Das Berliner Rüstungsunternehmen STARK und die Werft Flensburger Shipyard (FSG) haben eine Absichtserklärung über die gemeinsame Produktion unbemannter Überwassersysteme unterzeichnet. Die Vanta-Familie soll künftig am Standort Flensburg in größeren Stückzahlen gefertigt werden.
Beide Unternehmen gaben die Vereinbarung am 2. September 2026 bekannt. Ziel ist es, die von STARK entwickelten Unmanned Surface Vessels (USV) industriell zu skalieren und Vorlaufzeiten in der Produktion zu verkürzen. Die Kooperation soll STARKs Kompetenz bei KI-gestützten autonomen Systemen mit den Konstruktions- und Fertigungskapazitäten der Flensburger Werft verbinden. Nach Darstellung der beteiligten Unternehmen wäre dies der erstmalige Aufbau einer industriellen Serienfertigung für USV in Deutschland.
Von der Einzelübergabe zur Serienproduktion
Die Ankündigung folgt wenige Wochen auf die erste Auslieferung eines solchen Systems an die Bundeswehr. STARK übergab im August 2026 das erste autonome unbemannte Überwasserfahrzeug an das Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR). Das sechs Meter lange Boot trägt den Namen „Seetaube“, basiert auf der Vanta-Plattform und wird zunächst für die maritime Aufklärung erprobt. Das Vorhaben wird als Innovationsprojekt des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr gemeinsam mit dem Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr geführt. Das System ist mit Sensoren, Kameras und Radar ausgerüstet, kann vorgeplante Missionen weitgehend selbstständig abfahren und wird dabei von einem Bediener überwacht, der jederzeit eingreifen kann.Die Vanta-Plattform ist nach Herstellerangaben auf Aufklärung und Wirkung im küstennahen Einsatz sowie auf den Schutz von Häfen und maritimer Infrastruktur ausgelegt. Sie erreicht rund 45 Knoten Höchstgeschwindigkeit und je nach Konfiguration eine Reichweite von mehreren hundert Seemeilen. Bei der „Seetaube“ verzichtet die Bundeswehr auf Wirkmittel, die Plattform sieht diese jedoch als Option vor.
Nach Angaben der Unternehmen sollen unbemannte Systeme künftig wiederkehrende Aufklärungsaufgaben übernehmen und damit bemannte Einheiten wie Fregatten entlasten. Max Berger, bei STARK für den maritimen Bereich zuständig, verweist auf die industrielle Basis, die durch die Partnerschaft entstehen solle.
Hintergrund: hybride Bedrohungen in Nord- und Ostsee
Als Begründung nennen beide Seiten die Zunahme hybrider Bedrohungen, darunter Spionage, Sabotage an kritischer Infrastruktur und Störungen von Satellitennavigationssignalen. Die NATO hatte im Januar 2025 beim Gipfeltreffen der Ostsee-Anrainer in Helsinki die Mission Baltic Sentry zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur angekündigt. Es handelt sich in erster Linie um eine Aufklärungs- und Überwachungsmission, die ein nationenübergreifendes Lagebild über den Ostseeraum erstellen soll. Ausgelöst wurde sie durch Schäden an Unterseekabeln zwischen Estland und Finnland am 25. Dezember 2024. Die Deutsche Marine beteiligt sich an der Mission.
Werft in Neuausrichtung
Die FSG blickt auf eine wechselvolle jüngere Vergangenheit zurück. Die Werft befand sich zuletzt in der Insolvenz und wurde Anfang 2025 von der Heinrich Rönner Gruppe übernommen, einem Stahlbauunternehmen aus Bremerhaven mit rund 1.700 Beschäftigten. Im Februar 2025 folgte die Gründung der FSG Shipyard GmbH und der FSG S+O Design GmbH, im September 2025 der neue Markenauftritt als Flensburger Shipyard. Seit ihrer Gründung 1872 hat die Werft nach eigenen Angaben mehr als 750 Schiffe entworfen und gebaut, darunter Schwergutfrachter, Seismikschiffe und RoRo-Fähren sowie Einheiten zur strategischen Unterstützung verbündeter Marinen.
Geschäftsführer Frank Mallon ordnet die Vereinbarung als Portfolioerweiterung ein und verweist auf den Aufbau technologischer Kompetenz bei unbemannten Seesystemen am Standort. Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Technologieminister Claus Ruhe Madsen erwartet von der Kooperation Synergien für die Marine sowie Effekte für Fachkompetenz und Beschäftigung im Land.
Offene Punkte
Die Absichtserklärung ist rechtlich unverbindlich und legt weder Stückzahlen noch einen Zeitplan fest. Konkrete Schritte zur gemeinsamen Fertigung und industriellen Skalierung der Vanta-Familie wollen beide Unternehmen in den kommenden Monaten festlegen. Auch Aufträge der Bundeswehr über die bereits übergebene „Seetaube“ hinaus sind bislang nicht öffentlich bekannt.
