TKMS und Fincantieri vertiefen Zusammenarbeit im Unterwasserbereich

Der deutsche Marineschiffbauer TKMS und der italienische Werftkonzern Fincantieri haben eine Absichtserklärung zur engeren Kooperation bei U-Booten und Unterwassersystemen unterzeichnet. Bis Jahresende soll daraus ein verbindlicher Kooperationsrahmen entstehen.
MUM | Foto: TKMS

Der deutsche Marineschiffbauer TKMS und der italienische Werftkonzern Fincantieri haben eine Absichtserklärung zur engeren Kooperation bei U-Booten und Unterwassersystemen unterzeichnet. Bis Jahresende soll daraus ein verbindlicher Kooperationsrahmen entstehen.

Absichtserklärung im Triest und Kiel unterzeichnet

Wie beide Unternehmen am 1. September 2026 mitteilten, haben die TKMS AG & Co. KGaA und die Fincantieri S.p.A. ein Memorandum of Understanding (MoU) geschlossen. Ziel ist es, die seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit auszubauen und die industrielle Kooperation im europäischen U-Boot- und Unterwasserbereich zu stärken. Einen förmlichen Kooperationsrahmen wollen die Partner bis zum Ende des laufenden Jahres schaffen, vorbehaltlich des Abschlusses aller erforderlichen behördlichen Verfahren.

Inhaltlich zielt die Vereinbarung nach Unternehmensangaben auf drei Felder: verstärkte technologische Zusammenarbeit, gemeinsame kommerzielle Vorhaben und den Aufbau eines industriellen Ökosystems im Unterwasserbereich. Beide Seiten wollen internationale Beschaffungsvorhaben identifizieren, die sich gemeinsam wirksamer bearbeiten lassen als getrennt. Erwartet werden zudem Kostensynergien auf beiden Seiten.

TKMS-Vorstandsvorsitzender Oliver Burkhard bezeichnet die Partnerschaft als Beispiel dafür, was europäische Industriekooperation bei komplementären technologischen Fähigkeiten leisten könne, und verweist auf einen Beitrag zur strategischen Autonomie Europas. Fincantieri-Chef Pierroberto Folgiero argumentiert, die Überwindung der Zersplitterung sei ein pragmatischer Weg zu einer wettbewerbsfähigeren und stärker integrierten Industriebasis, zu einem Zeitpunkt, an dem Europa seine Verteidigungsfähigkeiten ausbaue.

Keine Fusion, keine Beteiligung

Beide Unternehmen stellen ausdrücklich klar, dass die geplante Partnerschaft weder eine Fusion noch eine Übernahme oder den Erwerb von Anteilen vorsieht. TKMS und Fincantieri bleiben eigenständige Unternehmen, bestehende Verträge, Programme und Projekte bleiben unberührt. Die Zusammenarbeit soll im Rahmen des geltenden Wettbewerbsrechts und der Exportkontrollvorschriften umgesetzt werden; konkrete gemeinsame Aktivitäten bedürfen der Zustimmung der jeweiligen Kunden.

Gemeinsame Programmhistorie

Die Grundlage der Kooperation bilden die U-Boot-Klassen 212A und 212 NFS. Italien beschaffte die 212A gemeinsam mit Deutschland; Fincantieri fertigte die italienischen Boote im Werk Muggiano. Das Nachfolgeprogramm U212 NFS (Near Future Submarine) wird von der europäischen Rüstungsagentur OCCAR gesteuert, Fincantieri ist Hauptauftragnehmer. Der Kiellegung des ersten Bootes erfolgte im Februar 2026 in Muggiano; das Programm umfasst vier Einheiten mit einer Überwasserverdrängung von rund 1.600 Tonnen und einer Besatzung von 29 Personen. Nach einer im Juli 2026 unterzeichneten Vertragsänderung mit OCCAR im Wert von 317 Millionen Euro soll das vierte Boot statt 2034 bereits 2032 abgeliefert werden, sodass die italienische Marine ab 2029 jährlich eine Einheit erhält. Gegenüber der 212A weist die NFS-Variante unter anderem Lithium-Ionen-Batterien und ein neues Führungssystem auf.

Konsolidierungsdruck im europäischen Marineschiffbau

Im U-Boot-Segment konkurrieren mit TKMS, Fincantieri, Naval Group und Saab mehrere europäische Anbieter um dieselben Exportmärkte, während die Nachfrage nach Unterwasserfähigkeiten durch den Schutz kritischer maritimer Infrastruktur und die Lageentwicklung in Ostsee und Mittelmeer zunimmt.

TKMS agiert seit der Abspaltung von thyssenkrupp und dem Börsengang im Oktober 2025 als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen. Zum Ende des Geschäftsjahres 2024/2025 lag der Auftragsbestand bei rund 18,2 Milliarden Euro, der Auftragseingang bei etwa 8,8 Milliarden Euro und damit auf dem Sechsfachen des Vorjahreswertes. Im Halbjahresbericht 2025/26 stieg der Auftragsbestand auf 20,6 Milliarden Euro. Getragen wird das Volumen vor allem vom deutsch-norwegischen Programm der Klasse 212CD. Anfang Juli 2026 wählte die kanadische Regierung TKMS zudem als bevorzugten Bieter für das Canadian Patrol Submarine Project aus, das die Lieferung von bis zu zwölf Booten dieser Klasse vorsieht.

Ob aus der Absichtserklärung eine belastbare Struktur wird, hängt vom Zuschnitt des angekündigten Kooperationsrahmens und von den Genehmigungsverfahren ab. Beide Regierungen halten Einfluss auf die beteiligten Unternehmen: Italien ist über die Cassa Depositi e Prestiti Mehrheitseigner von Fincantieri, thyssenkrupp hält weiterhin die Mehrheit an TKMS.

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