Das Deutsche Heer soll das mobile Drohnenabwehrsystem GARMR erhalten. In einem Video-Statement zählte der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Christian Freuding, das System zu den Waffensystemen, die der im Wiederaufbau befindlichen Heeresflugabwehrtruppe in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren zulaufen sollen. Daneben nannte er den Flugabwehrkanonenpanzer Skyranger 30 und das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Mit diesen Systemen und ihren unterschiedlichen Fähigkeiten solle ein engmaschiger Schutz für die Manöverelemente des Heeres entstehen, damit die Truppe am Boden frei operieren könne. Angaben zu Stückzahlen, Kosten oder einem Zeitplan für GARMR machte Freuding nicht.
Aussage bei der Übernahme des Ozelot
Anlass des Statements war die Übernahme des Leichten Flugabwehrsystems (LeFlaSys) Ozelot von der Luftwaffe. Die Übergabe fand nach Angaben des Verteidigungsministeriums am 14. Oktober während der Übung Spartan Arrow 2026 auf dem NATO-Schießplatz NAMFI auf Kreta statt. Symbolisch gab die Luftwaffe dabei ihren letzten und das Heer seinen ersten Schuss mit dem System ab. Das 2001 eingeführte LeFlaSys war 2012 mit der Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe an die Luftwaffe übergegangen. Laut BMVg soll es den Nahbereichsschutz sicherstellen, bis neue Systeme wie IRIS-T SLS oder Skyranger 30 verfügbar sind.
Freuding bezeichnete die Übernahme als ersten Schritt zum Wiederaufbau der Truppengattung. Die Abwehr von Bedrohungen aus dem bodennahen Luftraum sei für die Operationsführung der Landstreitkräfte entscheidend und Voraussetzung dafür, wieder beweglich operieren zu können. Anfang Dezember soll nach seinen Worten das Fahnenband der Heeresflugabwehrtruppe wieder entrollt und ihr erster Verband aufgestellt werden.
Zwischenlösung für die Panzerbrigade 45
Bereits beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer am 7. Oktober in Berlin hatte Freuding angekündigt, die Panzerbrigade 45 noch vor ihrer Verlegung nach Litauen mit einer ersten Drohnenabwehrfähigkeit auszustatten. Dabei handle es sich um eine leistungsfähige Zwischenlösung, die auch nach dem Zulauf der vorgesehenen Zielsysteme weiter genutzt werden solle. Die Beobachtungen aus der Ukraine zeigten, dass Schutz gegen Bedrohungen aus dem bodennahen Luftraum Voraussetzung für Bewegung, Versorgung und Manöver sei. Bei dieser Zwischenlösung wird es sich um das System GARMR von Diehl Defence handeln.
Kleine Stückzahl zur Qualifizierung
Nach Informationen von hartpunkt aus gut unterrichteten Kreisen soll zunächst eine geringe Zahl von GARMR-Systemen auf Basis der Mercedes-Benz G-Klasse beschafft werden, um sie für die Bundeswehr zu qualifizieren. Der Auftragswert soll unterhalb der Schwelle liegen, ab der eine 25-Millionen-Euro-Vorlage für den Haushaltsausschuss des Bundestages erforderlich ist. Parallel wird demnach ein größeres Vorhaben vorbereitet – möglicherweise im internationalen Rahmen und auf einer größeren, ballistisch geschützten Plattform.
Die G-Klasse-Variante weist laut Beobachtern zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem bereits eingeführten Wolf 2 auf, was den Qualifizierungsaufwand verringern dürfte. Als Bewaffnung gelten zunächst das in der Bundeswehr genutzte Maschinengewehr MG 6 sowie die Abfangdrohne Cicada von Diehl als wahrscheinlich. Andere Abfangdrohnen könnten später hinzukommen; Diehl Defence beziffert die Integrationsdauer für eine neue Abfangdrohne auf wenige Monate.
Radar, Maschinengewehr und Abfangdrohnen
Diehl Defence hatte GARMR im Februar 2026 auf der Messe Enforce Tac in Nürnberg als Weiterentwicklung des Kinetic Defence Vehicle (KDV) vorgestellt. Von diesem Vorgängersystem hatte das Unternehmen mit Finanzierung der Bundesrepublik 16 Exemplare an die Ukraine geliefert.
GARMR basiert auf der G-Klasse der Baureihe 464 mit verlängertem Radstand. Hinter dem Fahrerhaus befindet sich eine geschlossene Kabine mit Bedienkonsole für zwei Soldaten. Ein hoher Automatisierungsgrad und KI-gestützte Detektion und Klassifizierung von Zielen sollen es ermöglichen, das System im Stand notfalls mit einer Person zu betreiben. Zwei EchoShield-Radare des US-Herstellers Echodyne überwachen den Luftraum.
Auf der Bedienerkabine sitzt die stabilisierte Waffenstation R400, die einen Waffeneinsatz auch während der Fahrt erlaubt. Das MG 6 im Kaliber 7,62 x 51 mm erreicht eine maximale Bekämpfungsreichweite von 1.000 bis 1.200 Metern. Auf der Ladefläche finden bis zu 15 Cicada-Abfangdrohnen Platz, die Ziele in mehr als fünf Kilometern Entfernung mit Gefechtskopf bekämpfen oder mit einem Netz einfangen können. Mehrere Fahrzeuge lassen sich zu einer Feuereinheit vernetzen; über eine Schnittstelle soll GARMR zudem in übergeordnete Luftverteidigungssysteme eingebunden werden können. Neben dieser Kurzstreckenversion (SRS) bietet Diehl eine Variante für mittlere Reichweiten (MRS) an.
