Die US-Armee hat den Bedarf an ihrem ungepanzerten Infantry Squad Vehicle seit Programmstart 2019 um etwa das Achtzehnfache auf mehr als 11.000 Fahrzeuge angehoben. Als Begründung nennt das zuständige Projektmanagement Rückmeldungen aus der Truppe und die Erprobung im Modernisierungsprogramm „Transformation in Contact“.
Nischenbedarf zum Großprogramm
Das Infantry Squad Vehicle (ISV) ist ein leichtes, ungepanzertes Geländefahrzeug, das eine neunköpfige Infanteriegruppe samt Ausrüstung transportieren soll. Es ergänzt schwerere Plattformen wie den Joint Light Tactical Vehicle (JLTV) und den HMMWV, die nach Einschätzung der Armee für bestimmte Einsatzprofile zu schwer und im Gelände sowie beim Lufttransport zu unflexibel sind.
Zum Programmstart 2019 lag das Beschaffungsziel bei 649 Fahrzeugen. Im Februar 2021 stieg es auf 900, anschließend in zwei weiteren Schritten auf 2.593. Im April 2025 genehmigte die Armee zusätzlich eine Utility-Variante (ISV-U) und hob den Gesamtumfang auf 5.733 Fahrzeuge beider Versionen an. Im Februar 2026 wurde das aktuelle Beschaffungsziel schließlich auf 11.582 Fahrzeuge festgelegt.
Susan Fung, stellvertretende Projektleiterin für die Mobile Brigade Combat Teams im Beschaffungsbereich Maneuver Ground, führt den Anstieg nicht auf eine schleichende Ausweitung der Anforderungen zurück, sondern auf eine in Übungszentren bestätigte Nachfrage der Truppe. Sie verweist darauf, dass das Programm bewusst auf kommerzielle Produkte und iterative Nutzerrückmeldungen setze, statt ein möglichst risikofreies Beschaffungsverfahren anzustreben.

Kommerzielle Basis verkürzt die Entwicklungszeit
Das ISV basiert auf der Architektur des Chevrolet Colorado ZR2 von GM Defense und verwendet nach Herstellerangaben rund 90 Prozent handelsübliche Komponenten. Angetrieben wird es von einem 2,8-Liter-Turbodiesel mit Sechsgang-Automatik. Zentrale Auslegungsvorgabe war die Lufttransportfähigkeit: Das Fahrzeug bleibt unter rund 2.270 Kilogramm (5.000 Pfund) Leergewicht und kann damit als Außenlast unter einem UH-60 Black Hawk transportiert werden; die Bauhöhe erlaubt zudem die Verladung in einen CH-47 Chinook.
John Hufstedler, Produktdirektor für Ground Mobility Vehicles, beschreibt die konsequente Begrenzung des Anforderungskatalogs als wesentlichen Faktor. Vorschläge, das Fahrzeug mit zusätzlicher verschlüsselter Funk- und Führungsausstattung zu versehen, seien von der Führungsebene abgelehnt worden, um zu vermeiden, dass ein Soldat zur Bewachung des Fahrzeugs zurückbleiben müsse und die Gruppe nicht vollzählig in den Einsatz gehen könne.
Nach Darstellung Hufstedlers benötigt das klassische Beschaffungsverfahren mit militärspezifischen Vorgaben, umfangreichen staatlichen Tests und sequenziellen Meilensteinen vier bis zehn Jahre und führe häufig zu Kostenüberschreitungen und technologischer Veralterung. Beim ISV sei die erste Einheit dagegen binnen 24 Monaten ausgestattet worden.
Einordnung: Transformation in Contact
Das ISV ist eng mit dem 2024 gestarteten Programm „Transformation in Contact“ verknüpft, mit dem die US-Armee neue Technologien direkt in Verbänden erproben lässt, statt Anforderungen vorab vollständig zu definieren. In der ersten Phase wurden drei leichte Infanteriebrigaden umgerüstet, darunter die 2nd Brigade Combat Team der 101st Airborne Division, die über 200 ISV erhielt und zur Mobile Brigade Combat Team umgegliedert wurde. Die zweite Phase weitet den Ansatz auf Divisionsstäbe, Stryker- und Panzerbrigaden sowie Verbände der National Guard aus; die Armee veranschlagt dafür rund eine Milliarde US-Dollar bis zum Ende des Haushaltsjahres 2027.
Die im April 2025 genehmigte Utility-Variante ISV-U bietet Platz für vier bis fünf Insassen und verfügt über eine Ladefläche, die sich für Logistik, Führungsunterstützung, elektronische Kampfführung, Drohnenabwehr oder Aufklärung konfigurieren lässt. Nach Angaben des Herstellers soll sie mittelfristig den größeren Anteil der Flotte stellen. Die Haushaltsunterlagen der Armee für das Fiskaljahr 2026 weisen für das ISV-U Stückkosten von rund 194.000 US-Dollar aus, ohne Einführungs- und Unterstützungsleistungen.
Weitere Variante in Entwicklung
Derzeit arbeitet das Programmbüro an einer schwereren ISV-Version mit erweiterter Bordstromerzeugung und Energiespeicherung. Sie soll Führungs- und Kommunikationsausstattung der nächsten Generation aufnehmen können. Parallel läuft bei DEVCOM eine Erprobung cadmium- und chromatfreier Elektrosteckverbinder, deren Abschlussphase am ISV-U durchgeführt wird.
