Ausbildung am neuem Standardsturmgewehr G95 läuft in der Truppe an

Seit Dezember 2025 erhält die Bundeswehr das Sturmgewehr G95 als Nachfolger des G36. Rund 12.000 Waffen sind ausgeliefert, parallel beginnt die Umschulung der Verbände.
G95 | Foto: Bundeswehr/Deutsches Heer

Seit Dezember 2025 erhält die Bundeswehr das Sturmgewehr G95 als Nachfolger des G36. Rund 12.000 Waffen sind ausgeliefert, parallel beginnt die Umschulung der Verbände.

Mit der Einführung eines neuen Standardsturmgewehrs steht die Bundeswehr vor einer Ausbildungsaufgabe, die alle Uniformträgerinnen und Uniformträger betrifft. Das Sturmgewehr ist die erste Waffe, an der jeder Soldat und jede Soldatin ausgebildet wird. Verantwortlich für die Umschulung vom G36 auf das G95 sind vor allem die Schießausbilderinnen und Schießausbilder der Verbände.

Die 1. Kompanie des Panzerpionierbataillons 701 aus Gera hat das neue Gewehr im August auf dem Truppenübungsplatz Klietz erstmals geschossen. Der Verband selbst soll voraussichtlich erst Ende 2026 ausgestattet werden. Für ein erstes Kennenlernen liehen sich die Panzerpioniere die Waffen deshalb von einem bereits ausgerüsteten Verband.

Erfahrungen aus dem ersten Schießen

Ein Schießausbilder des Bataillons, zuvor über längere Zeit Infanterist, bewertet die Handhabung positiv. Die Waffe lasse sich gut kontrollieren, benötige wegen ihres hohen Metallanteils aber mehr Öl als das überwiegend aus Kunststoff gefertigte G36.

Für die Kontrollierbarkeit des Rückstoßes im Kaliber 5,56 mal 45 Millimeter nennt er zwei konstruktive Gründe. Zum einen erlaubt der serienmäßige Handstopp an der Unterseite des Handschutzes, das Gewehr fest in die Schulter zu ziehen. Zum anderen sitzt die Schließfeder in der Schulterstütze und nicht wie beim G36 davor, sodass die Rückstoßkraft näher am Körper wirkt.

Nach Darstellung des Ausbilders schlug sich das bereits beim ersten Schießen in besseren Trefferbildern nieder, sowohl bei den Ausbildern als auch bei den übrigen Schützen. Als weiteren Faktor führt er die Anpassbarkeit der Waffe an. Die Schulterstütze ist längenverstellbar, der Handstopp lässt sich frei auf dem STANAG-4694-Schienensystem positionieren, und auch der Abstand der Visierung zum Auge kann individuell gewählt werden. Anders als beim G36 ist die Visiereinrichtung nicht fest verbaut.

Unterschiede in der Handhabung

Die wesentlichen Abweichungen zum G36 betreffen den Durchladehebel, der nun am oberen Ende des Gehäuses sitzt statt mittig, sowie den Magazinwechsel, der mit weniger Handgriffen auskommt. In Verbindung mit schlankeren Magazinen ermöglicht das nach Angaben des Ausbilders ein schnelleres Nachladen. Das vom G36 gewohnte Handhabungsniveau werde nach einigen Tagen auf dem Schießplatz wieder erreicht.

Einordnung: Beschaffung und Zeitplan

Das G95 basiert auf dem HK416 von Heckler & Koch. Beim Kommando Spezialkräfte ist die Waffenfamilie bereits seit Jahren eingeführt. Das Vergabeverfahren für das „System Sturmgewehr“, das neben der Basiswaffe auch Optik und Laser-Licht-Modul umfasst, begann 2017 und wurde 2023 rechtskräftig abgeschlossen. Den Rahmenvertrag über zunächst 118.718 Waffen schloss das Beschaffungsamt BAAINBw im Januar 2023. Das Laser-Licht-Modul stammt von Rheinmetall.

Im Dezember 2025 billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages eine Vertragsänderung, die die Abrufmenge auf 250.000 Systeme mehr als verdoppelte und die Laufzeit bis 2032 verlängerte. Das Volumen stieg damit auf über 800 Millionen Euro. Begründet wurde die Erhöhung mit dem geplanten personellen Aufwuchs der Streitkräfte. Im Juli 2026 teilte Heckler & Koch mit, dass der Rahmenvertrag vollständig abgerufen worden sei.

Bis Ende 2026 sollen voraussichtlich 20.000 Gewehre in der Version G95KA1 ausgeliefert werden. Diese Kurzvariante mit 355 Millimeter Rohrlänge geht an die meisten Teilstreitkräfte, während die Standardversion G95A1 über ein 419 Millimeter langes Rohr verfügt. Bis 2032 sollen weitere 230.000 Waffen folgen, sodass die Truppe dann über 250.000 Sturmgewehre beider Varianten verfügt.

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