Lockheed Martin hat am 9. Oktober 2026 mit PAC-3 Edge einen neuen Abfangflugkörper für das Patriot-Umfeld vorgestellt. Das System ist das Angebot des Unternehmens im Future-Interceptor-Wettbewerb der US Army und soll bis 2031 einsatzbereit sein.
Angebot im laufenden Wettbewerb
Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hat am 9. Oktober 2026 in Dallas den Abfangflugkörper PAC-3 Edge präsentiert. Er ist für das Future-Interceptor-Programm der US Army vorgesehen, das sich derzeit im Wettbewerb befindet. Nach Unternehmensangaben hat die Army Lockheed Martin in die nächste Entwicklungsphase überführt. Die Erprobung soll 2027 beginnen, eine Einführung ist bis 2031 vorgesehen.
PAC-3 Edge baut auf der PAC-3 MSE (Missile Segment Enhancement) auf, die derzeit im Patriot-System eingesetzt wird. Ziel ist die Abwehr von Luftzielen, ballistischen Flugkörpern und Hyperschallwaffen in größeren Höhen und auf größere Entfernungen, als es mit dem Vorgängermodell möglich ist. Tim Cahill, Leiter der Sparte Missiles and Fire Control, beschrieb den Flugkörper als Weiterentwicklung der PAC-3 MSE für das Patriot-System. Nach seiner Darstellung bietet PAC-3 Edge gegenüber der MSE mehr Manövrierfähigkeit, Schub und Geschwindigkeit und soll die mehrschichtige Luftverteidigung der Army stärken.
Neuer Suchkopf und Mehrpuls-Triebwerk
Kernstück ist ein neuer Suchkopf, den Lockheed Martin selbst fertigt und der im unternehmenseigenen Strigo Product Center entwickelt wurde. In diese Einrichtung hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 250 Millionen US-Dollar investiert, um die Präzision und Manövrierfähigkeit gegen neue Bedrohungen zu erhöhen. Den Antrieb liefert ein Mehrpuls-Feststoffraketenmotor von Northrop Grumman, der den Schub über die gesamte Flugphase gezielt steuern soll. Zusätzlich wurde die Flugsteuerung überarbeitet, um die Leistung in großer Höhe und auf große Distanz zu verbessern. Konkrete Angaben zu Reichweite oder Geschwindigkeit enthält die Mitteilung nicht.
Einbindung in bestehende Systeme
PAC-3 Edge soll mit vorhandenen und künftigen Komponenten der integrierten Luft- und Raketenabwehr der Army zusammenarbeiten. Genannt werden das Führungssystem Integrated Battle Command System (IBCS), der Startwerfer M903, containerisierte Startgeräte sowie HIMARS Flex. Lockheed Martin ordnet den Flugkörper in die PAC-3-Familie ein, zu der neben der MSE auch die ältere PAC-3 CRI und die kostengünstigere PAC-3 ACE gehören.
Programm mit wechselvoller Vorgeschichte
Die Suche nach einem Nachfolger für die Patriot-Abfangflugkörper verlief nicht geradlinig. Im Jahr 2024 kündigte die Army an, das Programm Lower-Tier Future Interceptor (LTFI) einzustellen, in dem Raytheon und Lockheed Martin konkurrierten. Ein Jahr später deutete ein Army-Vertreter an, dass das Vorhaben doch fortgesetzt werden könnte. Als Begründung für den Abbruch hatte das Programmbüro auf hohe Kosten verwiesen und stattdessen auf eine Weiterentwicklung der PAC-3 MSE gesetzt. Für das Haushaltsjahr 2026 wurden schließlich 152 Millionen US-Dollar für Forschung, Entwicklung und Erprobung im Rahmen von LTFI eingeplant.
Laut Haushaltsunterlagen soll der Future Interceptor Bedrohungen im unteren Abfangbereich der Raketenabwehr bekämpfen und dafür höhere Geschwindigkeit, Flughöhe und Manövrierfähigkeit bieten. Die Konzeptphase wird über ein Vertragsinstrument des Defense Ordnance Technology Consortium mit mehreren Anbietern im Wettbewerb durchgeführt. Welche weiteren Unternehmen derzeit beteiligt sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Produktion und Bezug zu Europa
Gefertigt werden soll PAC-3 Edge auf der bestehenden PAC-3-Linie in Camden im US-Bundesstaat Arkansas. Dort fährt Lockheed Martin derzeit die Produktion der PAC-3 MSE hoch, nachdem mit dem Pentagon eine Verdreifachung der Stückzahlen innerhalb von sieben Jahren vereinbart wurde. Nach dem Haushaltsantrag der Army für 2027 liegt der Stückpreis einer PAC-3 MSE bei 5,3 Millionen US-Dollar.
Auch die Bundeswehr setzt die PAC-3 MSE ein. Deutschland hat 2024 und 2025 über das Foreign-Military-Sales-Verfahren insgesamt 720 dieser Flugkörper für zusammen 5,3 Milliarden Euro bestellt. Ob PAC-3 Edge künftig auch für Exportkunden angeboten wird, lässt die Mitteilung offen.
