Die US Navy hat Raytheon mit der Fertigung von Lenkflugkörpern des Typs Standard Missile-6 beauftragt. Der Vertrag läuft über fünf Jahre, enthält zwei Optionsjahre und soll die Produktion deutlich ausweiten.
Raytheon, eine Geschäftseinheit des US-Konzerns RTX, hat einen Fünfjahresvertrag mit zwei zusätzlichen Optionsjahren im Wert von bis zu 24,4 Milliarden US-Dollar für die Standard Missile-6 (SM-6) erhalten. Das Unternehmen gab den Auftrag am 1. Oktober 2026 bekannt. Nach Angaben der US Navy verkündete der amtierende Marineminister Hung Cao die Vergabe am selben Tag. Wie viele Flugkörper der Vertrag umfasst, teilten weder das Pentagon noch das Unternehmen mit.
Planbarkeit für Industrie und Marine
Laut Raytheon soll der langfristige Auftrag eine gleichmäßige und verlässliche Versorgung der US Navy mit SM-6 sicherstellen. Die Navy erklärt, die mehrjährige Beschaffungszusage gebe der Industrie die Stabilität und Planbarkeit, die für den Ausbau der Fertigungskapazitäten nötig sei, und ermögliche zugleich Kosteneinsparungen durch eine langfristig ausgehandelte Vereinbarung. Die Vergabe sei Teil eines breiteren Vorhabens, Produktion und Auslieferung wichtiger Waffensysteme zu beschleunigen.
Raytheon-Präsident Phil Jasper betont, die Mehrrollenfähigkeit der SM-6 sei für den Kunden von zentraler Bedeutung. Das Unternehmen investiere fortlaufend in Betrieb und Standorte, um Engpässe zu beseitigen und die Kapazität zu erhöhen. Nach eigenen Angaben hat Raytheon dafür die Zahl der Fachkräfte erhöht, die Zusammenarbeit mit Zulieferern ausgebaut und die Fertigung stärker automatisiert.
Grundlage: Rahmenvereinbarungen vom Februar
Der Auftrag knüpft an fünf Rahmenvereinbarungen an, die Raytheon im Februar 2026 mit dem US-Kriegsministerium (Department of War) geschlossen hatte. Sie betreffen die Tomahawk in den Varianten Land Attack und Maritime Strike, die AMRAAM, die Abfangflugkörper SM-3 Block IB und SM-3 Block IIA sowie die SM-6 und haben Laufzeiten von bis zu sieben Jahren. Vorgesehen ist, die Jahresproduktion der Tomahawk auf mehr als 1.000, der AMRAAM auf mindestens 1.900 und der SM-6 auf mehr als 500 Stück zu steigern. Die Vereinbarungen enthalten ein gemeinsames Finanzierungsmodell, das den Cashflow des Unternehmens in der Anlaufphase schonen soll.
Teil einer Reihe von Großaufträgen
Der SM-6-Vertrag ist der dritte große Mehrjahresauftrag an Raytheon innerhalb weniger Wochen. Mitte August vergab die Navy einen Auftrag über 22,9 Milliarden US-Dollar, um die Tomahawk-Produktion auf 1.000 Stück pro Jahr zu erhöhen. Ende September folgte eine Vereinbarung über bis zu knapp 20,7 Milliarden US-Dollar für die AMRAAM. Reuters ordnet die Vergabe in eine Serie großer Munitionsverträge ein, zu der auch ein im Juli an Lockheed Martin vergebener Auftrag über 58,6 Milliarden US-Dollar für Patriot-Abfangflugkörper gehört. Hintergrund ist dem Bericht zufolge das Bestreben des Pentagons, die durch Konflikte im Nahen Osten reduzierten Munitionsbestände wieder aufzufüllen.
Die SM-6 im Überblick
Die SM-6 deckt nach Herstellerangaben drei Aufgaben ab: Flugabwehr, Seezielbekämpfung und die Abwehr ballistischer Raketen. Sie wurde von verschiedenen schiffsgestützten Plattformen der US Navy sowie von landgestützten Startgeräten verschossen. Raytheon verweist darauf, dass der Flugkörper bereits im Einsatz verwendet wurde.
