Auf der Hamburger Schiffbaumesse SMM 2026 hat das Königslutterer Unternehmen Mehler Protection mit SCILT NAVAL ein aktives Counter-UAV-System präsentiert, das einzelne Schiffe gegen kleine Drohnen im Nahbereich schützen soll. Das System ist die maritime Ableitung einer bereits im Februar vorgestellten Landvariante.
Lücke zwischen passivem Schutz und Luftverteidigung
Mehler Protection hat SCILT NAVAL am 1. September 2026 vorgestellt. Die Präsentation erfolgte auf der Shipbuilding, Machinery & Marine Technology (SMM), die vom 1. bis 4. September 2026 auf dem Gelände der Hamburg Messe stattfand und als internationale Leitmesse der maritimen Wirtschaft gilt.
Ausgangspunkt der Entwicklung ist nach Darstellung des Herstellers eine Schutzlücke im unmittelbaren Umfeld einzelner Plattformen. Marineverbände verfügten über leistungsfähige Luftverteidigung auf große Entfernungen, im Nah- und Nächstbereich bestünden dagegen erhebliche Defizite. Als besonders kritische Szenarien nennt das Unternehmen Hafenlagen, Kanaldurchfahrten, amphibische Operationen, Landungsschiffe und stationäre maritime Einrichtungen. SCILT soll dort als letzter aktiver Schutzbaustein wirken und die Lücke zwischen passivem Schutz und großskaliger Flugabwehr schließen.
Die Bedrohungslage, auf die sich das System bezieht, ist operativ dokumentiert. Im Roten Meer griffen die Huthi-Milizen seit Ende 2023 Handels- wie Kriegsschiffe mit Selbstmorddrohnen, Lenkflugkörpern und bewaffneten Schnellbooten an. Fachpublikationen verweisen darauf, dass kleine Drohnen für Bordsensorik ein schwieriges Ziel darstellen: Sie fliegen langsam und tief, haben einen geringen Radarquerschnitt und können in den Radarechos der bewegten Meeresoberfläche oder vor Küstenkonturen verschwinden.
Technischer Aufbau
SCILT NAVAL ist auf kleine unbemannte Luftfahrzeuge ausgelegt, darunter FPV-Drohnen, kamikazeartige Systeme und Loitering Munition. Nach Herstellerangaben kann das System sowohl Einzelziele als auch mehrere gleichzeitig anfliegende Bedrohungen bekämpfen.
Effektoren, Sensorik und Bedienlogik sind an Bord integriert. Die Sensorpakete umfassen elektro-optische Systeme und weitere Nahbereichssensorik, die der Detektion und der Entscheidungsunterstützung des Bedieners dienen. Das System arbeitet mit drei Alarmstufen für Detektion, Annäherung und Auslösung. In der ersten Ausbaustufe ist ein Man-in-the-Loop-Betrieb vorgesehen; eine schrittweise Automatisierung soll folgen, sobald Zulassungs- und Einsatzverfahren dies erlauben.
Als Wirkmittel kommen marktübliche Schrotkaliber zum Einsatz, das Spektrum reicht von fragmentierenden bis zu panzerbrechenden Varianten. Gegenüber der Landversion nennt das Unternehmen eine erhöhte Wirkreichweite und eine automatische Nachladung als wesentliche Unterschiede. Die Anbindung an vorhandene Führungs- und Sensorsysteme ist vorgesehen; fehlt eine Schnittstelle, kann SCILT autark mit eigener Aufklärung und Wirkungskette betrieben werden. Bedien- und Anzeigeeinheiten lassen sich an mehreren Positionen im Schiffsinneren installieren.
Entwicklung und Erprobung
Die Entwicklung erstreckte sich nach Angaben des Herstellers über rund 18 Monate und umfasste 48 Testreihen. Untersucht wurden unter anderem Außen- und Zielballistik, Auslösesicherheit und Fragmentverteilung sowie maritime Einflussfaktoren wie Salzsprühnebel, Korrosionsbeständigkeit, Vibrationen und Seeschlag. Auf dieser Grundlage seien Wirkreichweite und Effektorkonfiguration festgelegt worden.
Einordnung ins Portfolio
SCILT wurde erstmals im Februar 2026 auf der Enforce Tac in Nürnberg als Schutzsystem für Landfahrzeuge vorgestellt und im Juni auf der Eurosatory in Paris gezeigt. Die Landvariante ist darauf ausgelegt, Kleindrohnen kinetisch abzuwehren, die Fahrzeuge aus kurzer Distanz und in flachen Anflugwinkeln angreifen. Die erste Version dieser Ausführung sollte ab Sommer 2026 verfügbar sein.
Mehler Protection gehört zur Mehler Systems Gruppe und liefert Schutzlösungen für Hubschrauber, Landfahrzeuge und Marinesysteme. Nach eigenen Angaben zählt das Unternehmen zu den Zulieferern mehrerer derzeit im Bau befindlicher Schiffsplattformen der Deutschen Marine. Angaben zu Preis, Zulassungsstand oder konkreten Beschaffungsvorhaben für die Marinevariante machte das Unternehmen bislang nicht.
