Das Heer will seine Fähigkeiten zum Schutz gegen Bedrohungen aus der Luft schneller als bisher geplant aufbauen. Heeresinspekteur Generalleutnant Dr. Christian Freuding kündigte beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer die Rückkehr der Heeresflugabwehrtruppe im Dezember, eine vorgezogene Nutzung von IRIS-T SLM und eine Zwischenlösung zur Drohnenabwehr für die Panzerbrigade 45 an.
Der Inspekteur des Heeres hat in der vergangenen Woche in Berlin den weiteren Fahrplan für die Flugabwehr der Landstreitkräfte skizziert. Beim Parlamentarischen Abend des Förderkreises Deutsches Heer kündigte Freuding an, Anfang Dezember das korallenrote Fahnenband der Heeresflugabwehrtruppe wieder auszurollen. Er betonte, dass der Schritt über Symbolik hinausgehe und an einen konkreten Plan für den Fähigkeitsaufbau gekoppelt sei.
Rückkehr einer aufgelösten Truppengattung
2012 hatte die Bundeswehr die Heeresflugabwehrtruppe, die zu den Kampfunterstützungstruppen zählte, vollständig aufgelöst. Im Frühjahr 2024 entschied der damalige Heeresinspekteur, Generalleutnant Alfons Mais, die Truppengattung neu aufzustellen; erste Strukturen sollten am Standort Lüneburg entstehen. Ziel sei es, den Schutz im Nah- und Nächstbereich innerhalb der Landstreitkräfte zu bündeln.
Das Leichte Flugabwehrsystem wechselt zum Heer
Als ersten Schritt nannte Freuding die Übernahme der leichten Flugabwehrsysteme von der Luftwaffe. Den Abschluss soll ein gemeinsames Schießen von Heer und Luftwaffe auf Kreta bilden, das diese Woche erfolgt.
Bislang betreibt die Flugabwehrraketengruppe 61 der Luftwaffe in Todendorf das leichte Flugabwehrsystem (leFlaSys). Dessen Kernauftrag ist der hochmobile Schutz von Landstreitkräften im Nahbereich gegen tieffliegende Luftfahrzeuge. Hübner hatte die Übernahme des Systems mit dem Waffenträger Ozelot als materielle Erstbefähigung bezeichnet, die bis März 2027 vorgesehen sei. Sie soll es ermöglichen, kurzfristig einsatzfähig zu werden, Personal auszubilden und Verfahren zu etablieren.
IRIS-T SLM ab 2028 auch im Heer
Zudem soll das Heer das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM früher als ursprünglich geplant gemeinsam mit der Luftwaffe einführen und betreiben. Nach Freudings Angaben überlässt die Luftwaffe dem Heer dafür vorgezogen ab 2028 zwei Feuereinheiten, die als Anfangsbefähigung dienen sollen.
Die Luftwaffe stattet derzeit die Flugabwehrraketengruppe 61 mit fünf IRIS-T-SLM-Waffensystemen aus; die Umrüstung soll 2027 abgeschlossen sein. Für den Raumschutz setzt das Heer nach Hübners Angaben vor allem auf IRIS-T SLM und SLS, für den Begleitschutz im Nahbereich auf den Skyranger.
Drohnenabwehr und Lehren aus der Ukraine
Bei der Drohnenabwehr liegt der Schwerpunkt laut Freuding auf der Panzerbrigade 45. Das Heer arbeite daran, den Verband noch vor seiner Verlegung mit einer Drohnenabwehrfähigkeit auszustatten. Vorgesehen sei eine leistungsfähige Zwischenlösung, die auch nach dem Zulauf der geplanten Zielsysteme weitergenutzt werden soll. Die Brigade in Litauen soll bis 2027 mit rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivilen Beschäftigten voll einsatzfähig sein.
Das Vorgehen entspricht dem Ansatz, den Hübner im Frühjahr beschrieben hatte: Neben Hochwertsystemen sollen auch marktverfügbare Zwischenlösungen beschafft werden, um die Zeit bis zur Nutzung in der Truppe zu verkürzen.
Freuding wertete die angekündigten Maßnahmen insgesamt als spürbaren Fortschritt, der jedoch nicht ausreiche. Er verwies auf die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine: Der Schutz gegen Bedrohungen im bodennahen Luftraum sei die Voraussetzung dafür, dass Truppen sich bewegen, versorgt werden und manövrieren können. Hübner hatte die veränderte Lage als Verschiebung hin zu einem vernetzten Bedrohungsmix aus Masse, Tempo und Präzision beschrieben, in dessen Zentrum unbemannte Systeme stehen.
