Der deutsche Marineschiffbauer TKMS und das kanadische Schulungs- und Simulationsunternehmen CAE haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Partnerschaft zielt auf das kanadische U-Boot-Beschaffungsprogramm ab und umfasst Trainings-, Simulations- und Instandhaltungslösungen.
Die Vereinbarung wurde am 4. März 2026 in Kiel unterzeichnet. Sie bildet den Rahmen für die gemeinsame Entwicklung von Ausbildungssystemen im Rahmen des Canadian Patrol Submarine Project (CPSP). TKMS gehört neben dem südkoreanischen Unternehmen Hanwha Ocean zu den beiden verbleibenden Anbietern, die im August 2025 von der kanadischen Regierung in die engere Auswahl für das Milliardenprojekt genommen wurden.
Fokus auf Ausbildungsinfrastruktur
Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf mehrere Bereiche: Ausbildungsmaßnahmen für U-Boot-Besatzungen, fortschrittliche Simulationssysteme, digitale und physische Ausbildungsinfrastruktur, Facility Management sowie langfristige Instandhaltungsunterstützung. Ziel ist die Entwicklung eines Ausbildungsökosystems, das die Einsatzbereitschaft der künftigen kanadischen U-Boot-Flotte sicherstellen soll.
Nach Angaben von TKMS-Chef Oliver Burkhard sei Ausbildung eine zentrale Säule der operativen Effektivität moderner Seestreitkräfte. Die Vereinbarung mit CAE stärke die Fähigkeit, eine integrierte und nachhaltige Ausbildungslösung anzubieten. CAE-Chef Matt Bromberg betonte, dass U-Boot-Einsätze Präzision, Teamarbeit und absolute Einsatzbereitschaft erforderten. Das Unternehmen bringe jahrzehntelange Erfahrung in der Ausbildung von Marine-Teams durch fortschrittliche Simulationen ein.

Hintergrund zum kanadischen U-Boot-Programm
Das Canadian Patrol Submarine Project wurde 2021 ins Leben gerufen, um die alternde Victoria-Klasse der Royal Canadian Navy zu ersetzen. Kanada plant die Beschaffung von bis zu zwölf neuen U-Booten, die gleichzeitige Patrouillen im Atlantik, Pazifik und in der Arktis ermöglichen sollen. Nach Angaben kanadischer Quellen wird das Programm auf rund 60 Milliarden kanadische Dollar veranschlagt.
Die kanadische Regierung strebt eine Vertragsunterzeichnung bis 2028 an, die Auslieferung des ersten U-Boots soll bis spätestens 2035 erfolgen. Zu den Kernfähigkeiten, die Kanada fordert, zählen Stealth-Eigenschaften, Feuerkraft, Ausdauer und Arktis-Einsatzfähigkeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf industrieller Beteiligung, souveräner Instandhaltung und langfristiger Arbeitskräfteentwicklung in Kanada.
TKMS bewirbt sich mit dem U-Boot-Typ 212CD, einem weiterentwickelten Modell der 212-Klasse, das bereits für Deutschland und Norwegen gebaut wird. Das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten mehrere Kooperationsvereinbarungen mit kanadischen Industriepartnern geschlossen, darunter mit der Werft Seaspan Shipyards, um seine Chancen auf den Zuschlag zu erhöhen.
Ausweitung auf weitere Exportmärkte
Die Kooperationsvereinbarung zwischen TKMS und CAE beschränkt sich nicht auf das kanadische Programm. Sie bildet auch eine Grundlage für mögliche weitere Zusammenarbeit bei internationalen Marine-Programmen, die Ausbildungs- und Simulationskomponenten beinhalten. Dabei sollen die globale Kundenbasis von TKMS und die weltweite Präsenz von CAE im Ausbildungsbereich genutzt werden.
TKMS gilt als einer der weltweit führenden Anbieter konventioneller U-Boote und beschäftigt über 9.100 Mitarbeitende an Standorten in Deutschland und Brasilien. Das Unternehmen ist Teil des Thyssenkrupp-Konzerns und wurde 2025 an die Börse gebracht. Der Auftragsbestand von TKMS erreichte im Mai 2025 mit rund 18 Milliarden Euro ein Rekordniveau.
CAE ist ein kanadisches Unternehmen mit rund 13.000 Beschäftigten an etwa 240 Standorten in über 40 Ländern. Das Unternehmen entwickelt seit knapp 80 Jahren Simulatoren und Trainingslösungen für die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie. Im Marinesegment bietet CAE Simulationssysteme für U-Boot-Besatzungen und Oberflächenschiffe an.
Die endgültige Entscheidung über den Zuschlag für das kanadische U-Boot-Programm wird in den kommenden Jahren erwartet. Neben technischen Kriterien spielen wirtschaftliche Zusagen und die Einbindung der kanadischen Industrie eine zentrale Rolle bei der Auftragsvergabe.
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