherweise werden militärische Luftfahrzeuge nach militärischen Standards zertifiziert. Die zivile Zulassung eines mit umfangreicher Sensorik, Antennen und Missionssystemen ausgestatteten Aufklärungsflugzeugs stellt hingegen einen außergewöhnlich hohen technischen, regulatorischen und organisatorischen Aufwand dar. Hinzu kommt, dass PEGASUS das erste Starrflügler-Programm ist, bei dem ein strategisches SIGINT-Missionsflugzeug dieser Komplexität federführend in Deutschland entwickelt und integriert wird.
Um die neue Fähigkeit trotz dieser Verzögerungen möglichst früh in die Truppe zu bringen, stimmte der Haushaltsausschuss am 17. Dezember 2025 dem zweiten Änderungsvertrag des PEGASUS-Hauptvertrages zu. Dieser soll laut Verteidigungsministerium die Realisierung erster Funktionalitäten im Jahr 2027 gewährleisten. Außerdem wird eine neue Systematik zur integrierten Nachweisführung implementiert, die Beistellung des militärischen GPS neu geregelt sowie zusätzliche Hardware für eine Interims-Aufklärungs- und Operationszentrale beschafft. Der Wesenskern des Änderungsvertrages besteht darin, die Einsatzreife des Waffensystems im Rahmen einer gemeinsamen Erprobung mit dem Nutzer schrittweise zu erreichen. Auf diese Weise können bereits während der Einführungsphase wertvolle operationelle Erfahrungen gesammelt, Verfahren optimiert und die Fähigkeit bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Durch diesen dynamischen Ansatz, bei dem Nutzer, Beschaffungsbehörde und Industrie eng zusammenarbeiten, dürfte die Bundeswehr zudem früher von den wesentlichen Fähigkeitsgewinnen profitieren als zwischenzeitlich zu erwarten war.
Am 8. Juli 2026 folgte der vorerst letzte Beschluss: Der Haushaltsausschuss billigte die Beschaffung eines gebrauchten Luftfahrzeugs des Typs Bombardier Global 6000 für Schulungszwecke. Cockpit und Avionik sind baugleich mit den originären PEGASUS-Maschinen, auf die Aufklärungssensorik wird jedoch vollständig verzichtet. Mit dem Schulungsluftfahrzeug wird die Ausbildung und Qualifizierung des fliegenden Personals über die gesamte Nutzungsdauer des Waffensystems sichergestellt, ohne dass dafür die vollausgestatteten Einsatzmaschinen herangezogen werden müssen.
Nach aktueller Planung soll die offizielle Übergabe an die Bundeswehr ab 2027 erfolgen, die initiale Einsatzfähigkeit wird voraussichtlich ab 2028 erreicht, und im Jahr 2029 soll schließlich die komplette Flotte einsatzbereit sein. Stationiert werden die Maschinen beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ auf dem Fliegerhorst Schleswig-Jagel.
Darüber hinaus wird über die Beschaffung weiterer Maschinen nachgedacht. Zur Einordnung: Aktuell liegt der Bestand bei null Maschinen, drei sind fest bestellt. Der tatsächliche Bedarf der Bundeswehr wird jedoch mit sechs bis neun Flugzeugen beziffert. Die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine haben die entscheidende Rolle von SIGINT und der Dominanz im elektromagnetischen Spektrum nochmals verdeutlicht. Vor diesem Hintergrund wird die Beschaffung weiterer PEGASUS-Flugzeuge im Rahmen einer Ergänzungsbeschaffung angestrebt. Und diese deutet sich im Haushalt bereits an: Laut dem Newsportal Hartpunkt sind für das Projekt Verpflichtungsermächtigungen von rund 1,9 Milliarden Euro vorgesehen, während im laufenden Haushalt noch 1,35 Milliarden Euro eingeplant waren, eine finanzielle Aufstockung, die auf eine Nachbestellung hindeutet. Positiv kommt hinzu, dass die bereits abgeschlossenen Arbeiten und die dabei gewonnenen Erkenntnisse die technischen, regulatorischen und programmatischen Risiken einer solchen Ergänzungsbeschaffung erheblich reduzieren. Was die Bundeswehr für ihr Geld konkret erhält, zeigt ein genauerer Blick auf das Gesamtsystem.
Technische Daten
PEGASUS ist kein isoliertes Produkt, sondern ein komplexer Systemverbund, der weit über die drei Aufklärungsflugzeuge hinausgeht. Ein vollständiges PEGASUS-System besteht aus vier integralen Komponenten: der Trägerplattform, also den umgebauten Flugzeugen vom Typ Bombardier Global 6000, dem Missionssystem, sprich der Hardware und Software an Bord der Maschinen, dem Bodensegment mit hochmodernen Stationen zur Missionsplanung, Missionsdurchführung und Auswertung sowie der Ausbildungskomponente, zu der spezielle Simulatoren, Schulungsanlagen und Referenzsysteme gehören. Erst das Zusammenspiel dieser vier Elemente macht aus den einzelnen Flugzeugen eine einsatzfähige Aufklärungsfähigkeit.
Die Besatzung setzt sich aus zwei spezialisierten Gruppen zusammen: aus Piloten der Luftwaffe, die für die sichere Durchführung des Fluges sorgen, und aus Spezialisten des Cyber- und Informationsraums, kurz CIR, jenem Organisationsbereich der Bundeswehr, der unter anderem für das militärische Nachrichtenwesen und den Kampf im elektromagnetischen Spektrum zuständig ist. Diese Spezialisten bestimmen Einsatzraum und Einsatzzeiten, steuern die Sensorik während des Fluges und werten die gewonnenen Daten bereits in Echtzeit aus. Ihre Arbeit ist entscheidend, um aus nackten Signalen im elektromagnetischen Spektrum verwertbare militärische Informationen zu generieren.
Den Ausgangspunkt bildet die Trägerplattform. Die Basis bildet das Geschäftsreiseflugzeug Bombardier Global 6000, eine strategische Entscheidung zugunsten von Effizienz und Zuverlässigkeit, denn die Bundeswehr setzt hier bewusst auf ein weltweit bewährtes Serienflugzeug statt auf eine militärische Neuentwicklung. Die Reichweite von circa 11.000 Kilometern ermöglicht Einsätze in weit entfernten Räumen ohne häufige Tankstopps, die Geschwindigkeit von bis zu 950 Kilometern pro Stunde erlaubt eine schnelle Reaktion auf sich ändernde Lagen. Das Einsatzprofil sieht Langstrecken-Aufklärung aus großer Flughöhe vor, was die Überlebensfähigkeit erhöht und zugleich den Sicht- und Erfassungsbereich der Sensoren maximiert. Die Global 6000 bietet dafür die notwendige Stabilität, ausreichend Platz für die Sensorik und die erforderliche Energieversorgung, ohne die aerodynamischen Eigenschaften eines reinen Kampfflugzeugs zu benötigen. Damit ist auch die eingangs gestellte Frage beantwortet, warum ausgerechnet ein Businessjet zum Spionagewerkzeug umgebaut wird.
Das eigentliche Herzstück von PEGASUS ist jedoch das Missionssystem: das Aufklärungssystem Kalaetron Integral des deutschen Technologieunternehmens Hensoldt, das den aktuellen Stand der Technik im Bereich der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung repräsentiert. Das System erfasst, klassifiziert und lokalisiert drei Hauptkategorien von Signalen: erstens Kommunikationssignale, dazu gehören militärische Funkgeräte, Datenlinks und Kommunikationsnetze, zweitens Radarsignale, etwa von Such-, Feuerleit- und Flugabwehrradaren, und drittens allgemeine elektronische Emissionen, denn im Grunde kann jedes Gerät, das Funkwellen aussendet, identifiziert werden. Auf diese Weise können Kommunikationsstrukturen aufgedeckt, Radarstellungen präzise lokalisiert und gegnerische Aktivitäten in Echtzeit bewertet werden. Das Ergebnis sind detaillierte Lagebilder, Frühwarnungen vor militärischen Aktionen und fundierte Bedrohungsanalysen, die für die Entscheidungsfindung auf höchster Ebene unverzichtbar sind.
Ein entscheidendes Merkmal ist dabei die rein passive Arbeitsweise: Das System sendet keinerlei eigene Signale aus, sondern hört ausschließlich in das elektromagnetische Umfeld hinein. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn PEGASUS verrät sich dadurch nicht selbst. In Kombination mit der Abdeckung großer geografischer Gebiete über weite Distanzen hinweg und einer hohen Penetrationstiefe kann das System außerhalb der Reichweite der gegnerischen Luftverteidigung agieren. Vereinfacht gesagt: PEGASUS horcht aus sicherer Entfernung tief in den gegnerischen Raum hinein, ohne selbst in diesen einfliegen zu müssen.
Die technischen Fähigkeiten des Missionssystems sind beachtlich. Die Breitband-Erfassung deckt einen derart großen Frequenzbereich ab, dass nahezu alle modernen militärischen Kommunikations- und Radarsysteme erfasst werden können. Mittels Geolokation lassen sich zudem die genauen Standorte von Sendern ermitteln, per Triangulation, also der Peilung eines Signals aus mehreren Positionen. Besonders hervorzuheben ist die Echtzeitanalyse an Bord: Die Daten werden nicht erst am Boden ausgewertet, sondern bereits im Flug durch leistungsstarke Rechner analysiert. Die Sensorfusion führt schließlich die Daten der verschiedenen Sensoren zusammen und korreliert sie zu einem konsistenten und genauen Lagebild. Das reduziert die Reaktionszeit erheblich, und die Erkenntnisse können unmittelbar mit eigenen und verbündeten Kräften geteilt werden.
Hinzu kommt der Einsatz von KI-Algorithmen. Damit kann das Missionssystem aus riesigen Datenmengen automatisch neue Bedrohungsmuster erkennen und eine elektronische Gefechtsfeldaufstellung generieren, den sogenannten Electronic Order of Battle, eine Übersicht, die zeigt, wo sich welche gegnerischen Systeme befinden. Zudem trägt das System wesentlich zur kontinuierlichen Aktualisierung und Erweiterung der eigenen elektronischen Bedrohungsbibliotheken bei. Bekannte Systeme werden mit aktuellen Parametern verifiziert, bislang unbekannte Sensoren und Waffensysteme identifiziert. Die gewonnenen Erkenntnisse verbessern zum einen die Wirksamkeit von Selbstschutzsystemen durch eine präzisere Bedrohungserkennung. Zum anderen bilden sie die Grundlage für die Planung und Durchführung von Electronic-Attack- und SEAD-Missionen. SEAD steht für Suppression of Enemy Air Defences, also die gezielte Ausschaltung und Niederhaltung der gegnerischen Luftverteidigung.
Der vielleicht wichtigste Beitrag von PEGASUS liegt aber in der Krisenfrüherkennung. Das System sammelt und analysiert elektromagnetische Signale über lange Zeiträume hinweg und erstellt daraus ein umfassendes Bild des gegnerischen elektromagnetischen Verhaltens. Durch den Abgleich aktueller Aktivitäten mit etablierten Mustern können Anomalien erkannt werden, beispielsweise erhöhte Führungs- und Kommunikationsaktivitäten, veränderte Radarmodi oder die plötzliche Aktivierung bislang inaktiver Systeme. Die Korrelation dieser Indikatoren ermöglicht Rückschlüsse auf Absichten, Bereitschaftsgrade und mögliche Vorbereitungen militärischer Operationen. Bedrohungen werden auf diese Weise erkannt, bevor kinetische Maßnahmen erfolgen, also bevor tatsächlich geschossen wird. Genau das verschafft politischen und militärischen Entscheidungsträgern zusätzlichen Handlungsspielraum und wertvolle Reaktionszeit für geeignete Gegenmaßnahmen.
Fazit
Mit PEGASUS erhält die Bundeswehr zweifellos eines der modernsten luftgestützten Aufklärungssysteme der Welt und schließt damit endlich jene Fähigkeitslücke, die seit der Außerdienststellung der Breguet Atlantic im Jahr 2010 klafft. Mehr als fünfzehn Jahre lang war Deutschland auf einem Ohr taub und in einem Bereich, der unmittelbar die nationalen Sicherheitsinteressen berührt, nahezu vollständig auf die Unterstützung der Verbündeten angewiesen.
Genau hier liegt die eigentliche strategische Dimension des Projekts. Die signalerfassende Aufklärung zählt zu den großen Fähigkeitslücken der europäischen Streitkräfte insgesamt, kaum ein Bereich ist so stark von den Fähigkeiten der USA abhängig. Ob die entsprechenden Aufklärungsmittel im Ernstfall verfügbar sind und ob die gewonnenen Erkenntnisse uneingeschränkt geteilt werden, entscheidet am Ende aber Washington. Angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen ist die souveräne Fähigkeit zur eigenen Signalaufklärung daher weit mehr als ein technisches Detail. Sie ist eine Frage der strategischen Handlungsfähigkeit Deutschlands und Europas.
Die Beschaffung von drei PEGASUS-Systemen ist deshalb zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, quantitativ reicht sie jedoch noch nicht aus. Das zeigt bereits der Blick auf den Bedarf der Bundeswehr von sechs bis neun Maschinen. Hinzu kommt: Wer eine dauerhafte, eben persistente Überwachung gewährleisten will, braucht ausreichend Flugzeuge, um Einsatz, Ausbildung und Wartung parallel abdecken zu können. Aufklärung ist schließlich keine Momentaufnahme, sondern eine Daueraufgabe. Die angestrebte Ergänzungsbeschaffung von drei bis sechs zusätzlichen Systemen sollte daher schnellstmöglich umgesetzt werden, nur so wird Deutschland in diesem wichtigen Fähigkeitsbereich tatsächlich unabhängiger von den USA. Die Voraussetzungen dafür sind so gut wie nie: Die im Haushalt vorgesehenen Verpflichtungsermächtigungen von rund 1,9 Milliarden Euro deuten bereits auf eine Nachbestellung hin, und die im bisherigen Programmverlauf gewonnenen Erkenntnisse reduzieren die Risiken einer solchen Beschaffung erheblich.
Neben der Stückzahl bleibt der Faktor Zeit. Rund 20 Monate Verzögerung sind angesichts der Komplexität des Vorhabens zwar erklärbar, schließlich wird hier erstmals ein militärisches Missionsflugzeug dieser Art nach zivilen EASA-Standards zugelassen und federführend in Deutschland integriert. Angesichts der angespannten geopolitischen Lage sollten nun aber alle beteiligten Akteure alles daransetzen, dass es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt. Der mit dem zweiten Änderungsvertrag eingeschlagene Weg, die Fähigkeit schrittweise und in enger Zusammenarbeit zwischen Truppe, Beschaffungsamt und Industrie einzuführen, ist dabei ausdrücklich zu begrüßen. Bleibt zu hoffen, dass die Bundeswehr ab 2027 tatsächlich wieder mit eigenen Ohren hören kann und dass aus den drei fliegenden Horchposten schon bald sechs oder mehr werden.
