Französische Artillerie erprobt kleinere CAESAR-Geschützzüge

Ein französisches Artillerieregiment erprobt eine neue Gliederung für seine CAESAR-Haubitzen: kleinere Geschützzüge und ein eigener Zug für Täuschung. Ziel ist eine höhere Überlebensfähigkeit gegen Drohnenaufklärung und Konterbatteriefeuer.
Foto: DVIDS / Spc. Zakia Gray

Ein französisches Artillerieregiment erprobt eine neue Gliederung für seine CAESAR-Haubitzen: kleinere Geschützzüge und ein eigener Zug für Täuschung. Ziel ist eine höhere Überlebensfähigkeit gegen Drohnenaufklärung und Konterbatteriefeuer.

Drei Züge mit zwei Geschützen statt zwei Züge mit vier

Das 68e Régiment d’Artillerie d’Afrique (68e RAA) gliedert seine Batterien mit 155-mm-Radhaubitzen CAESAR um. Bislang bestand eine Batterie aus zwei Geschützzügen mit je vier Haubitzen, künftig sind es drei Züge mit je zwei. Das berichtet Defense News unter Berufung auf den Regimentskommandeur, Colonel Rémy Jaillet.

Jede Batterie verfügt damit über weniger Geschütze, zugleich steigt die Zahl der Batterien. Der Gesamtbestand an Haubitzen bleibt vorerst unverändert. Die Struktur wird nach Angaben des Kommandeurs vom 68e RAA erprobt und gilt derzeit nicht als Standard für das gesamte Heer.

Jaillet äußerte sich am Rande eines Innovationstages der 7. Panzerbrigade Anfang September in Besançon. Nach seiner Darstellung erhöht die Aufteilung in Zweiergruppen die Verfügbarkeit des Feuers und damit die Reaktionsgeschwindigkeit. Kleinere, aufgelockert eingesetzte Einheiten seien zudem überlebensfähiger, wenn mit starkem Konterbatteriefeuer zu rechnen ist.

Die Fähigkeit zur Feuerzusammenfassung soll trotz der Auflockerung erhalten bleiben. Dafür stützt sich das Regiment auf das Feuerleitsystem Atlas, mit dem sich mehrere Züge koordinieren lassen.

Das 68e RAA ist nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums im Camp de la Valbonne im Département Ain stationiert und das Unterstützungsregiment der 7. Panzerbrigade mit Sitz in Besançon. Die Reichweite der CAESAR gibt das Ministerium mit bis zu 38 Kilometern an.

Eigener Zug für Stellungen, Täuschung und Munition

Ein neu aufgestellter Artillerieunterstützungszug übernimmt die Erkundung aller Feuerstellungen, den Aufbau von Täuschzielen und die Vorabverteilung von Munition. Bisher verfügte jeder Geschützzug über ein eigenes kleines Erkundungselement. Laut Jaillet werden damit die Aufgaben rund um Überlebensfähigkeit, Bewegung und abgestimmten Einsatz unter einem Zugführer gebündelt.

Die Struktur knüpft nach seinen Angaben an die Erkundungszüge an, die es in der französischen Artillerie früher gab. Neu hinzu kommen Fähigkeiten vor allem im Bereich der Täuschung.

Im Einsatzraum sollen die Haubitzen vor Feueraufträgen getarnt und mit möglichst geringer Abstrahlung abwarten. Jaillet bezeichnet diese Warteräume als Opazitätsblasen. Der Unterstützungszug richtet Munitionsnachschubpunkte und Täuschziele ein und stattet Feuerstellungen mit Schutzkäfigen aus Metall aus, in die die Haubitzen rückwärts einfahren.

Erprobung in Canjuers und bei Orion 2026

Das Regiment hat das Modell Anfang des Jahres auf dem Truppenübungsplatz Canjuers in Südfrankreich erprobt und bei der Großübung Orion 2026 erneut eingesetzt. Dabei wurden laut Jaillet die Struktur sowie einzelne Komponenten wie Schutzkäfige und Täuschziele angepasst.

Orion 2026 war nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums die zweite Auflage einer teilstreitkraftübergreifenden und multinationalen Übungsreihe zur Vorbereitung auf hochintensive Gefechte. Die Übung lief in mehreren Phasen bis Ende April. Angekündigt waren in der Spitze bis zu 12.500 gleichzeitig eingesetzte Soldaten.

Die erste CAESAR-Batterie soll 2027 dauerhaft in die neue Struktur überführt werden. Die übrigen Batterien sollen folgen.

Lehren aus der Ukraine und aus Bergkarabach

NATO-Streitkräfte ziehen Erfahrungen aus der Ukraine. Dort macht die dauerhafte Drohnenbeobachtung Feuerstellungen anfällig für Konterbatteriefeuer.

Das Royal United Services Institute (RUSI) beschreibt in einer Analyse vom Oktober 2025, dass ukrainische Geschütze fast durchgehend aus eingegrabenen, mit Netzen abgeschirmten Stellungen und einzeln statt im Batterieverbund eingesetzt werden. Feueraufträge umfassen demnach selten mehr als zehn Schuss, die Munition lagert getrennt vom Geschütz. Mit diesen Vorkehrungen können Rohrartillerie und Mörser laut RUSI eine hohe Überlebensfähigkeit erreichen.

Jaillet grenzt den französischen Ansatz davon teilweise ab. Die statische Front in der Ukraine habe zu stark defensiven Verfahren mit vorbereiteten Stellungen geführt, die viel Pionierunterstützung und lange Vorarbeiten erfordern. Die CAESAR beziehe ihre Überlebensfähigkeit dagegen im Kern aus Beweglichkeit, weshalb ein dynamischerer Ansatz nötig sei.

Dass französische CAESAR bei einem Wettbewerb in Rumänien im August aus eingegrabenen Stellungen schossen, bezeichnete er als Sonderfall, der nicht zur Regel werden solle. Den eigentlichen Einschnitt für die Artillerie sieht der Kommandeur in der Zielaufklärung, und zwar bereits im Bergkarabach-Krieg 2020. Aserbaidschan habe dort Drohnenaufklärung und Wirkmittel über schnelle Kommunikationswege verbunden und die Zeit zwischen Aufklärung und Bekämpfung verkürzt.

Ausstattung und Vernetzung

Das 68e RAA ist eines von sechs französischen Artillerieregimentern mit der von KNDS gefertigten CAESAR. Das Modell des Heeres für eine einsatzbereite Brigade sieht ein Artillerieregiment mit 16 CAESAR und acht Mörsersystemen MEPAC vor.

Atlas ist nach Angaben Jaillets mit Führungssystemen der Brigadeebene wie SitaWare interoperabel. Für die Verbindung von Sensoren und Wirkmitteln über das gesamte Gefechtsfeld seien jedoch weitere Fähigkeiten nötig.

Auch die Verbindungs-, Beobachtungs- und Koordinierungstrupps des Regiments verändern sich. Aus weitgehend eigenständigen Fahrzeugbesatzungen werden Teams, die ein gepanzertes Fahrzeug mit abgesessenen Kräften, Radar und Drohnen kombinieren.

Mit der Ausstattung zeigt sich der Kommandeur zufrieden. Er nennt neben der CAESAR und dem zulaufenden MEPAC das Gefechtsfeldradar Murin von Thales und die Aufklärungsdrohne DT46 von Delair. Bedarf sieht er bei Reichweite und Reaktionsgeschwindigkeit, da sich das Gefechtsfeld ausdehne.

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