Raytheon hat einen Mehrjahresvertrag über bis zu 6,3 Milliarden US-Dollar für die Fertigung und Instandhaltung von Abfangflugkörpern des Typs SM-3 Block IB erhalten. Der Auftrag soll die im Einsatz verbrauchten Bestände der US-Raketenabwehr wieder auffüllen.
Vertragsumfang und Laufzeit
Raytheon, ein Geschäftsbereich des US-Konzerns RTX, hat einen Vertrag über bis zu 6,3 Milliarden US-Dollar für die Produktion und Instandhaltung von Abfangflugkörpern des Typs Standard Missile-3 Block IB (SM-3 IB) erhalten. Das Unternehmen gab den Auftrag am 8. Oktober 2026 in Arlington (Virginia) bekannt. Die Grundlaufzeit beträgt fünf Jahre, hinzu kommen zwei Optionsjahre. Gefertigt wird überwiegend an den Raytheon-Standorten Tucson (Arizona) und Huntsville (Alabama).
Nach der Vertragsmitteilung vom 7. Oktober ist die Missile Defense Agency (MDA) Auftraggeber. Der Auftrag wurde ohne Wettbewerb vergeben, sein Höchstwert liegt bei 6,34 Milliarden US-Dollar. Raytheon fertigt und montiert vollständige Flugkörper (All-Up Rounds), die Arbeiten sollen voraussichtlich bis zum 31. Oktober 2034 abgeschlossen sein. Stückzahlen nennen weder die Pressemitteilung noch die Vertragsmitteilung.
Teil der Rahmenvereinbarungen vom Februar
Der Vertrag gehört zu einer Reihe von Vereinbarungen zwischen Raytheon und dem Department of War, wie sich das US-Verteidigungsministerium inzwischen bezeichnet. Im Februar 2026 hatten beide Seiten fünf Rahmenvereinbarungen mit Laufzeiten von bis zu sieben Jahren geschlossen. Sie betreffen neben der SM-3 IB auch SM-3 Block IIA, SM-6, Tomahawk und AMRAAM. Die Produktionsraten vieler dieser Waffen sollen sich dadurch verdoppeln bis vervierfachen. Anfang Oktober hatte Raytheon bereits einen Mehrjahresvertrag über bis zu 24,4 Milliarden US-Dollar für SM-6 bekanntgegeben.
Raytheon-Präsident Phil Jasper erklärt, das Unternehmen wolle die Produktion kritischer Munition steigern. Der Vertrag solle helfen, die Bestände wieder aufzufüllen und mit der Entwicklung der Bedrohungen für die U.S. Navy, die MDA und deren Partner Schritt zu halten.
Die Bestellung weicht von früheren Planungen ab. Die Haushaltsbegründung der MDA für das Fiskaljahr 2026 sah vor, nach 2025 keine neuen Block-IB-Flugkörper mehr zu beschaffen und stattdessen auf Block IIA zu setzen. Bereits im März 2026 erweiterte die MDA einen bestehenden Block-IB-Vertrag um 23 auf insgesamt 78 Flugkörper.
Einsatzprofil der SM-3 IB
Die SM-3 IB kann von Schiffen und von Landstellungen aus eingesetzt werden. Sie bekämpft ballistische Flugkörper kurzer bis mittlerer Reichweite in der mittleren Flugphase und bildet zusammen mit der SM-3 IIA und weiteren Varianten der Standard-Missile-Familie einen Kern der erweiterten integrierten Luft- und Raketenabwehr der U.S. Navy. Der Flugkörper zerstört sein Ziel durch direkten Treffer und kinetische Energie statt durch Sprengwirkung. Zur Zielverfolgung dient ein Zweifarben-Infrarotsuchkopf.
Ihren ersten Kampfeinsatz hatte die SM-3 IB 2024: Die Zerstörer USS Arleigh Burke und USS Carney setzten sie gegen iranische Raketen ein, die auf Ziele in Israel gerichtet waren.
Hoher Verbrauch an Abfangflugkörpern
Der Auftrag fällt in eine Phase, in der die USA ihre Munitionsbestände wieder aufbauen wollen. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) zählte die SM-3 IB in einem Bericht vom April zu sieben kritischen Munitionsarten, bei denen Engpässe bestehen, ebenso wie Patriot, THAAD, Precision Strike Missile und Tomahawk. Bereits im März hatten Sicherheitsfachleute darauf hingewiesen, dass der verstärkte Einsatz von Abfangflugkörpern im Krieg mit Iran bei einem längeren Konflikt Risiken für die Verteidigungsfähigkeit birgt.
Bezug zur NATO-Raketenabwehr in Europa
SM-3-Abfangflugkörper sind auch Teil der Raketenabwehr in Europa. Die Aegis-Ashore-Anlagen im rumänischen Deveselu und im polnischen Redzikowo gehören zum European Phased Adaptive Approach (EPAA), dem US-Beitrag zur integrierten Luft- und Raketenabwehr der NATO. Zum System zählen außerdem ein Frühwarnradar im türkischen Kürecik, eine Kommandozentrale in Ramstein sowie Aegis-Zerstörer der U.S. Navy im spanischen Rota. Ob Flugkörper aus dem neuen Vertrag für die europäischen Standorte vorgesehen sind, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.
