Das Münchner Unternehmen ARX Robotics und der ukrainische Hersteller Roboneers haben in Kiew eine Technologiepartnerschaft für unbemannte Bodensysteme vereinbart. Die Unterzeichnung fand am 4. Oktober 2026 im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Wolodymyr Selenskyj statt.
Nach Angaben von ARX Robotics handelt es sich um eine strategische Partnerschaft im Bereich der unbemannten Landkriegsführung. Die Vereinbarung wurde während des Besuchs des Bundeskanzlers in der ukrainischen Hauptstadt geschlossen. Angaben zum finanziellen Umfang oder zu einem Zeitplan enthält die Mitteilung des Unternehmens nicht.
Technische Integration der Systeme
Kern der Vereinbarung ist die technische Integration der Systeme beider Hersteller. Wie diese Zusammenführung im Einzelnen ausgestaltet wird, lässt die Mitteilung offen.
ARX Robotics entwickelt unbemannte Bodenfahrzeuge der Gereon-Reihe sowie das Betriebssystem Mithra OS, mit dem sich nach Unternehmensangaben auch Bestandsfahrzeuge digitalisieren lassen. Roboneers fertigt unter anderem das unbemannte Bodenfahrzeug Rys Pro und die fernbedienbare Waffenstation Saber RWS.
ARX-Chef Marc Wietfeld verweist darauf, dass softwaredefinierte unbemannte Systeme für Landstreitkräfte an Bedeutung gewinnen, weil auf dem heutigen Gefechtsfeld nahezu jede Bewegung aufgeklärt werden kann. Ziel der Kooperation sei es, den ukrainischen Streitkräften eine große Zahl robuster Bodenfahrzeuge bereitzustellen. Zugleich sollen die Erfahrungen von der Front in die Entwicklung von Landsystemen anderer westlicher Armeen einfließen.
Joint Venture seit Juni 2026
Die Partnerschaft baut auf einer bestehenden Zusammenarbeit auf. Beide Unternehmen beliefern die ukrainischen Streitkräfte bereits gemeinsam mit Bodendrohnen. Im Juni 2026 gaben sie die Gründung des Joint Ventures ARX Industries bekannt, das das Rys Pro in Deutschland und der Ukraine in Serie fertigen soll.
Nach einem Bericht von Tech.eu sind für das erste Betriebsjahr mehrere tausend Fahrzeuge vorgesehen, später soll die Fertigung auf zehntausende Einheiten pro Jahr steigen. Das Gemeinschaftsunternehmen soll neben der Produktion auch Wartung und Einsatzunterstützung übernehmen.
Im August 2026 übergaben ARX Robotics und Roboneers laut Defence Blog 30 unbemannte Bodenfahrzeuge an ein ukrainisches Regiment. Dieses setzt sie für Logistik, Verwundetentransport und Munitionsnachschub ein. Das Rys Pro kann dem Bericht zufolge bis zu 300 Kilogramm Nutzlast tragen und hat eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern, die sich mit Zusatzbatterien verdoppeln lässt.
Roboneers gibt an, dass seine Systeme seit 2014 in mehr als 15.000 Fronteinsätzen verwendet wurden. ARX Robotics wurde 2022 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 300 Mitarbeitende in München, Berlin, London und Kiew. Für den Ausbau der eigenen Fertigung verweist das Unternehmen auf Industriepartner wie den Motorenhersteller Deutz.
Bedarf und politischer Rahmen
Die ukrainische Regierung beziffert den Bedarf an unbemannten Bodensystemen für 2026 laut ARX Robotics auf 50.000 Einheiten. Defence Blog berichtet ergänzend, der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow habe im April 2026 die Beschaffung von 25.000 Bodenrobotern im laufenden Jahr angekündigt. Die Systeme sollen vor allem Soldaten in der Frontlogistik entlasten.
ARX Robotics gibt an, mit dem Modell Gereon die größte Flotte eines westlichen Herstellers in der Ukraine zu stellen. Stückzahlen nennt die Mitteilung nicht. Laut Defence Blog erhielt das Unternehmen im Mai 2026 einen Auftrag über mehrere hundert weitere Fahrzeuge.
Die Unterzeichnung fiel in ein breiteres Besuchsprogramm. Merz reiste nach Angaben der Fachzeitschrift Europäische Sicherheit & Technik gemeinsam mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nach Kiew und traf dort Unternehmensvertreter. Er kündigte ein Hilfspaket im Umfang von 1,4 Milliarden Euro an. Dazu zählt die Finanzierung mehrerer zehntausend Abfangdrohnen des Herstellers Quantum Systems, die in der Ukraine gefertigt werden sollen.
