Die Deutsche Marine erhält für ihr Seebataillon neue Mehrzweckkampfboote aus Finnland. Das BAAINBw hat dazu einen Vertrag mit dem Hersteller Marine Alutech geschlossen, die ersten Boote sollen ab 2029 ausgeliefert werden.
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat mit dem finnischen Bootsbauer Marine Alutech Oy Ab einen Vertrag über neue Mehrzweckkampfboote für das Seebataillon der Deutschen Marine geschlossen. Der Auftrag umfasst demnach neben den Booten auch Ausbildung, Dokumentation und Zubehör. Angaben zu Stückzahl, Bootstyp und Auftragswert enthält die Mitteilung nicht.
Nach Informationen, über die hartpunkt Anfang September berichtet hatte, handelt es sich um bis zu 15 Boote des Typs Watercat M18 AMC. Geplant ist demnach, zunächst zehn Boote fest zu bestellen und fünf weitere zeitnah abzurufen. Im Wettbewerb setzte sich das finnische Modell gegen das Combat Boat 90 (CB90) des schwedischen Rüstungskonzerns Saab durch.
Einsatzspektrum und Ausstattung
Die Boote sind laut Bundeswehr für unterschiedliche militärische Aufgaben ausgelegt, die von Schutz- und Begleitaufträgen bis zu Gefechtseinsätzen reichen. Das Verteidigungsministerium hatte bereits früher amphibische Operationen, militärische Evakuierungen, Eskort- und Patrouillenfahrten sowie den Schutz von Häfen als Einsatzzwecke genannt.
Nach Angaben der Bundeswehr können die Boote mindestens 16 Soldatinnen und Soldaten mit persönlicher Ausrüstung transportieren. Eine Bugrampe soll es ermöglichen, an flachen Küstenabschnitten zügig anzulanden und Personal sowie Material direkt an Land zu bringen oder wieder aufzunehmen.
Im Dienst der finnischen Marine
Die finnischen Streitkräfte nutzen die Watercat M18 AMC als Jehu-Klasse und haben zwölf Boote im Bestand. Das rund 20 Meter lange Boot verdrängt etwa 32 Tonnen. Zwei Scania-Dieselmotoren mit je 660 kW Leistung ermöglichen Geschwindigkeiten von bis zu 45 Knoten, die Reichweite wird mit rund 200 Seemeilen (etwa 370 Kilometer) angegeben. In der finnischen Ausführung besteht die Besatzung aus sechs Personen, im Truppenraum finden bis zu 25 voll ausgerüstete Marineinfanteristen Platz. Inwieweit die deutsche Version von dieser Konfiguration abweicht, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Vorhaben seit 2017 in Planung
Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Die Analysephase begann im Juli 2017. Nachdem im September 2022 die Möglichkeit geschaffen worden war, das Vorhaben aus dem Sondervermögen Bundeswehr zu finanzieren, veröffentlichte das BAAINBw im Juni 2023 einen Teilnahmewettbewerb auf der europäischen Vergabeplattform TED. Vorgesehen war eine Rahmenvereinbarung über bis zu 15 Boote. Wegen der Dringlichkeit verlangte die Bundeswehr marktverfügbare Boote, die bereits bei einer anderen Marine – möglichst eines NATO-Mitglieds- oder Partnerstaats – eingeführt sind; eine Neuentwicklung kam nicht in Betracht.
